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Rendez-Vous mit der Bodenseeinsel

Wandertour auf der Klosterinsel Reichenau

Der Inselrundweg auf der Insel Reichenau lädt Gäste ein, das UNESCO-Weltkulturerbe mit seinen drei eindrucksvollen Kirchen und tollen Bodensee-Blicken zu Fuß zu erkunden.| © Steidel
Die Geheimnisse der Reichenau

BW Story - List & Steidel

Die Geheimnisse der Reichenau

Viele statten der Bodenseeinsel Reichenau nur einen flüchtigen Besuch ab. Wer sich jedoch etwas Zeit nimmt und den Inselrundweg wandert, wird das UNESCO-Welterbe von einer ganz anderen Seite kennenlernen.

Der Weg verschwindet zwischen Schilfrohren. Wo vor Minuten noch ein reges Treiben herrschte, Autofahrer und Radler den Inseldamm bevölkerten, ist man nun plötzlich ganz alleine. Nur das Schlagen der Wellen ist zwischen den Uferbäumen zu hören, das Kreischen der Möwen und Schnattern der Enten, die hier einen wunderbaren Lebensraum haben.

Sanften Schrittes nähert man sich der romanischen Kirche St. Georg. Man sieht sie von der Rückseite, vom Pfarrhaus und den Weingärten, die sie umgeben. Die ottonischen Wandmalereien in ihrem Inneren sind ein Grund dafür, dass die Insel Reichenau im Jahre 2000 den Titel eines UNESCO-Welterbes erhalten hat. 

Mediterrane Atmosphäre: Die romanische Kirche St. Georg in Oberzell mit den berühmten ottonischen Wandmalereien ist von ausgedehnten Gemüsefeldern umgeben. | © Steidel
Mediterrane Atmosphäre: Die romanische Kirche St. Georg in Oberzell mit den berühmten ottonischen Wandmalereien ist von ausgedehnten Gemüsefeldern umgeben. | © Steidel
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Abseits der Touristenströme

Der Insel-Rundweg ist ungefähr zwölf Kilometer lang. Streckenweise haben ihn die Wanderfreunde ganz für sich alleine, ab und an kreuzt er den Radweg. Er verläuft abseits der Hauptstraße und der großen Touristenströme. Viele, die die Reichenau besuchen, kennen nur die Inselmitte, das Münster, die Kirche St. Georg und eilen dann wieder davon.

Wer den Insel-Rundweg geht, sollte sich einen schönen langen Tag Zeit nehmen. Man kann ihn schon vor dem knapp zwei Kilometer langen Damm beginnen und die Pappelallee entlangschlendern. Auf ihrem Weg liegt die einzige Burg der Reichenau, die Ruine Schopflen, auf deren Spitze heute eine Aussichtsplattform für die Vogelbeobachtung zu finden ist.

Der Inselrundweg auf der Insel Reichenau lädt Gäste ein, das UNESCO-Weltkulturerbe mit seinen drei eindrucksvollen Kirchen und tollen Bodensee-Blicken zu Fuß zu erkunden.| © Steidel
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Der Inselrundweg auf der Insel Reichenau lädt Gäste ein, das UNESCO-Weltkulturerbe mit seinen drei eindrucksvollen Kirchen und tollen Bodensee-Blicken zu Fuß zu erkunden.| © Steidel
Der gut ausgeschilderte und etwa 12 Kilometer lange Rundweg führt Besuchende vorbei an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten des UNESCO-Welterbes. | Steidel
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Der gut ausgeschilderte und etwa 12 Kilometer lange Rundweg führt Besuchende vorbei an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten des UNESCO-Welterbes. | Steidel

Bald schon ist auch das Münster St. Maria und Markus erreicht. Es duftet nach herrlichen Wiesen- und Küchenkräutern: Auf der romanischen Rückseite der alten Abteikirche wurde ein Klostergarten angelegt. Salbei, Pfefferminze, Sellerie, Schlafmohn: Es sind jene Pflanzen, die vor 1200 Jahren Abt Walahfrid Strabo beschrieb. Sein „Hortulus“ gilt als die älteste Gartenbaukunde der Welt, auf die Mönche der Reichenau geht auch die Tradition des Gemüseanbaus auf der Reichenau zurück.

