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Käse aus Langenburg in Hohenlohe

Schäfchen zählen

Langenburger Schafskäserei
Feiner Schafsmilchkäse in Handarbeit hergestellt

Nehmen wir das Ergebnis vorweg: 280. Das ist ungefähr die Zahl, auf die Norbert Fischer kommt, wenn er seine Milchschäfchen zählt. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Die genaue Summe kommt auf die Nachzucht an. Inzwischen hat die Langenburger Schafskäserei von Norbert Fischer 37 
Jahre auf dem Schafsbuckel. 

Fischer gilt als Institution, weit über die Grenzen von Hohenlohe hinaus 
bekannt. Sein Hof mit den begrünten Dächern steht auf einem sonnigen 
Höhenzug über den Jagsttal. Die Architekten würden sagen: Fischer hat ihn mit der Sonne gebaut. Schafstall, Käserei und Wohnhaus sind nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet. Wer die Hohenlohe streift, sollte auf keinen Fall auf einen Besuch verzichten. Denn in der Langenburger 
Schafskäserei kann man die Landschaft in ihrer natürlichsten Form 
schmecken. Einfach im Hofladen klingeln, ein Stückchen Käse abschneiden und genießen.

Abseits des Käses darf man zugegeben, dass es für einen Besuch in Langenburg mehrere Gründe geben kann. Autofans pilgern ins Deutsche Automuseum Schloss Langenburg. Wanderer streifen durch die schönen Schleifen des Jagsttales und erklimmen seine steilen Flanken. Radfahrer erkunden die weite Hohenloher Ebene kreuz und quer. Egal, wie man unterwegs ist, bei allen Gästen drängt sich eine Frage auf: Warum ist die Landschaft eigentlich genau so schön geworden, wie sie ist? Ein Teil der Antwort führt zurück an die Käserei: Es sind die Schafe.

Tatsächlich wurde das Werk der Schafe schon von Goethe besungen: “Zieh’n die Schafe von der Wiese / Liegt sie da, ein reines Grün / Aber bald zum Paradiese / Wird sie bunt geblümt erblüh’n“. Etwas sachlicher ausgedrückt spricht man heute im Zusammenhang mit Schafbeweidung von aktiver Landschaftspflege. Viele Wiesen wären längst verwachsen, verstrüppt oder verwaldet, wenn die Schafe nicht regelmäßig für Ordnung sorgen würden. Nur was Dornen hat oder bitter schmeckt wird verschont. Alles andere findet das Schaf super – und schmaust es mit größtem Genuss. So halten die Tiere die Wiesen kurz und bunt. Die Schafhaltung trägt in Hohenlohe und überall auf der Welt dazu bei, dass die Landschaft so bleibt, wie sie ist. Artenreich und blühend. Im Fall von Hohenlohe resultiert daraus eine astreine Postkartenlandschaft.

Ohne es zu wollen, gibt Norbert Fischer den passenden Postkartenschäfer. Dunkler Schäfermantel, weißer Bart, sonniges Lächeln – bei Fischer passt alles. Nur der Nachname führt etwas in die Irre. Während Fischer die Schafhaltung nach traditionell-ökologischen Gesichtspunkten betreibt, sind seine Käsekompositionen ideenreich und alles andere als alltäglich. Sie heißen Schaf-Picco, Robiola, Blue Grey, Pyrenäe, Roggen-Blau oder Ricardo. Was Fischer produziert, ist jedoch längst nicht alles Käse. Entgegen landläufigen Ansichten, ist Schafmilch enorm vielseitig. Sie „bockelt“ nicht, ist also mit Ziegenmilch kaum zu vergleichen. Fischer zaubert daraus eine einzigartige Eiscreme. Bei sommerlichen Wanderungen sollte man unbedingt eine Station an der Schafskäserei einplanen. Auf der Eiskarte sehen unter anderem: Himbeer-, Kaffee- und Schokoladeneis, aber auch ausgefallene Sorten wie Molke-Ingwer und Roque-Blue-Birne. Alles Handarbeit selbstverständlich.

Währenddessen pflegen seine Schafe weiter die Landschaft. Die Tiere tun das, was wir Menschen auch gerne tun würden: Sie verbringen den Tag mit leckerem Schmausen. So viel, dass sogar das Schlafen kurz kommt. Den Tieren reichen Phasen von einer halben Stunde. Dann wird weiter gepflegt. Schafe sind enorm soziale Lebewesen. Sie bauen Freundschaften auf, kämpfen nur äußerst selten miteinander und empfinden Trauer, wenn eines ihrer Herdenmitglieder stirbt. Kurzum: Ganz tolle Tiere. Wenn da nicht die Sache mit dem eigenen Willen wäre, der für Mensch und Schäfer schwer nachvollziehbar bleibt. Vielleicht hat das nicht nur die Landschaft geprägt, sondern auch den Schäfer Fischer. Er freut sich jedenfalls über jeden Besuch.