Eine Kunst für sich – Städte in Baden-Württemberg
KULTUR

Eine Kunst für sich – Städte in Baden-Württemberg

11. September 2018

Große Bauwerke sind Teil unserer Kultur – und dies nicht nur für heutige, sondern auch für künftige Generationen. Sie sorgen für Zündstoff und Begeisterung. Neun Beispiele, die heftige Diskussionen auslösten. Und dazu tolle Aussichtspunkte, von denen sich die Bauwerke oft in voller Pracht bewundern lassen. 

Museum Frieder Burda Baden-Baden

Architekt mit Kultstatus. Der New Yorker Richard Meier hat bereits das Getty-Museum in Los Angeles und das Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona entworfen. Seinen weiß verputzten Bau an der Lichtentaler Allee vergleicht der Meister mit einer „transparenten Villa“.

Private-Public-Partnership (PPP). Die Verknüpfung von Mäzenatentum und staatlicher Kunstförderung sorgte für Zoff. Die gläserne Brücke zwischen Kunsthalle und Frieder Burda Museum wurde zum Symbol der Querelen.

Weltweite Strahlkraft besitzt das Museum heute. Besucher kommen nicht nur wegen der Kunst, sondern auch wegen der Architektur. Sie ist großzügig, aber nicht protzig und hat eine einladende Atmosphäre.

Aussichtspunkt: Die Ruine des Alten Schlosses Hohenbaden kann man auf zahlreichen Treppen, Wegen und Aussichtsplattformen erkunden und dabei immer neue Blickwinkel genießen. Stets dabei: der großartige Blick auf Baden-Baden und die Umgebung.

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Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden
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Ausblick vom Alten Schloss oberhalb von Baden-Baden

Unibibliothek Freiburg

In ihrer Fassade spiegelt sich die Stadt: Die Unibibliothek (UB) liegt wie ein geschliffener schwarzer Diamant unweit des Stadttheaters. Und neben der mittelalterlichen Münsterromantik kann sich die Stadt jetzt sogar über einen gelungenen Bilbao-Effekt freuen.

Doch Vorsicht: Das Gebäude sieht zwar schillernd aus, hat aber seine Schattenseiten. Lacht in Freiburg die Sonne, kann es gefährlich werden. Dann bringt ihr Licht die futuristische Glasfassade zum Strahlen, und nicht nur Autofahrer werden geblendet. Da hilft nur eins: Vorhang runter.

Das Herz der Uni schlägt wieder. Alle Ebenen der UB sind perfekt durchdacht. 1200 Arbeitsplätze verfügen über Sicherheitsschlösser für Laptops und gutes Licht. Im Lounge-Bereich stehen Designersessel. Lernen kann so schön sein.

Aussichtspunkt: Das Freiburger Wasserschlössle liegt oberhalb des Stadtteils Wiehre im Sternwald und ist eigentlich nur ein riesiger Wasserbehälter – zugegeben mit eindrucksvoller Fassade. Oben angekommen, hat man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt und die Unibibliothek.

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Uni-Bibliothek am Platz der Universität in Freiburg
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Wasserschlössle in Freiburg

Bahnstadt Heidelberg

Das Projekt ist spektakulär. Mitten in Heidelberg entstehen Wohnungen und Arbeitsplätze für über 10 000 Menschen. Als größte Passivhaussiedlung der Welt hat die Bahnstadt Heidelberg Modellcharakter weit über Deutschland hinaus.

Im Alltag könnte es für die Bewohner dieses nachhaltigen Stadtentwicklungsprojekts (die Häuser haben einen um 50 bis 80 Prozent niedrigeren Energiebedarf als herkömmliche Bauten) Probleme geben, etwa beim Lüften. Einfach Fenster aufreißen kann kontraproduktiv sein. Die Häuser haben ein kompliziertes Belüftungssystem, kommen dafür aber ohne klassische Heizung aus.

Vielfältige Gebäudetypen: Die Bahnstadt bietet auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände Wohnraum und Wohnlösungen, die so individuell wie ihre Bewohnerinnen und Bewohner sind.

Aussichtspunkt: Die größte und bedeutendste Kirche Heidelbergs, die Heiliggeistkirche, steht im Herzen der Altstadt auf dem Marktplatz, nahe der Alten Brücke. In 38 Metern Höhe befindet sich eine Besucherplattform, die einen atemberaubenden 360-Grad-Rundblick ermöglicht – auf die Dächer der Stadt, die Rheinebene und zum Schloss.

