Die Höri in vier Gängen
GENUSS

Die Höri in vier Gängen

06. Dezember 2017

Von Bülle, Rettich und Salat: Eine Genuss-Radtour auf der leisen Seite des Bodensees

Bodensee - Genussradeln auf der Höri

Wenn man ihn nur konservieren könnte für graue Wintertage: den Duft von frisch gemähtem Gras, das in der Sonne trocknet. Kräuterig, heuduftend, würzig. Er begleitet uns schon den ganzen Tag auf der Radtour über die Höri, genauso wie das blaue Wasser des Bodensees, das immer wieder durch die Bäume blitzt. Also: tief einatmen, auf dass sich der Duft festsetzt und dazu die gute Laune bei dieser Radtour.

Die Höri in vier Gängen – das ist eine tolle Idee und eine echte Genussradtour für alle Sinne. Dabei ist die Sache ganz einfach: Man erkundet mit dem Fahrrad die kulinarischen und landschaftlichen Höhepunkte der Halbinsel, die weit in den Untersee ragt – und unterwegs gibt es in vier besonderen Restaurants jeweils einen Gang eines Menüs.

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Die Höri Bülle ist Speisezwiebelsorte, die ausschließlich auf den Feldern der Halbinsel Höri zwischen Moos und dem schweizerischen Stein am Rhein angebaut wird - © Joachim Negwer

Der See bleibt beim Radeln in Sichtweite

Im Restaurant Seehörnle in Horn werden als erster Gang liebevoll angerichtete Radler-Tapas serviert. „Ganz im Zeichen der Höri-Bülle“, wie Anja Litterst, die Köchin, sagt, „da haben wir uns was einfallen lassen“: ein hausgemachtes Bülle-Chutney mit hohem Suchtfaktor, dazu Kräuterquark, Rettich, vegetarischen Zwiebelkuchen, Käsestangen mit Pesto, Ziegenfrischkäse. Dann aber wieder in die Pedale. Die Bewegung und die frische Seeluft tun gut, und immer wieder kann man den See auch sehen: Das ist die ruhige Seite des Bodensees, ganz im Westen. Bauernland, Salat- und Gemüsebeete, abgemähte Felder und feuchte Wiesen, auf denen Störche in aller Seelenruhe nach Futter suchen. Die Orte heißen Gundholzen, Iznang, Moos – und sie haben alle ein Strandbad oder einen Hafen oder zumindest ein paar zwischen Schilf versteckte Buchten, die nur entdeckt, wer mit dem Rad unterwegs ist. Sollen wir mal schnell in den See springen? Feine Idee eigentlich – gut, dass die Badesachen im Rucksack sind.

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Im Restaurant Seehörnle in Horn wird der erste Gang serviert: Radler-Tapas - © Joachim Negwer

Der zweite Gang ist die Spezialität im Gasthaus Grüner Baum in Moos: Chef und Koch Hubert Neidhart kennt die Geheimnisse: „Frischer Fisch aus dem Bodensee, dazu kleine Krebse, die brauchen wir für den Fond.“ Das Ergebnis ist die berühmte Höri-Fischsuppe – und die wird serviert wie in Südfrankreich, mit knusprig gebackenen Brotchips, geriebenem Käse und einem kleinen Töpfchen gelb-orangefarbener „Rouille“. Das ist eine Art Knoblauch-Mayonnaise, aber was für eine!

Auf eine Wiese am See legen und träumen

Essen, radeln, essen, radeln – erst der stete Wechsel macht dieses Menü zum perfekten Genuss. Der Weg führt weiter ins Hinterland, durch Wälder, an Feldern vorbei, durch noch winzigere Dörfer – und auf einmal sogar ordentlich bergauf. Ganz oben dann, am Horner Wasserturm, der Lohn für die Anstrengung: Das ist wirklich der beste Rundblick über den westlichen Bodensee, bis zur Halbinsel Mettnau, zur Insel Reichenau und zum thurgauischen Seerücken. Vom Wasserturm rollen die Räder fast von allein den Berg wieder runter zum dritten Gang – und der wird serviert im Hirschen in Horn: Höri-Salat und Ochsenfetzen. Au, das klingt deftig. Ein paar Minuten später wissen wir. Ist es auch, und es schmeckt sehr gut: Geschnetzeltes aus der Rinderhüfte, dünn geschnitten, scharf angebraten, auch mit der Höri-Bülle serviert. „Alles regional“, sagt Hirschen-Chef Sebastian Amann. Und dass der Salat nicht weit reisen musste, bis er auf den Teller kommt, das schmeckt man. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Dessert im Schlössli in Gaienhofen, einem Restaurant mit schöner Terrasse direkt am See. Auf den Tisch kommt ein Holunderblüten-Espuma auf Johannisbeer-Mark, dazu Lakritzkirschen und Chia-Krokant. Alles mit Ausblick auf den Hafen von Horn – schon allein das ist ein Genuss.

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Der Bodensee bleibt beim Radeln fast immer in Sichtweite - © Joachim Negwer
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Von der Sonne verwöhnt: Radler bei Iznang - © Joachim Negwer

Man könnte jetzt weiter radeln zum Rheinfall in Schaffhausen, man könnte in Gaienhofen ins Museum gehen und auf Hermann Hesses Spuren wandeln. Oder in einem der Strandbäder am Radweg in den See springen. Vielleicht legen wir uns auch irgendwo am Seeufer in den Schatten und träumen ein bisschen.

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Herrmann Hesse in Gaienhofen - © Joachim Negwer
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Landesteg von Gaienhofen - © Joachim Negwer

Die Genuss-Radtour kann man beim Kultur- und Gästebüro Gaienhofen buchen www.gaienhofen.de

Mehr über die Region unter www.bodenseewest.eu

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