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Genießerland kurios

9 kulinarische Innovationen aus dem Süden

Im obstreichen Baden-Württemberg wurde  1892 von J. C. Weck die Methode entwickelt, Lebensmittel durch Vakuum in Gläsern langfristig zu konservieren.|© Weck GmbH & Co. KG
Vom Genusserlebnis bis zum Kultstatus

Clevere Ideen aus dem Genießerland

Vom Genusserlebnis bis zum Kultstatus

Wer hat’s erfunden? Baden-Württemberg ist das Land der kreativen Köpfe, Tüftlerinnen und Entwickler. Die bekanntesten Erfindungen sind vermutlich das Fahrrad und das Automobil. Doch das Erfinderland kann nicht nur Technik. Auch viele kulinarische Innovationen stammen aus dem Süden. Das bekannte braune Kräuterbonbon fehlt allerdings in der Auflistung. Diese Idee stammt bekanntlich von unseren Schweizer Nachbarn.

Die folgenden 9 Produkte machen Appetit und genießen zurecht Kultstatus:

Eiskalte italienische Cuisine

1# Spaghetti-Eis

Eiskalte italienische Cuisine

Täuschend echt: Das Spaghetti-Eis sieht aus wie Nudeln mit Tomatensoße und geriebenem Parmesan.|© TMBW, Düpper
Täuschend echt: Das Spaghetti-Eis sieht aus wie Nudeln mit Tomatensoße und geriebenem Parmesan.|© TMBW, Düpper
©TMBW, Christoph Düpper

Es sieht aus wie Nudeln mit Tomatensoße und geriebenem Parmesan. Es ist aber süß und kalt. Das Spaghetti-Eis ist ein Verkaufsschlager in jeder deutschen Eisdiele. Doch die Süßspeise stammt wider Erwarten nicht wie ihr deftiges Vorbild aus Italien, sondern aus Mannheim. Allerdings war es mit Dario Fontanella doch ein Italiener, der 1969 im väterlichen Eiscafé auf die Idee kam, mit einer Spätzlepresse Eiscreme-Nudeln herzustellen. Zunächst geplant als Hommage an die italienische Flagge mit den Sorten Pistazie, Zitrone und Erdbeere. Nach längerem Probieren entstand die Idee zum Spaghetti-Eis aus Vanilleeis, Erdbeerpüree und weißer Schokolade.

eisfontanella.de

Fischfreier Fisch – besonders lecker

2# Schwäbischer Thun

Fischfreier Fisch – besonders lecker

Der Schwäbische Thun ist garantiert fischfrei und besonders lecker. |© Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum
©Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum
Der Schwäbische Thun ist garantiert fischfrei und besonders lecker. |© Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum
Das Schwäbisch-Hällische Landschwein ist die Gundlage für den Schwäbischen Thun. |© Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum
©Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum
Das Schwäbisch-Hällische Landschwein ist die Gundlage für den Schwäbischen Thun. |© Pfeffer Lebensmittel, Sabine Baum

Faserig, mürbe und schmackhaft wie Thunfisch, aber garantiert fischfrei – der Schwäbische Thun sorgt für Staunen. Auch die Erfinder Thomas und Christian Pfeffer aus Heilbronn waren erstaunt, als sie eine alte Konservierungsmethode ausprobierten. In Weißwein gekocht und mit Sonnenblumenöl und Lorbeer konserviert, schmeckt das Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein tatsächlich wie Thunfisch. Daher ist die offizielle Verwendungsempfehlung auch ganz simpel: „Tun als wäre es Thun“ – den Schwabenthun also wie das Original aus dem Meer einfach mit Olivenöl beträufeln, auf Salat anrichten und guten Appetit!

pfeffer-lebensmittel.de

Käpsele statt Kaviar

3# Weinperlen

Käpsele statt Kaviar

Die kleinen Weinperlen aus der Dose können vielseitig in Küche und Bar eingesetzt werden. |© Daniel Kuhnle
Die kleinen Weinperlen aus der Dose können vielseitig in Küche und Bar eingesetzt werden. |© Daniel Kuhnle
©Daniel Kuhnle

