Dolce Vita im Schwarzwälder Schlaraffenstädtchen

Ein Winterwochenende in Calw

Beleuchteter und weihnachtlich geschmückter Marktplatz. Links und rechts des Platzes befinden sich viele Fachwerkhäuser.
Kultur, Kulinarik und Shopping in der Kleinstadtperle Calw

BW Story - Hirsch und Greif

Kultur, Kulinarik und Shopping in der Kleinstadtperle Calw

Wie süß kann eine schwäbische Kleinstadt sein? Schmale Gassen, historisches Fachwerk und unzählige kleine Läden. Vielleicht das Beste, was man aus einem Winterwochenende machen kann: ein Ausflug ins kuschelige Calw. Sehenswert gerade dann, wenn ein zünftiger Winter über dem Nagoldtal liegt und der Morgentau wie Zuckerwatte die Dächer bedeckt. Tauchen wir ein ins Kleinstadtleben mit dichtem Programm. Wir haben uns schockverliebt in Calw – und das schon vor dem Dessert.

Eine Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern im Winter
Calw bezaubert mit seinen über 200 gut erhaltenen Fachwerkhäusern. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Tag 1: Zwischen Laternen und anderen Highlights

Hallo, Herr Nachtwächter

Tag 1: Zwischen Laternen und anderen Highlights

18.00 Uhr: 
Dem Nachtwächter ist Folge zu leisten. Der Herr mit dem weißen Bart hat Erfahrung mit finsteren Gestalten. Er nimmt uns mit auf eine Tour durch die Calwer Innenstadt. Wir süßen Wochenendgäste sind seine leichteste Übung. Vielleicht ist der strenge Herr deshalb so gut gelaunt. Er liefert spannende Anekdoten vor traumhaft beleuchtetem Fachwerk. Wir fühlen uns, als wären wir im vorletzten Jahrhundert zu Gast. Nebenbei stellen wir fest: Sogar bei Nacht ist Calw ein süßes Städtchen. Wie es wohl tagsüber aussieht?

Ein Nachtwächter steht an einem Brunnen. Im Hintergrund sieht man Fachwerkhäuser.
Beim Nachtwächterrundgang lernt man die Calwer Altstadt bei Nacht kennen. | © Stadt Calw, Foto: Jan Walter
Ein Nachtwächter bläst in ein Signalhorn
Der Nachtwächter kennt viele spannende Anekdoten aus dem vorletzten Jahrhundert. | © Stadt Calw, Foto: Jan Walter

20.30 Uhr: 
Trotz bestem Abend-Entertainment gibt’s wenig Schöneres, als in eine warme Stube zu treten. In unserem Fall die Gaststube des „Alten Calwers“. Auch der Nachtwächter hatte uns geflüstert, dass alte Calwer Küche eine absolute Empfehlung sei. Original regionale Spezialitäten mit Zutaten aus Heckengäu und Nordschwarzwald. Kann man sich leicht merken: Nagold abwärts gesehen liegt das Heckengäu rechts, der Schwarzwald links. Die Heckengäu Linsen sind ein Gedicht. Der Saibling aus dem Schwarzwälder Zinsbachtal muss ein glückliches Leben gehabt haben. Und erst das Dessert! Darum sind wir hier: Dolce Vita in Calw.

Highlights des Tages

Highlights des Tages

Zum Alter Calwer

Restaurant Calw

Zum Alten Calwer

Tag 2: Leben in vollen Läden

Weil süße Sachen glücklich  machen

Tag 2: Leben in vollen Läden

9.00 Uhr: 
Welch ein Frühstück! War eigentlich klar, schließlich beherrscht die Hotel-Chefin selbst die hohe Kunst der Patisserie. Ihre süßen Stückchen verkosten wir zwar erst am Nachmittag, aber schon beim Frühstück erkennen wir Ann-Catherines Händchen fürs Besondere. Wir haben fürs Wochenende im Hotel-Restaurant Rössle eingecheckt. Natürlich mittendrin und typisch Calw: in einem alten Fachwerkhaus.

