7 Gründe, Baden-Württemberg zu durchwandern
NATUR

7 Gründe, Baden-Württemberg zu durchwandern

14. August 2019

Text und Bilder: Philipp Sauer

Ein Fernwanderweg durch ganz Baden-Württemberg? Gibt’s das? Ganz klar - JA! Es gibt eben nicht mehr nur »die« typischen Weitwanderstrecken, wie eine Alpenüberquerung oder den Jakobsweg. Nein, diese spezielle Form des Wanderns kann auch ohne Probleme in Baden-Württemberg durchgeführt werden, denn das meditative »Mit-sich-selbst-unterwegs-sein«, das man auf Weitwanderungen sucht, eine tolle Natur, die Abenteuer, die sportliche Herausforderung, das Eintauchen und Kennenlernen von Kultur und Mentalität der Menschen vor Ort und eine wunderbare Wanderinfrastruktur findet man auch vor der eigenen Haustüre.

Weit und lange zu wandern bedeutet aber nicht, nur Kilometer um Kilometer, Tag um Tag aneinanderzureihen. Es sind spezielle Aspekte, die das »Weiterwandern« einzigartig machen und die man nur erlebt, wenn man länger als fünf Tage am Stück unterwegs ist und nicht nur ein verlängertes Wochenende. Es ist eben nicht nur eine kurze Auszeit vom Alltag, sondern eine richtig lange und für manche vielleicht sogar ein »Reset« mit sich selbst. Wer sich einmal getraut hat, solch ein Projekt mit all seinen Unvorhersehbarkeiten anzugehen, ist am Ende der Reise auf die eine oder andere Weise ein anderer Mensch geworden. Neben der Beschäftigung mit sich selbst (Körper und Geist) lernt man die Natur, die Kulturgeschichte und die Mentalität der Bewohner der Landstriche, durch die man wandert, viel intensiver kennen und kann sie in Beziehung zueinander setzen. Begegnungen und Eindrücke dieser Art sind aufgrund der Länge der Wanderung einfach häufiger.

Eine Weitwanderroute, die alle bedeuteten Naturregionen Baden-Württembergs in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit überwiegend auf Qualitätspfaden miteinander verbindet und damit mehr als eine reine Nord-Süd-Durchquerung bietet, gab es bisher nicht. Wir durchwandern das burgenreiche Neckartal, das den rot schimmernden Odenwald durchschneidet, lernen die schwäbische Toskana um Heilbronn kennen, tauchen in die tiefen Wälder und Bachklingen des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald ein, um dann auf den felsigen Traufpfaden der Alb entlangzuwandern. Über das weithin bekannte, mächtige Donautal und die schäumende Wutachschlucht gelangen wir in den Hochschwarzwald zum Feldberg, dem höchsten deutschen Mittelgebirgsberg. Von dort steigen wir zum glasklaren Hochrhein hinunter und erreichen schließlich nach dem imposanten Rheinfall das Baden-Württembergische Meer, den Bodensee, wo unsere »Route de Ländle« nach 35 Etappen endet.

Der Odenwald

Los gehts im Norden, an der Grenze zu Hessen. Wir starten in der Zwei-Burgen-Stadt Weinheim und steigen unmittelbar von der Stadt in den Odenwald auf. Zuerst passieren wir dabei die Ruine Windeck, wenig später erreichen wir die noch höher gelegene Wachenburg. Von dort hat man tolle Aussichten auf die sich vor uns ausbreitende, fruchtbare Rheinebene bis hinüber zum Pfälzer Wald und auf den umliegenden Odenwald. Via Wilhelmfeld geht es dann tags darauf ins malerische und geschichtsträchtige Neckartal hinunter.

Odenwald_Philipp Sauer
Vom Schütze-Kreuz aus hat man Aussichten weit in den südlichen Odenwald hinein. - © Philipp Sauer

Das Neckartal

Das romantische Flusstal mit seinen urigen Seitentälern (sog. Klingen) und berühmten Burgen, die sich wie Perlen an die Talseiten des sattgrünen Odenwalds schmiegen, gehört zum touristischen Highlight des Bundeslandes. Dieser 4-tägige Abschnitt endet in der ehemaligen Reichsstadt Bad Wimpfen, die hoch über dem Neckar thront und mit ihrer wunderschönen Altstadt lockt.

Feste Dilsberg_Philipp Sauer
Wie von einem Adlerhorst schaut man von der Feste Dilsberg ins Neckartal hinunter - © Philipp Sauer
Bad Wimpfen_Philipp Sauer
Die alte Reichsstadt Bad Wimpfen. - © Philipp Sauer

Der Schwäbisch-Fränkische Wald

Bevor wir die wilden und harschen Bachtäler des Schwäbisch-Fränkischen Waldes erreichen, durchqueren wir noch die davor gelagerte schwäbische Toskana. Diese wundervoll mediterran anmutende Landschaft vor den Toren Heilbronns wird bestimmt von duftenden Kiefernwäldern und Weinbergen, deren Rebensaft uns abends die müden Knochen etwas weniger schmerzhaft spüren lassen.