Eine pfiffige Idee: Wein in Form kleiner Kügelchen in die Dose zu packen und ihm damit die Anmutung von Kaviar zu verleihen. Damit hat Daniel Kuhnle vom gleichnamigen Weingut aus dem Remstal einen kulinarischen Volltreffer gelandet. Er bekam dafür 2019 den Start-Up-Preis des Landes Baden-Württemberg. Die Innovation findet auch reißenden Absatz im In- und Ausland. Inzwischen gibt es einige Nachahmer. Die kleinen Perlen sind aus natürlichem Algenextrakt hergestellt und können in Küche und Bar vielseitig verwendet werden. Gekühlt aus der Dose gelöffelt, in Cocktails, auf Eis und in warmen Soßen: Sie sorgen für das gewisse Etwas beim Genusserlebnis. 

weingut-kuhnle.de

Prickelndes Pulver

4# Frigeo-Ahoj-Brause

Prickelndes Pulver

Was ist bunt, fruchtig und bitzelt herrlich auf der Zunge? Die Antwort kennt seit den 1930er Jahren jedes Kind. Frigeo aus Stuttgart Bad-Cannstat war damals Deutschlands erster und einziger Hersteller für Brausepulver. Er beschloss, künftig seine wasserlöslichen Trinktabletten in Pulverform zu vertreiben – nur echt mit dem blauen Ahoj-Matrosen. Damit war ein Kultprodukt Made in Baden-Württemberg geboren. Schon bald füllte es viele Münder und so manchen Bauchnabel der Nation. Letzteres angeregt durch Günter Grass. Er stellte die Brause in seinem 1959 erschienenen Roman "Die Blechtrommel" ins Zentrum einer bizarren, aber prickelnden erotischen Szene. Auch sie brachte es zum Kultstatus, spätestens mit Volker Schlöndorffs oscarprämierter Verfilmung.

ahoj-brause.de

Süßes im Quadrat

5# Ritter Sport

Süßes im Quadrat

Ritter Sport ist bekannt für die quadratischen Schokoladentafeln in vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. |© Ritter Sport
Ritter Sport ist bekannt für die quadratischen Schokoladentafeln in vielen unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. |© Ritter Sport
©Ritter Sport

Quadratisch, praktisch, gut: Mit diesen Eigenschaften eroberte Ritter Sport die Welt. Täglich verlassen mehrere Millionen bunt verpackter Tafeln das Werk. Sie werden in über 100 Länder exportiert – und das alles im beschaulichen Waldenbuch. Dieses liegt etwa 20 Kilometer von Stuttgart entfernt. Die Idee stammte 1932 von Clara Ritter. Sie wollte in ihrer Fabrik 100 Gramm Schokolade in quadratischen und dafür dickeren Tafeln statt der klassischen Langtafel produzieren. Der Grund war so einfach wie genial: Damit sie nicht in der Sportjackett-Tasche auf dem Weg zum Fußballplatz zerbrechen. Später steuerte Sohn Alfred Otto Ritter zwei revolutionäre Ideen bei: die bunte Sortenpalette mit Knick-Pack-Hülle. Damit nahm die Waldenbucher Erfolgsgeschichte ihren Lauf. 

ritter-sport.de

Schwäbische Leibspeise aus der Flasche

6# Spätzle-Shaker

Schwäbische Leibspeise aus der Flasche

Mit dem Spätzle-Shaker gelingt die Schwäbische Leibspeise garantiert ohne Schaben. |© Spätzle Shaker GmbH, Jürgen Brenner
Mit dem Spätzle-Shaker gelingt die Schwäbische Leibspeise garantiert ohne Schaben. |© Spätzle Shaker GmbH, Jürgen Brenner
©Spätzle-Shaker GmbH, Jürgen Brenner

Schaben oder Pressen: Nur mit viel Aufwand bekommt man die original schwäbischen Spätzle auf den Tisch. Gibt es da wirklich keine einfachere Lösung? Das fragte sich auch die Tübingerin Susann Hartung, als ihr Sohn Julien mal wieder nach seiner Lieblingsspeise verlangte. Kurzerhand kaufte sie eine Plastikdose. Sie bohrte Löcher in den Deckel, füllte die Teigzutaten und Murmeln zur besseren Vermischung hinein. Kurz darauf drückte sie ihre ersten Spätzle aus. Der Spätzle-Shaker war geboren. Vor allem die junge Zielgruppe dankt es Susann Hartung. Sie kann jetzt neben schaben und pressen auch ganz einfach, praktisch und sauber ihre Spätzle aus dem Shaker drücken.

