Der Weg des Hopfens nach ganz oben
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Der Weg des Hopfens nach ganz oben

07. Dezember 2017

In Tettnang wächst der berühmteste Hopfen der Welt. Am besten, man vergisst alles, was man sich bislang unter Bier vorgestellt hat. Besuch auf dem Hopfengut Nº20

Vom Hopfen zum Bier - ein Besuch in Tettnang

„Hopfen schenkt dem Bier nicht nur komplexe Aromen und Bitterkeit. Er sorgt auch für die Haltbarkeit und die Festigkeit des Schaums.“ Lukas Locher

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Lukas Locher ist Agrarwissenschaftler und Biersommelier - © Christiane Würtenberger

Sie heißen Callista, Mandarina oder Melon, lieben Tiefgründigkeit, Sonne und ein mildes Klima. Und sie können extrem gut klettern: acht Meter in nur zwei Monaten. Wenn man vom Hopfen eine Dolde bricht und sie auf dem Handrücken zerreibt, dann riecht man das Aroma: frisch, fruchtig, bitter. „Schon ziemlich gut“, meint Lukas Locher, Geschäftsführer von Hopfengut Nº20. „Aber unsere Pflanzen brauchen schon noch ein paar Wochen Zeit.“

Tettnanger Hopfen wird bis nach Japan und Südamerika exportiert

Gemeinsam mit seiner Schwester Charlotte Müller hat der junge Mann vor knapp drei Jahren den elterlichen Hopfenbetrieb übernommen. In 15 Lagen unweit des Bodensees baut die Familie in vierter Generation Aromahopfen an, der anschließend in vielen Brauereien Deutschlands und in aller Welt verarbeitet wird – ein richtiger Exportschlager. Tettnang am Bodensee ist eines der berühmtesten Anbaugebiete. Lukas und Charlotte brennen für ihr Produkt. „Es gibt ein altes Sprichwort“, sagt die Volkswirtin Charlotte Müller: „Wen der Hopfen mal gekratzt hat, den lässt er nicht mehr los.“

Vielleicht macht die Familie auch deshalb viel mehr, als „nur“ Hopfen anzubauen. Das Hopfengut Nº20 ist schon seit vielen Jahren ein Erlebnisbetrieb – wenn auch ohne Kühe und Streichelzoo: Es gibt ein liebevoll eingerichtetes Museum, einen Hopfensteg in luftiger Höhe, dazu Restaurant, Spezialitätenbrauerei, Shop und Events.

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Auf dem Hopfensteg: Die Pflanzen ranken an Drahtseilen empor - © Christiane Würtenberger

Während der Ernte duftet es auf dem ganzen Gut nach Hopfen

Die hauseigenen, hopfenreichen Bierspezialitäten kann man auch verkosten – ein erstaunliches Geschmackserlebnis. Denn man begreift, wie komplex und vielseitig Hopfen ist. Dass Bier nach Melone und Honig schmecken kann – ohne süß zu sein. Und dass Bitterkeit nicht im Mund nachklingen muss. Lukas Locher, der Agrarwissenschaftler und Biersommelier ist, hat sichtlich Spaß bei der Verkostung seines Melon IPA. So kann Bier schmecken? Wow, das taugt ja sogar als edler Aperitif! „Es gibt“, so meint der Hopfenspezialist, „im Rahmen des Reinheitsgebots schon noch viel auszuprobieren.“

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Hopfensau, Heiße Ernte No. 2, Pale Ale, Black Ale... heißen die Biere des Hopfengut No 20 - © Christiane Würtenberger

Die Brauerei führen die Geschwister zusammen mit Braumeister Fritz Tauscher, und sie soll so klein bleiben, auch wenn sich die Biere extrem gut verkaufen. Eine richtig große Nummer hingegen ist die Hopfenernte Ende August. Die WSZ 550 ist dann pausenlos im Einsatz. Mehr als 100.000 Hopfenranken werden zu der riesigen Maschine transportiert, die die Dolden behutsam löst. Anschließend wird der Hopfen sofort getrocknet. Auf dem gesamten Gut duftet es intensiv nach seinen Aromen. Kleine Gäste dürfen unter Anleitung Hopfen mit der Hand ernten, die Großen machen derweil einen Spaziergang auf dem Tettnanger Hopfenpfad, der zum Gut führt. Regelmäßig bietet das Hopfengut auch bierkulinarische Führungen an, bei denen mehrere Biere im Rahmen eines feinen Essens verköstigt werden. „Am besten, Sie vergessen vor dem Besuch bei uns alles, was sie sich bisher unter Bier vorgestellt haben“, meint Lukas Locher so stolz wie begeistert. „Hopfen ist einfach ein extrem spannendes Produkt."

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In Tettnang wächst der berühmteste Hopfen der Welt - © Christiane Würtenberger

Mehr über das Hopfengut Nº20 www.hopfengut.de

Über die Bodensee-Region, zu der Tettnang gehört www.echt-bodensee.de

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