Gärten am Bodensee
NATUR

Gärten am Bodensee

20. Juni 2018

Im milden Klima des Bodensees gedeihen die Pflanzen besonders üppig. Klar, dass es dort wunderschön angelegte Gärten gibt: Geschichten von grünen Wundern und kunterbunten Sommerwelten im und am See. 

Noch ist es ruhig auf der Insel Mainau. Jetzt, um kurz vor acht Uhr am Morgen, streift nur eine Handvoll Besucher durch die weitläufige Parkanlage. Mit Sonnenaufgang werden die Tore geöffnet, doch erst am späten Vormittag, wenn die Reisebusse und Ausflugsschiffe ankommen, wird es voll. Bis zum Sonnenuntergang ist die Insel zugänglich.

Ein exotisches Paradies

Die Geschichte der Insel Mainau als Pflanzenparadies beginnt im Jahr 1853 mit Großherzog Friedrich I. von Baden, der die Insel als seinen Sommersitz erwirbt. Von seinen Auslandsreisen bringt er die ersten seltenen Pflanzen mit, lässt Palmen, Zitronen- und Orangenbäume pflanzen sowie einen Blumengarten im italienischen Stil anlegen. Das Herzstück der Insel ist jedoch das Arboretum, die bis heute auf über 250 verschiedene Arten angewachsene Baumsammlung. Hier ragen 150 Jahre alte und fast 45 Meter hohe Mammutbäume auf. Selbst an heißen Tagen ist es im Schatten des grünen Blätterdachs kühl. Im Schmetterlingshaus hingegen herrscht eine tropisch-feuchte Wärme. Dort flattern unzählige Schmetterlinge um die Besucher herum.

Für die Allgemeinheit zugänglich ist die Insel seit Mitte der 1930er-Jahre, als Lennart Bernadotte, der durch bürgerliche Heirat seinen Erbanspruch und Titel „Prinz von Schweden“ verlor, sich hier mit seiner Familie niederließ. Er machte sich die Gestaltung der Mainau zur Lebensaufgabe – und zum Geschäft. Heute flanieren mehr als eine Million Besucher jährlich über das Eiland.

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Blumi ist das Maskottchen der Blumeninsel Mainau im Bodensee.  - © Dietmar Denger

Der See speichert die Wärme

Gegen Ende März wird mit der Orchideenschau die neue Gartensaison eingeläutet, die sommerliche Rosenblüte und die Dahlienblüte im Herbst zählen zu den Besuchermagneten. Doch nicht nur mit den Jahreszeiten wechselt die Mainau ihr florales Kleid, auch ein Jahresthema bestimmt ihr Antlitz. Im Jahr 2019 etwa steht alles im Zeichen von Sonne, Mond und Sternen.

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Blick von der Insel Mainau auf den Bodensee mit den Alpen im Hintergrund.  - © Dietmar Denger

Am Bodensee herrschen besondere klimatische Bedingungen. Der See speichert die Wärme des Sommers, im Herbst kühlt er nur langsam ab. Dabei gibt er Wärme ab, so bleiben die Temperaturen lange mild – und rundum gedeihen auch empfindlichere Pflanzen. 79 Gärten bilden 2019 das Netzwerk „Grenzenloses Garten-Rendezvous“ am westlichen Bodensee. Dieses Netzwerk ist Teil der Bodenseegärten, zu denen auch private Gärten gehören.

Privater Garten Eden

Auf der Insel Reichenau führt Karin Böhler spontane Besucher durch ihren privaten Garten Eden. „Bin im Garten“ steht auf dem Schild, das so gut wie immer an ihrer Haustür hängt. Irgendwo zwischen den rund 150 Rosenstöcken, Dahlien und Buchsbäumchen findet man sie, zumeist mit Rosenschere und Gießkanne ausgestattet. Manchmal, viel zu selten, genießt Böhler aber auch nur die Aussicht, von ihrem Lieblingsplatz im überrankten Pavillon. Sie erzählt, wie 1999 das Hochwasser ihren Garten wegspülte – und sie sich anschließend den lang gehegten Traum vom mediterranen Prachtgarten erfüllte. Es ist ein wunderbarer, friedlicher Ort geworden. Bienen summen im Lavendel. An den Ästen eines knorrigen Baumes schaukeln Schilder mit Sinnsprüchen im Wind.

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Der Privatgarten von Karin Böhler auf der Insel Reichenau im Bodensee.  - © Dietmar Denger

Schloss Salem

Wer heute durch den Park von Schloss Salem nördlich von Meersburg wandelt, wird es kaum mehr vermuten: dass hier einmal Zisterziensermönche Beete beackerten, Kräuter und Gemüse zogen, Ziegen, Kühe und Schweine hielten. Heute flanieren Besucher über die symmetrisch angelegten Wege eines barocken Lustgartens. Die Wege führen entlang akkurat gestutzter Hecken und zu Kugeln, Pyramiden oder Quadern getrimmten Büschen, auch zwei Labyrinthe wurden angelegt. Die strenge Ordnung des Gartens diene der Kontemplation, die Labyrinthe stellten die Möglichkeit einer verkürzten Pilgerreise dar, erklärt Birgit Rückert, die Schlossverwalterin.

Vom Nutz- zum Lustgarten

Sein heutiges Gesicht hat der Park erst im 18. Jahrhundert bekommen, die Gründung des Zisterzienserklosters aber geht auf das Jahr 1134 zurück. Das Herz des weitläufigen Klostergeländes bildet das Anfang des 15. Jahrhunderts fertiggestellte gotische Münster. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1697, von dem nur das Münster verschont blieb, wurden die bis heute erhaltenen Prälatur- und Konventgebäude errichtet, in denen auch die Internatsschule Salem untergebracht ist.

Die Salemer Zisterzienser besaßen einst ringsum verstreute Ländereien und betrieben erfolgreich Weinbau. Ihrem Grundsatz der Selbstversorgung folgend wurden aber auch innerhalb der Klostermauern Beete beackert. Als das Kloster im Laufe der Zeit an Einfluss und Reichtum gewann, verwandelte man den Nutzgarten dann aber doch in einen Lustgarten. Mit der Säkularisierung 1804 schließlich wurde das Kloster zum markgräflichen Schloss. Die Mönche gingen. Der barocke Formengarten blieb. 

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Der Garten im Schloss Salem am Bodensee - © Dietmar Denger

Gärten und Parkanlagen am Bodensee

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