In Mittelzell begeistert das vermutlich 724 erbaute Münster St. Maria und Markus mit seinem Kräuter- und Klostergarten nicht nur Gäste mit einer Affinität für Pflanzen.|© Steidel
In Mittelzell begeistert das vermutlich 724 erbaute Münster St. Maria und Markus mit seinem Kräuter- und Klostergarten nicht nur Gäste mit einer Affinität für Pflanzen.|© Steidel
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Beim Stundengebet der Mönche

Die Wanderlustigen spazieren entlang von bunten Salatfeldern am Inselufer weiter. Fast immer ist der Weg eben und gut beschildert, die Gefahr sich zu verlaufen, ist außerordentlich gering. Nach knapp zwei Stunden ist Niederzell erreicht, die Inselspitze. Schon von weitem sieht man die Doppeltürme der Kirche St. Peter und Paul. Sie ist umgeben von Blumengärten und Palmen, ein schöner Ort für eine Mittagsrast.

In Niederzell kann man zur Mittagszeit auch geistlich einkehren. Jeden Tag um 12.15 Uhr laden die Pater der Insel zum Stundengebet ein. Auch Reisende in Wanderkleidung sind willkommen. „Gerne, nehmen Sie Platz, wir beginnen gleich“, sagt eine der Ordensschwestern.

Vor rund 20 Jahren ist das klösterliche Leben auf die Insel Reichenau zurückgekehrt. 1757 war es ausgestorben, verließ der letzte Mönch jenes Eiland, das einst eine der Wiegen der europäischen Hochkultur war. Das Kloster der Reichenau gehörte zu den großen geistlichen und geistigen Zentren des Frühmittelalters, selbst der berühmte St. Galler Klosterplan entstand hier. Auch dafür hat es den Titel UNESCO-Welterbe bekommen.

Nach ungefähr der Hälfte des Inselrundweges auf der Reichenau wird an der Inselspitze die Kirche St. Peter und Paul erreicht – auch dieser Teil des UNESCO-Welterbes ist umgeben von Gärten und Gewächshäusern. |© Steidel
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Nach ungefähr der Hälfte des Inselrundweges auf der Reichenau wird an der Inselspitze die Kirche St. Peter und Paul erreicht – auch dieser Teil des UNESCO-Welterbes ist umgeben von Gärten und Gewächshäusern. |© Steidel
In Niederzell können sich Besuchende den Patern und Ordensschwestern zum Stundengebet anschließen. Sie leben in der kleinen Cella St. Benedikt.|© Steidel
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In Niederzell können sich Besuchende den Patern und Ordensschwestern zum Stundengebet anschließen. Sie leben in der kleinen Cella St. Benedikt.|© Steidel

Landschaft wie am Mittelmeer

Pater Stephan Vorwerk, seine Mitbrüder und eine Gruppe von Ordensschwestern haben die benediktinische Tradition neu belebt. Sie sind heute auch die Pfarrer der Insel Reichenau, eine moderne Zelle der Benediktiner, ausgesandt von der Abtei Beuron. Wer will, kann mit ihnen leicht ins Gespräch kommen oder auf dem Uferweg dem Pater begegnen, wenn er mit dem Klosterhund Gino spazieren geht.

Auf schmalen Pfaden schlängelt sich der Inselrundweg durch die Ufergärten. Das Klima der Reichenau ist mild, zuweilen glaubt man sich in eine Landschaft des Mittelmeerraums versetzt. Überall passiert man nun Gewächshäuser, Bootsstege, Palmenkübel und Weingärten. Ausflugsschiffe ziehen über den See, kleine Segelbötchen schaukeln über das im Sonnenlicht glitzernde Wasser.