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Die Bahnstadt in Heidelberg
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Die Heiliggeistkirche in der Altstadt von Heidelberg

experimenta Heilbronn

Schön verdreht. Der Bau ist eine Skulptur aus Glas und Stahl. Prägnantes Element ist die „Raum-Spirale“, die sich auf fünf Ebenen durchs Gebäude zieht und die einzelnen Bereiche verbindet.

Wenn 2019 alles fertig ist, wird der Blick von der Dachterrasse auf die Bundesgartenschau fantastisch sein. Wo früher Konkurrenz war, herrscht heute Einigkeit: BUGA und experimenta werden Heilbronn zum Leuchten bringen.

XXL-Experimentierwelt. Zu den Highlights zählen neun Labore, ein Science Maker Space, vier Themenwelten, vier Talentschmieden, eine Experimentalbühne, eine Sternwarte und ein Science Dome – die Kuppel der Superlative.

Aussichtspunkt: Der Wein Panorama Weg am Wartberg ist ein großes Freilandmuseum über den Heilbronner Weinbau. Hier gibt es auf sechs Kilometern 24 Stationen mit Infotafeln. Die Route führt mitten durch die Heilbronner Weinberge und bietet immer wieder einen fantastischen Panoramablick auf die Stadt.

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Das Wissenschaftsschiff MS experimenta dient in der Umbauphase der experimenta in Heilbronn als Science Center.
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Blick vom Wartberg auf Heilbronn

Platz der Grundrechte Karlsruhe

Recht und Gerechtigkeit, was bedeuten sie für den Einzelnen, was für die Demokratie? Auf 48 Schildern installierte der Künstler Jochen Gerz auf dem Platz der Grundrechte prägnante und zugleich höchst unterschiedliche Aussagen zum Thema.

Kritik äußerte die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild e.V. und die Fraktion der Grünen. Problem sei nicht die Arbeit des Künstlers, sondern die teils unpassenden Standorte der Metallstelen. So verstellen sie zum Beispiel den Blick vom Marktplatz auf das Schloss. Außerdem, so die Kritiker, behindern sie den Radverkehr.

Das ungewöhnliche Kunstwerk ist ein Geschenk zum 50-jährigen Bestehen des Bundesverfassungsgerichts. Auch weiterhin wird es Aufgabe der Schilder sein, ein sperriges Thema für die breite Öffentlichkeit erlebbar zu machen.

Aussichtspunkt: Auf dem Gipfel des Turmbergs steht die gleichnamige Ruine, von deren verbliebenen Turm Sie eine wunderbare Aussicht auf die Stadt haben. Wer nicht auf den Berg hinauflaufen möchte, der kann die Standseilbahn aus dem Jahre 1888 nutzen.

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Platz der Grundrechte in Karlsruhe
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Aussicht vom Turmberg auf Karlsruhe

Neue Kunsthalle Mannheim

Stadt in der Stadt lautet das Konzept und ist zugleich Einladung in eine weitläufige, helle Architektur der Kunsthalle Mannheim. Um das 22 Meter hohe, lichtdurchflutete Atrium gruppieren sich auf drei Ebenen dreizehn Ausstellungskuben.

Mit dem Metallgewebe an der Außenfassade kann sich jedoch nicht jeder anfreunden. Und überhaupt: Der „Kunsttempel“ bilde einen zu starken Kontrast zum Jugendstilensemble rund um den Wasserturm – so die Kritiker. Andere schätzen die Zurückhaltung des Gebäudes.

Dank spannender Sichtachsen können sich die Besucher durch den spektakulären Bau treiben lassen. Ihr Weg führt über Galerien, Brücken und Terrassen in Räume, in denen die Kunst präsentiert und nicht zelebriert wird.

Aussichtspunkt: Den besten Blick über die Stadt hat man vom Fernmeldeturm aus. Mit seinen 218 Metern Höhe ist er einer der höchsten seiner Art in Deutschland. Auf 121 Metern befindet sich die Aussichtsplattform. Highlight ist aber das Skyline-Restaurant vier Meter oberhalb der Plattform, das sich einmal pro Stunde um die eigene Achse dreht.