spätzle-shaker.de

Himmlisches Soulfood

7# Schwäbische Seelen

Himmlisches Soulfood

Schwäbische Seelen erinnern an kleine Baguettes. Sie stammen urprünglich aus Oberschwaben. |© TMBW, Würtenberger
Schwäbische Seelen erinnern an kleine Baguettes. Sie stammen urprünglich aus Oberschwaben. |© TMBW, Würtenberger
©TMBW, Würtenberger

Um die Entstehung von Maultasche, Brezel und Schwarzwälder Kirschtorte ranken sich viele Legenden. Dass die „Seele“ ihren Ursprung in Oberschwaben und dem württembergischen Allgäu hat, ist dagegen unstrittig. Schon seit Jahrhunderten stellen die Bäcker der Region das an kleine Baguettes erinnernde Brauchtumsgebäck aus Mehl, Hefe, Wasser, Salz, Kümmel und früher auch Schmalz her. Dabei geben sie dem Teig viel Zeit zum Gehen, bevor er mit dem „Seelenschießer“, einem langen Holzschieber mit einer Rinne in der Mitte, in den Ofen kommt. Seinen Namen hat das Kleinbrot vom katholischen Feiertag Allerseelen, an dem traditionell für die Seelen der Verstorbenen gebetet wird. Probieren kann man es heute etwa noch in Wangen beim Fidelisbäck. 

wangen-tourismus.de

Druckausgleich für edle Tropfen

8# Buhlbacher Schlegel

Druckausgleich für edle Tropfen

Zusammen mit der Glashütte Buhlbach im Schwarzwald entwickelte Kessler eine stabilere Flasche für die Flaschengärung: den bruchsicheren Buhlbacher Schlegel.|© TMBW, Raatz
Zusammen mit der Glashütte Buhlbach im Schwarzwald entwickelte Kessler eine stabilere Flasche für die Flaschengärung: den bruchsicheren Buhlbacher Schlegel.|© TMBW, Raatz
©TMBW, Raatz

Georg Christian von Kessler gilt als Pionier der nationalen Schaumweinproduktion. Bis heute wird in Deutschlands ältester Sektkellerei Kessler in Esslingen nach der „méthode traditionnelle“ gearbeitet. Ihr Gründer brachte diese vor bald 200 Jahren aus Frankreich mit. Es handelt sich um ein Flaschengärverfahren, bei dem die Weine von Hand gerüttelt werden. Da Glas im 19. Jahrhundert noch schwächer und der Druck in den Flaschen extrem hoch war, kam es hierbei regelmäßig zu Explosionen. Vor denen schützten sich die Kellermeister mit eisernen Masken. Doch über die Hälfte der Produktion ging so verloren. Zusammen mit der Glashütte Buhlbach im Schwarzwald machte sich Kessler daher an die Entwicklung einer stabileren Flasche. Mit Erfolg: Schon bald war der bruchsichere „Buhlbacher Schlegel“ erfunden. Man erkennt ihn bis heute an seinem Stülpboden.

glashuette-buhlbach-foerderverein.de

Obst und Gemüse auf Vorrat

9# Weck-gläser

Obst und Gemüse auf Vorrat

Im obstreichen Baden-Württemberg wurde  1892 von J. C. Weck die Methode entwickelt, Lebensmittel durch Vakuum in Gläsern langfristig zu konservieren.|© Weck GmbH & Co. KG
Im obstreichen Baden-Württemberg wurde 1892 von J. C. Weck die Methode entwickelt, Lebensmittel durch Vakuum in Gläsern langfristig zu konservieren.|© Weck GmbH & Co. KG
©Weck GmbH & Co. KG

Früher türmten sich die Einmachgläser nur in Omas Kellerregalen. Heute liegt das Einwecken mittlerweile wieder voll im Trend. Vor allem im Herbst werden die Gläser mit der Erdbeere und dem Weck-Schriftzug aus den Schränken geholt. Mit ihnen lässt sich die frische Ernte das ganze Jahr genießen. Und woher stammt die Idee? Natürlich aus dem obstreichen Baden-Württemberg. Genauer gesagt aus Ölfingen bei Waldshut im Südschwarzwald. Dort entwickelte 1892 Johann Carl Weck die Methode, Lebensmittel durch ein Vakuum in Gläsern langfristig zu konservieren. Dank des einfachen Einweckprinzips konnte jedermann nun auch im Winter Spargel und andere saisonale Produkte zubereiten. Damals war das eine kleine Revolution. 

weck.de

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