Während der Wanderung über die Insel Reichenau bieten sich zahlreiche Stellen mit Blick über den Bodensee zum Verweilen und Genießen an. | © Steidel
Während der Wanderung über die Insel Reichenau bieten sich zahlreiche Stellen mit Blick über den Bodensee zum Verweilen und Genießen an. | © Steidel
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Ein Tässchen Tee auf der Hochwart

Der Weg verschwindet nun im Inneren der Insel. Ein Schlenker zur einzigen echten Erhebung der Reichenau: die Hochwart. 441 Meter ist der Hügel hoch, erhaben genug, dass man von dort die gesamte Insel und die weite Landschaft des Bodenseeraums überblicken kann. Wein wächst dort an den Hängen, in alten Zeiten war der Aussichtspunkt ein Spähposten des Feldschützen gegen den Traubenklau.

Ein faszinierender Ort, den man keinesfalls verpassen sollte: Auf der Spitze der Hochwart steht ein Teehäuschen, in dem heute ein Café und eine Keramikwerkstatt untergebracht sind. An schönen Tagen stehen über die gesamte Kuppe verteilt Tische, an denen man sich mit einem Stück Kuchen und einem Cappuccino platzieren kann. Eine malerische Umgebung.

Die hat im 19. Jahrhundert auch einem jungen französischen Adligen gefallen. Übermütig schwamm er vom Schweizer Ufer, wo auf dem Arenenberg sein Familienschloss stand, hinüber zur Reichenau. Später sollte er unter dem Namen Napoleon III. der letzte Kaiser von Frankreich werden.

Vom Aussichtspunkt Hochwart liegt einem die ganze Insel Reichenau zu Füßen – inklusive traumhaftem Ausblick über den Bodensee. |© Steidel
Vom Aussichtspunkt Hochwart liegt einem die ganze Insel Reichenau zu Füßen – inklusive traumhaftem Ausblick über den Bodensee. |© Steidel
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Bis heute eine „reiche Au“

Es sind viele kleine Dinge, die man beim Rundweg auf der Reichenau entdeckt. Verteilt über die gesamte Insel gibt es Niederlassungen des Museums, die die Historie erklären. Es ist eine schier unglaubliche Fülle, die die größte aller Bodenseeinseln zu bieten hat.

Ein Grund mehr, das Auto einmal stehen zu lassen und bei einer Wanderung die Insel mit ihren vielen Facetten zu erleben. Den Namen „Reiche Au“ trägt sie jedenfalls bis heute zurecht. Gegenwart und Geschichte gehen auf der Reichenau noch immer eine faszinierende Verbindung ein, einem UNESCO-Welterbe, das es so kein zweites Mal in Deutschland gibt.

☀ Mehr Informationen zur Tour

Übersicht

☀ Mehr Informationen zur Tour

Der Inselrundweg ist ab der Kirche St. Georg in Oberzell etwa 12 Kilometer lang, inklusive Damm sind es 16 Kilometer. Die Strecke ist flach und gut beschildert. Man nimmt sich am besten einen ganzen Tag Zeit. Kostenloses Parken am Kreisel vor dem Damm, gegen Gebühr in Oberzell. 

Tourist-Information Reichenau
Pirminstr. 145, 78479 Reichenau
Telefon +49 7534 92070

Insel Reichenau Luftbild 202A0799 Foto Achim Mende

Reichenau

Die Insel Reichenau, die größte der drei Bodenseeinseln, ist seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe.
Insel Reichenau Luftbild 202A0799 Foto Achim Mende

Wanderweg

Rund um die Insel Reichenau

Leicht
  • 10.9 km
  • 03:00 h
  • 48 m
Reichenau Island St Mary and Mark-4927 ezp

Historisches Museum Reichenau

VORRÜBERGEHEND GESCHLOSSEN Schatzkammer im Münster St. Maria und Markus

  • BODENSEECARD WEST BODENSEECARD WEST
HochwartHäuschen

Aussichtspunkt Reichenau

Aussichtspunkt Hochwart

St.Georg

Kirche Reichenau

Kirche St. Georg

Muenster Blumenwiese

Kirche Reichenau

Münster St. Maria und Markus

Reichenau Island St Peter and Paul-4306

Kirche Reichenau

Kirche St. Peter und Paul

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