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Schwäbische Alb

Die Biosphäre aus der
Atmosphäre

Ballonfahrt Schwäbische Alb
Container

Schöne Aussichten. Viele Einheimische behaupten, es sei das Schönste an der Schwäbischen Alb, dass man so weit sieht. Reußenstein, Rutschenfelsen, Römersteinturm – ein Ausguck am nächsten. Sie reihen sich an der Albkante wie eine Perlenkette. Jeder Einheimische hat seinen eigenen Lieblingsplatz. Und jedes Plätzchen eine Schokoladenseite. Von der einen Seite sieht man senkrecht ins Tal, der anderen übers ganze Neckarvorland, von der nächsten auf die Stauferberge und von der Südseite über Oberschwaben hinweg auf die Alpen. Wo wir im Moment stehen, sehen wir alles auf einmal. 
360-Grad-Rundblick. Da drüben ist Stuttgart. Dort drüben der Bodensee. Unter uns kommt 500 Meter nichts. Oberhalb von uns nur heiße Luft.

Wir fahren mit dem Heißluftballon über das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Wir sind fünf Passagiere und Ballonführer Rudi Fuchs. Man kann Fuchs glauben, dass wir einen besonders schönen Tag erwischt haben. Feinste Atmosphäre über der Biosphäre. Es fühlt sich an, als würde kein Lüftchen 
wehen. Aber das stimmt nicht. Unser Heißluftballon fährt mit dem Wind über die Alb, und zwar in einer Geschwindigkeit von rund 20 Kilometer in der Stunde. Wir fahren komplett ohne Räder. Auch ein Lenkrad fehlt. Wohin 
fahren wir eigentlich? Gute Frage. „Die Antwort, mein Freund, weiß ganz 
allein der Wind.“ Wie gut, dass Ballonführer Fuchs mit dem Wind auf Du und Du ist. „Sonnenbühl“, schätzt Fuchs, in dem er die Antwort des Windes ins 
Deutsche übersetzt. Dementsprechend kommen wir irgendwo zwischen 
Nebelhöhle und Bärenhöhle wieder runter. Aber bitte erst später. Hier oben ist es viel schöner als wir alle dachten.

Von fünf Passagieren sind fünf waschechte Ballonfrischlinge. In meinem Fall mit etwas mulmigem Gefühl in der Magengegend. Ich würde nicht von Flugangst sprechen wollen, sagen wir besser: Flugbedenken. Diesen Bedenken war es übrigens egal, ob man mit dem Heißluftballon fliegt oder fährt. Rein sprachlich gesehen. Natürlich fliegt man nicht mit einem Ballon. Man fährt. Dann hatte ich eben keine Flugangst, sondern „Fahrtbedenken“. Erstaunlich war allerdings, wie sie verschwanden. Man könnte sagen: Ich hab die Bedenken einfach vergessen. Irgendwann zwischen den Vorbereitungen auf der Wiese und 1.000 Meter Meereshöhe sind die kleinen Ängste verschwunden. Vielleicht war ich abgelenkt. Ich hatte zu tun.

Wir waren schon frühmorgens auf einer Wiese im Lautertal zugange. Die gesamte Ballonbesatzung hat sich gemeinschaftlich um die Vorbereitung gekümmert. Natürlich unter fachmännischer Anleitung. Abladen vom Hänger, Auslegen des Ballons, Anwerfen der Gasbrenner, Einsteigen. Obwohl wir noch auf festem Boden standen, waren wir alle völlig fasziniert davon, wie die Ballonhülle sich auftürmt. Wir standen schon alle im Korb, als ich noch genau jeden Handgriff von Rudi Fuchs beobachtete. Das hätte ich nicht tun sollen. Man könnte sagen, ich habe dadurch die Abfahrt verpasst. Dass wir bereits schwebten, bemerkte ich erst, als wir schon in der Luft waren. Erst ganz oben erinnerte ich mich an mein mulmiges Gefühl von heute Morgen, aber es war wirklich komplett verflogen.

Vergesst Google Earth. Kein Vergleich mit der Realität. Faszinierend! Wir fühlen uns wie die frühen Vögel. Wir erkennen jeden Wandersmann und jeden Fahrradfahrer. Nein, das hier ist eine Fahrradfahrerin. Man sieht es genau. Erstaunlich, wie detailliert der Blick von oben ist, wenn die Sonne die Landschaft, die Dinge und die Menschen fein zeichnet. Ein wundervoller Sonntagmorgen, und es gibt keinen Punkt auf der Welt, an dem er schöner sein könnte als hier, 500 Meter über dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Wie bitte, nur noch 300 Meter? Gehen wir etwa schon runter? Tatsächlich.

Habe ich eigentlich Landebedenken? Nein, kein bisschen. Die feine weite Landschaft kommt näher. Eines der wenigen Fahrzeuge, die wir sehen, gehört zu uns. Wir steuern dieselbe Wiese an. Der schöne Ballon muss bald wieder in den Hänger. Schade eigentlich. Ein kleiner Hopser. Wir stehen. Saubere Landung. Applaus, Applaus! Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, dass ich einmal so viel erlebt habe, wie eben in den anderthalb Stunden Ballonfahrt. Und das sogar vor dem Frühstück!