Eine kleine Kapelle steht auf einer Brücke, die in eine Altstadt führt. Schnee liegt auf der Straße
Die Nikolausbrücke mit der kleinen Kapelle bildet das Tor zur Calwer Altstadt. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Fachwerkhäuser in einer Altstadt im Winter
Calw ist bekannt für seine vielen Fachwerkhäuser.  | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf

9.30 Uhr: 
Jetzt aber raus. Der samstägliche Wochenmarkt ist in vollem Gange. Frische Spezialitäten vor historischer Kulisse. Wir werden zwar an diesem Wochenende nicht selbst am Herd stehen. Trotzdem schreiten wir neugierig an den Ständchen vorbei und begutachten die Auslage. Wenn ich den Calwer Dialekt höre, frage ich mich schon, wie man das eigentlich richtig ausspricht. Eher hart, also „Kalf“? Eher weich, also „Kalv“? Oder wie ein junges Kälbchen, also „Kalb“? Ob ich einfach die Passanten frage … Ach, so wichtig ist es auch nicht. Ich frage vielleicht später.

Marktstände von Obstbauern auf einem Wochenmarkt in einer Altstadt
Auf dem Marktplatz findet jeden Samstag der Calwer Wochenmarkt statt. | © Stadt Calw

10.00 Uhr: 
Ist das nicht süß? Und das hier? Und schau doch mal: das hier! Wir sind zu Besuch bei Fräulein Samstag. Im kleinen Lädchen mit dem Namen, der heute so gut passt, gibt’s alles, was zwischen Naturseifen, Accessoires und Designermoden Platz findet. Nebenbei lernen wir die Vorzüge des Einkaufsbummels in der Kleinstadt kennen: Das Hotel liegt stets um die Ecke. Bedeutet: Wir können die frisch geshoppten Errungenschaften aufs Zimmer bringen – und haben die Hände frei für unsere nächste Entdeckung.

Dekoartikel in einem kleinen Geschäft
Im kleinen Laden "Fräulein Samstag" findet man unzählige Geschenkideen - von Naturseifen über Accessoires bis zu Designermode. | © Christina Heger

10.30 Uhr:
Ist das noch Shopping oder schon Sightseeing? Wir besuchen ein Buchatelier! Was anderswo fast ausgestorben scheint, floriert in Calw. Hier ist die gute, alte Buchbindekunst lebendig. Wie gut, dass in Kürze ein Fest ansteht. Tatsächlich stolpern wir von einer Geschenkidee zur nächsten. Wir betreten die Weinhandlung Apéro – und nehmen eine kleine Kiste mit. Wir betreten das Naschparadies Chocolat – und nehmen eine zuckersüße Pralinenkollektion mit. Wir betreten das Geburtshaus von Hermann Hesse – und haben etwas zum Anziehen in der Tüte. Weil im Erdgeschoss des historischen Gebäudes ein Modehaus mit Tradition eingerichtet ist.

handgefertigte Knautschbücher in einem Korb in einem Laden
Im Buchatelier Blattwerk ist das uralte Buchbindehandwerk lebendig. Die handgefertigten Knautschbücher eignen sich perfekt als Geschenk. | © Larissa Ebel
Große Pralinenauswahl in einer Chocolaterie
Die Pralinenauswahl im Chocolat ist riesig - bis zu 80 handgefertigte Sorten werden angeboten.. | © Chocolat Calw
Langer Gang in einem Bekleidungsgeschäft
Das Modehaus Schaber befindet sich im Geburtshaus von Hermann Hesse. | © Piet Schaber
Die Theke eines Cafés
Das Café Goldmund ist der ideale Ort für eine kleine Stärkung nach einem Shopping-Vormittag. | © Clara Heger

12.00 Uhr:
Welch ein Shopping-Vormittag! Stilgerecht abgerundet wird er im Café Goldmund. Wir bestellen „Hannahs Hüftgold“, ein belegtes Brot mit Erdnussbutter, Schoko und Banane. Ein passendes Häppchen für unser süßes Wochenende. Übrigens: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Menschen im Winter verstärkt auf süß stehen. Das liegt am Serotonin, auch als Glückshormon bekannt. Sachen zum Naschen regen die Serotoninproduktion im Körper an. Genau auf dieses Hormon sind wir Menschen angewiesen, in den Jahreszeiten mit den kürzeren Tagen. So gesehen wirkt Hannahs Hüftgold wie Medizin. Und sooo lecker!

schneebedeckter Platz mit einem Brunnen in einer Altstadt. Um den Platz herum befinden sich viele Fachwerkhäuser.
Auf dem historischen Audiostadtrundgang können Gäste an 26 Stationen die Fachwerkstadt Calw kennenlernen. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Straße in einer Altstadt mit vielen schneebedeckten Fachwerkhäusern
Der Stadtrundgang führt vorbei am Marktplatz, der Evangelischen Stadtkirche, der Nikolausbrücke und vielen weiteren Highlights. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf

