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Exotenwald: Unter Riesen.

Amerikanische Mammutbäume in Weinheim

Giganten als Teil einer historischen Geschichte

BW Story - Bernd Sautter

Giganten als Teil einer historischen Geschichte

Nach einigen hundert Metern auf dieser fantastischen Tour durch den Exotenwald habe ich überlegt, ob das nicht frei erfunden sein könnte. Handelt es sich um eine groß angelegte Inszenierung? Mal ehrlich: Amerikanische Mammutbäume in Weinheim – und alle als Überbleibsel eines spleenigen Adligen aus dem 19. Jahrhundert? Zweifel sind erlaubt. Vielleicht sind wir doch bei „Verstehen Sie Spaß?“ gelandet. Vielleicht hüpft gleich ein Kameramann aus dem Unterholz?

Aber nichts dergleichen. Alles echt, die Mammutbäume, der Park, die Geschichte, alles. Außerdem ist unser Exotenpark-Führer Dietmar Spicker das Gegenteil eines Scharlatans. Alles, was er uns erzählt, sind historische und botanische Wahrheiten. Selbst dann, wenn sie kaum zu glauben sind. Man sollte es mit eigenen Augen gesehen haben.

Die Giganten befinden sich im Wachstum, so viel vorneweg. Trotzdem sind alle Superlative gerechtfertigt. Diese Mammutbäume sind größer und eindrucksvoller als vieles, was man in Mitteleuropa im weitesten Sinne einen Wald nennt. Satte 60 Meter schießen die Baumriesen in die Höhe. Wer vom Boden die Wipfel erspähen will, braucht eine stabile Halsmuskulatur. Kaum zu glauben: Im exotischen Waldgarten von Weinheim stehen wir unter original nordamerikanischen Mammutbäumen. Gar nicht wenige übrigens. Der Mammutwald Weinheims gehört zu den größten der Welt, wenn man die Anzahl der Exemplare nimmt, die nebeneinander stehen.

Das Ganze folgt einem kühnen Plan, der über Jahrhunderte voraus gedacht wurde. Die Geschichte beginnt im Jahr 1872. In diesem Jahr ließ der Schlossherr zu Weinheim, mit vollem Namen Christian Freiherr zu Berckheim, die ersten Bäume pflanzen. Damals war es unter feudalen Herren Mode, sich exotische Bäume in den Park zu holen. Der Freiherr zu Weinheim ließ sich nicht lumpen. Sein vornehmes Arboreum sollte ein stattlicher Wald werden. Höchstselbst skizzierte er, wo welcher Samen ausgebracht werden sollte. Der Schlossgarten wurde allerdings schnell zu klein. Es bedurfte einiger zusätzlicher Quadratmeter. Heute darf man dem damaligen Schlossherrn zu Weinheim bescheinigen, dass sein Plan voll aufgegangen ist. Der Park gedeiht. Die Menschen kommen. Das Renommee des Freiherren wächst prächtig – gemeinsam mit den Baumriesen.

Rund 150 Jahr nach der Planung spazieren wir unter fachkundiger Anleitung durch den Bestand. Auf rund 60 Hektar stehen mehr als 150 Baum- und Straucharten. Die botanischen Gäste stammen aus Afrika, Asien und Amerika. Sie fühlen sich in Weinheim absolut heimisch. Dietmar Spicker führt uns die Wege entlang und erzählt uns weitere Details zu Geschichte und Botanik der imposanten Parkwald-Landschaft. Wir stauen vor allem, als Park-Experte Spicker erwähnt, wie schön barrierefrei alles angelegt sei. Hat der Schlossherr damals gewusst, wie man heute touristische Ausflugsziele gestaltet, damit alle etwas davon haben? Nein, widerspricht Dietmar Spicker. Der Schlossherr pflegte seine Pflanzungen von der Kutsche aus zu kontrollieren. 

Und trotzdem: Die Geschichte mit der Mammutbaum-Mode unter Adligen, das ist doch ein bisschen geflunkert, oder? Keinesfalls. Viele Quellen berichten davon. Auf Württembergischer Seite war es Naturliebhaber König Wilhelm I, der sich Gigantensamen aus der neuen Welt bringen ließ. So ein üppiger Park wie in Weinheim findet sich allerdings in ganz Württemberg nicht. Vielleicht liegt es daran, dass das Klima in der Kurpfalz besonders günstig ist. Außerdem darf man die Rolle der Feuerwehr nicht vergessen. Die rückt bei anhaltender Trockenheit an – und zwar mit der ganz großen Gießkanne. Das Löschfahrzeug ist gerade gut genug, um den Durst mancher Exoten-Arten zu stillen.

Diese und viele weitere faszinierende Tatsachen erfahren wir auf dem unvergesslichen Erlebnisrundgang. Meine Befürchtung, dass wir gerade im großen Stile an der Nase herum geführt werden, bewahrheitet sich nicht. Kein Kamerateam im Unterholz. Nirgends. Die einzigen Kameras, die rege gezückt werden, werden von den Wanderern und Spaziergängern gehalten, die staunend dokumentieren, was sie soeben erleben. Absolut exotisch, dieser Wald.

Wer sich selbst unter Mammut begeben möchte, hier einige weitere Informationen: weinheim.de

Mehr Informationen zur Tour

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