Schwäbisch Fränkischer Wald_Philipp Sauer
Weinberge sind nur ein Natrium im Schwäbisch-Fränkischen Wald ... - © Philipp Sauer
Schwäbisch Fränkischer Wald 2_Philipp Sauer
…wilde Bachtäler, wie die Wielaufschlucht, die anderen. - © Philipp Sauer

Die Schwäbische Alb

Gibt es etwas schöneres, als sich am felsigen Albtrauf entlang, dieses tolle Mittelgebirge zu erwandern? In den kommenden 10 Tagen erwartet uns Natur pur, gespickt mit schwindelerregenden Aussichtsfelsen, schmalen Pfaden am Albtrauf entlang, Wasserfällen, Burgruinen, Höhlen und lichten Wäldern. Am Ende dieses Abschnittes erwartet uns noch der schwäbischen Grand Canyon - das weithin bekannte Donautal mit seinen massiven Felsen, der noch jungen Donau und dem weltberühmten Kloster Beuron als Mittelpunkt. Hier haben wir übrigens einer unserer Ruhetage eingelegt.

Trauflandschaft Zollernalb_Philipp Sauer
Vom Bölat aus hat man einen 270-Grad Blick auf die tolle Trauflandschaft der Zollernalb. - © Philipp Sauer
Donautal_Philipp Sauer
Der schwäbische Grand Canyon – das mächtige Donautal. - © Philipp Sauer

Der Schwarzwald

Knappe 6 Tage sind wir in Deutschlands bekanntestem Mittelgebirge unterwegs … dem Black Forest. Dabei reiht sich ein Highlight ans nächste: Die Wutachschlucht, der Titisee, der Feldberg mit Feldsee, das raue Albtal nach Menzenschwand hinunter, das Alpenpanorama Dorf Höchenschwand und der daran anschließende Abstieg ins Rheintal hinunter. Da wir im Gebirge unterwegs sind, wird der Rucksack plötzlich doppelt so schwer und die Füße sind am Tagesende auch kaum wiederzukennen, so verschwollen und ramponiert sind sie. Aber ein deftige Hüttenjause aus Schwarzwälder Speck, Käse und frisch gebackenem Brot, lassen einen das schnell vergessen.

Feldberg_Philipp Sauer
Der höchste Berg des Landes, der Feldberg mit der davor liegenden Karwand des Feldsees. - © Philipp Sauer
Wasserfall Menzenschwand_Philipp Sauer
Klamm und Wasserfall der Menzenschwander Alb. - © Philipp Sauer

Das Klettgau

Eine kleine, pittoreske Landschaft, die wir vor unserer Wanderung gar nicht auf unserem Radar hatten. Bestimmt wird diese Gegend vom glasklaren Rhein, der hier so sauber ist, dass man allenthalben Gelegenheit hat, sich in seine kühlen Fluten zu stürzen und seinen müden Körper zu erfrischen. Herausragender Höhepunkt ist natürlich der riesige Rheinfall, der sich schäumend und Gischt verspritzend, in den Abgrund stürzt. Viele schöne mittelalterliche Städte liegen links und rechts des Flusses auf unserer Route und lassen uns auch unsere Schweizer Nachbarn näher kennenlernen.

Rheinfall Schaffhausen_Philipp Sauer
Bei Schaffhausen, der weltbekannte, schäumende Rheinfall. - © Philipp Sauer
Stein am Rhein_Philipp Sauer
Stein am Rhein ist eine der vielen Perlen entlang des jungen Rhein. - © Philipp Sauer

Der Bodensee

Morgens wandern wir noch am Hochrhein entlang, bevor wir über die Höri den schönsten und größten See Baden-Württembergs erreichen, unseren Bodensee. Die Region um ihn ist so voller Zeugnisse alter Geschichte, dass man gar nicht weiß, wohin schauen und staunen. Klöster, alte Städte und Schlösser und dazwischen der riesenhafte See, den sich 3 Länder teilen und dessen Wasser so rein ist, dass man mit Fug und Recht behaupten kann, in Trinkwasser zu baden. Am Ende unserer Route liegt Konstanz. Die alte Konzils- und Reichsstadt bildet einen würdigen Schlusspunkt und wer noch nicht genug hat - dort findet man Anschluss an andere Fernwanderwege, wie z. B. den Schwabenweg (ein Teilstück des Jakobwegs von Konstanz zum Kloster Ein- siedeln), den E5 (Alpenüberquerung von Konstanz nach Verona) oder den E1 (Schweden – Umbrien).

Konstanzer Hafen_Philipp Sauer
Am Ende liegt die Hafeneinfahrt von Konstanz und die Imperia. - © Philipp Sauer
Blick auf Insel Reichenau_Philipp Sauer
Blick auf Allensbach und die Insel Reichenau. - © Philipp Sauer

Weitere Informationen:

Wer in die Fußstapfen des Autors treten und Baden-Württemberg auf eigene Faust zu Fuß erleben möchte, findet im Wanderführer „Route de Ländle“ eine genaue Beschreibung der 35 Etappen.

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