14.00 Uhr: 
Die Wintersonne wirft ein warmes Licht aufs Fachwerk. Als hätte sie unser Programm gelesen. Wir haben uns den Audio-Spaziergang aufs Handy gezogen und starten, wie es die freundlichen Stimmen empfehlen, im Norden der Stadt. In Calw ist sogar die Turnhalle aus Fachwerk. Hätte die Halle einen Turm, könnte man sie glatt mit einer Kirche verwechseln. Mit unserem Audioguide entdecken wir die Stadt mit dem Ohr – und das Fachwerk mit anderen Augen. Wir erkennen Fächerrosetten, Eselsrücken und Feuerböcke. Alles in allem kein Wunder, dass die Deutsche Fachwerkstraße durch Calw führt.

Urige, verschneite Hütte wird in der Dunkelheit beleuchtet
Im urigen Krabba-Nescht im Calwer Ortsteil Holzbronn schmecken die schwäbischen Spezialitäten besonders gut. | © Christine Klein-Seeger
Der Gastraum eines urigen Restaurants im Holzstil mit Kamin
Im urigen Krabba-Nescht im Calwer Ortsteil Holzbronn schmecken die schwäbischen Spezialitäten besonders gut. | © Christine Klein-Seeger

17.00 Uhr: 
Auf geht’s nach Holzbronn. Wir haben für den Abend im Krabba-Nescht reserviert. Ein Lokal, das selbst ohne Essen ein Erlebnis wäre. Innen sieht es aus, wie auf einem riesigen Dorfplatz. Sogar ein alter Birnbaum steht in der Mitte. Die Speisekarte ist so zünftig wie das Ambiente. Die schwäbischen Spezialitäten sind vollzählig vorhanden. Linsen und Spätzle, Schlachtplatte, Kässpätzle. Weil wir voll auf dem Süß-Trip sind, schließen wir den zauberhaften Tag mit einem Likör aus der hauseigenen Schwarzwaldbrennerei ab. Wir haben ja gelernt: Das ist gut für die Glückshormone. Wir können es bestätigen: Es wirkt fantastisch.

Highlights des Tages

Highlights des Tages

Hotel Rössle, (Calw), UKV 01847

Restaurant Calw

Restaurant Rössle

Frl Samstag Bild2

Spezialgeschäft Calw

Fräulein Samstag

Teaser

Spezialgeschäft Calw

Buchatelier Blattwerk

Apéro

Weinhandlung Calw

Apéro - Genuss und Geselligkeit

Chocolat Calw

Spezialgeschäft Calw

Chocolat - Boutique der feinen Genüsse

Modehaus Schaber

Bekleidungsgeschäft Calw

Mode Schaber

Café Goldmund_Erdbeertoertchen

Café Calw

Café Goldmund

Historischer Audio-Stadtrundgang

Stadtrundgang

Historischer Audio-Stadtrundgang Calw

Leicht
  • 2.1 km
  • 00:35 h
  • 36 m
Krabba Neschd

Restaurant Calw-Holzbronn

Krabba-Nescht

Tag 3: Eindrucksvolles Kloster Hirsau

Spaziergang durch die Geschichte

Tag 3: Eindrucksvolles Kloster Hirsau

10.00 Uhr: 
Der frühe Vogel kann uns mal. Wir lassen ihn guten Gewissens vorbeifliegen. Konzentrieren wir uns aufs Ei. Es ist ja auch eine Herzensangelegenheit, diesem wundervollen Frühstücksbuffet die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Wenn die Sonne über die Heckengäusseite ins Nagoldtal scheint, gehen wir los. Passt genau.

Im Hintergrund ragen bewaldete Berge in den Himmel. Im Vordergrund läuft ein Fluss durch eine Wiese. Auf der rechten Seite stehen Häuser.
Folgt man der Nagold von Calw aus flussabwärts, ist man in einer knappen Stunde in Hirsau. | © Nina Zasche

10.30 Uhr:
Entspannter Spaziergang entlang der Nagold. Leicht flussabwärts. Immer auf der Sonnenseite. Wir werden heute das Kloster Hirsau inspizieren. Fast tausend Jahre ist es her, dass sich vom Kloster St. Peter und Paul eine Reformbewegung in Gang setzte, die weite Teile Europa erfasste. Unser Gang bleibt trotzdem gemächlich. Wir schlendern gemütlich und genießen die Sonne. Hirsau ist nicht weit.