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Die Kunsthalle in Mannheim - © Jochen Tack
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Blick auf den Fernmeldeturm in Mannheim

Technisches Rathaus Pforzheim

Architektur des Wiederaufbaus. 1957 entwarf Architekt Hans Schürle das Technische Rathaus. Heute zählt der Bau zu den besten der Stadt und steht unter Denkmalschutz.

Doch es gab Ärger. Das Gebäude sollte einem Shopping-Center weichen. Die Kosten für eine Renovierung erschienen der Verwaltung nämlich zu hoch. Sie propagierte einen Abriss. Bürger warfen den Verantwortlichen vor, sie seien dabei, „ihr Tafelsilber in der Tonne zu entsorgen“.

Im Zweiten Weltkrieg verlor Pforzheim 80 Prozent seiner Gebäude. Statt auf historische Rekonstruktionen setzte man auf Neubauten. Deshalb ist die Stadt wie kaum eine andere von 50er-Jahre-Architektur geprägt.

Aussichtspunkt: Auf der Büchenbronner Höhe nahe Pforzheim steht der 26 Meter hohe Metallturm. Er bietet mutigen Besuchern einen tollen Ausblick auf die Stadt mit dem Technischen Rathaus.

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Das Technische Rathaus in Pforzheim
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Der Büchenbronner Aussichtsturm in Pforzheim

Stadtbibliothek Stuttgart

Schöner Lesen. Von außen wirkt das Gebäude wie ein schlichter Würfel. Innen jedoch erstrahlt es ganz in Weiß mit einem Aufbau, der an eine Pyramide erinnert. Farbe und Leben bringen Bücher und Besucher in den Bau.

Während der Bauphase gingen die Meinungen in der Bevölkerung stark auseinander. Viele sprachen von „Bücherknast“ oder „Stammheim II“. Heute zählt die Stadtbibliothek zu den ganz Großen ihrer Zunft. Laut der amerikanischen Wochenzeitschrift „Time“ gehört sie – als einzige in Deutschland – zu den 20 schönsten der Welt. Nicht nur Bücher-, auch Architektur-Fans sind begeistert.

Über neun Stockwerke erhebt sich das Bauwerk des Kölner Architekten Eun Young Yi in den Himmel. Auch bei Dunkelheit verzaubert das Juwel am Mailänder Platz. Dann leuchtet seine Fassade in tiefblauem Glanz.

Aussichtspunkt: Der Monte Scherbelino, wie er im Volksmund heißt, ist 511 Meter hoch und damit der höchste Hügel im inneren Stadtgebiet. Seinen Spitznamen verdankt der Birkenkopf den Trümmern, die nach dem Zweiten Weltkrieg hier aufgeschüttet wurden. Noch heute sind auf dem Gipfel Fassadenreste zerstörter Gebäude zu erkennen.

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Die Stadtbibliothek in Stuttgart
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Der Birkenkopf - auch bekannt als Monte Scherbelino - mit Blick auf Stuttgart

Stadthaus Ulm

Tradition trifft Moderne. Die makellos geometrische, weiß verputzte, dreistöckige „Bauskulptur“ befindet sich in direkter Nachbarschaft zum spätgotischen Ulmer Münster. Menschen aus aller Welt begegnen sich hier.

Über 100 Jahre rang Ulm um die Gestaltung des Münsterplatzes. Der Bauplatz galt als „einer der heikelsten in der Bundesrepublik“. Als sich die Stadt 1986 für den Entwurf des New Yorkers Richard Meier entschied, brach ein Sturm der Entrüstung los – sollte die Kathedrale den Platz doch weiterhin allein dominieren.

Nach 25 Jahren ist das Stadthaus zu einem internationalen Markstein moderner Architektur geworden und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Der Bau des Hauses war die Initialzündung für die Umgestaltung der Neuen Ulmer Mitte.

Aussichtspunkt: Gute zwölf Kilometer lang ist der „Festungsweg“, auf dem man den inneren Zirkel der Neu-Ulmer und Ulmer Bundesfestungsanlagen abläuft. Neben tollen Ausblicken auf die Städte erfahren Wanderer auf Tafeln viel über die Geschichte der Zweilandstadt. 

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Das Stadthaus in Ulm
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Die Wilhelmsburg auf dem Ulmer Michelsberg

Städte in Baden-Württemberg Architektur und Aussicht

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