Die schneebedeckte Ruine eines ehemaligen Klosters
Das Kloster St. Peter und Paul war im 11. und 12. Jahrhundert ein wichtiges deutsches Reformkloster. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Die schneebedeckte Ruine eines ehemaligen Klosters
Das Kloster St. Peter und Paul war im 11. und 12. Jahrhundert ein wichtiges deutsches Reformkloster. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Die schneebedeckte Ruine eines ehemaligen Klosters
Das Kloster St. Peter und Paul war im 11. und 12. Jahrhundert ein wichtiges deutsches Reformkloster. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf

11.30 Uhr: 
Wirklich beeindruckend. Heutzutage würde man es wohl als Lost Place bezeichnen. Die Ruinen des alten Klosters werfen die Strahlen der Wintersonne zurück. Die dreischiffige Basilika St. Peter und Paul war sogar eine der größten romanischen Kirchen Südwestdeutschlands. Auch wenn das Klostermuseum bis Anfang April geschlossen ist, gibt es rund um das Kloster noch jede Menge zu entdecken. Ganz in der Nähe befindet sich das Hirsauer Rotwildgehege. Die Rothirschfamilie wartet schon auf ihre Fütterung, die täglich zwischen 13 und 14 Uhr stattfindet.

Nahaufnahme eines Hirschs in einer winterlichen Landschaft
Bei den Fütterungen kann die Rothirschfamilie im Rotwildgehege in Hirsau besonders gut beobachtet werden. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf
Nahaufnahme eines Rehs in einer winterlichen Umgebung
Bei den Fütterungen kann die Rothirschfamilie im Rotwildgehege in Hirsau besonders gut beobachtet werden. | © Lightworkart, Foto: Manuel Kamuf

13.00 Uhr: 
Da werden auch wir ganz hungrig. Also rein in die gute Stube. Wir sitzen am reservierten Tisch im Hotel Restaurant Kloster Hirsau. Dort gönnen wir uns ein Menü, das man auch als Spaziergang durch die Landschaft bezeichnen könnte. Alle Zutaten stammen aus der Region. Praktisch eine Naturparkwanderung im Sitzen. Als Fans der süßen Sachen hat uns beim Dessert fast der Atem gestockt: Holunder-Creme-Brûlée mit Apfelragout und Haselnuss. Ein Gedicht! Jetzt wissen wir, warum auf der Speisekarte das Menü als „à la Hermann Hesse“ ausgelobt wird. Es schmeckt tatsächlich nobelpreisverdächtig.

Eine Vorspeise angerichtet auf einem weißen Teller
Das Hotel Restaurant Kloster Hirsau verwöhnt seine Gäste mit Menüs aus regionalen Zutaten. | © Astrid Hassel

15.30 Uhr: 
Wir wollten eigentlich den Bus nehmen. Aber wir entscheiden uns für den Spaziergang zurück nach Calw. Soll ja guttun, nach der wundervollen Sonntagsmahlzeit. Apropos: Hier ein Hinweis für alle, die in Calw selbst ein Wochenende verbringen wollen und telefonisch buchen. Calw spricht man tatsächlich aus wie „Calf“. Allerdings mit einer Ausnahme: Bei „Zum Alten Calwer“ ist die Aussprache weicher. Also „Zum Alten Calver“. Für uns ist die richtige Aussprache eine hilfreiche Erkenntnis. Denn wir kommen wieder. Wir haben so vieles nicht gesehen, unter anderem die Kaffeerösterei von innen und das Hermann-Hesse-Museum. Wir werden beim nächsten Mal eine Calwer UR-Seife herstellen und einen der feinen Wanderwege unter die Sohlen nehmen. Es ist tatsächlich wahr: Calw macht Appetit auf mehr – und zwar nicht nur auf Süßes.

Highlights des Tages

Highlights des Tages

Glockenturm und Jagdschloss Im Kloster Hirsau

Kloster Calw-Hirsau

Kloster St. Peter und Paul Hirsau

Klostermuseum Hirsau Außenansicht

Spezialmuseum Calw-Hirsau

Klostermuseum Calw-Hirsau

Rotwildgehege Calw-Hirsau

Wildgehege Calw

Rotwildgehege