Im Himmelreich des Barock

Kulinarische Reise in die Vergangenheit

Geschichte historisch erleben? Die Oberschwäbische Barockstraße entführt in die kulinarische Vergangenheit.
Fünf Stationen einer Genussreise

BW Story - Cross Media Redaktion

Fünf Stationen einer Genussreise

Die Klöster und Schlösser an der Oberschwäbischen Barockstraße sind auch Zeugnisse einer überaus lebensfrohen Weltauffassung. Die touristische Route umfasst 760 Kilometer, vier Routen und über 50 Barockerlebnisstationen. Wir besuchen die Genussregion und begeben uns auf eine Reise in die Barockzeit. 

Man kann in dieser Gegend eine Kunstreise machen und möglichst viele der über 100 Klöster, Kirchen und Schlösser besichtigen. Oder man genießt Oberschwaben mit allen Sinnen und begibt sich auf die Spurensuche der lebensbejahenden Barockzeit. 

Fünf Genuss-Stationen stellen wir vor:

Der Bibliothekssaal im Kloster

1 Augenschmaus in Bad Schussenried

Der Bibliothekssaal im Kloster

Blick auf das Kloster Bad Schussenried mit einer schönen Wiese und einer Skulptur, die einem Pfeil ähnelt, darauf.

Das ehemalige Kloster in Bad Schussenried beinhaltet einen der berühmtesten Kunstschätze Oberschwabens.

| © TMBW
Der Bibliothekssaal im Kloster Bad Schussenried mit einem prachtvollen Deckengemälde und vielen aufgereihten Stühlen am Boden.

Der Bibliothekssaal im Kloster Bad Schussenried hat ein prachtvolles Deckengemälde.

| © TMBW

Was für eine Pracht! Und so viele Bücher! Rücken an Rücken stehen sie in den mit goldener Farbe verzierten Regalen im Bibliothekssaal des ehemaligen Klosters Schussenried. Erst beim Herantreten merkt man: Das sind gar keine Bücher, das ist alles nur gemalt. Schöner Schein, typisch für das Zeitalter des Barock bzw. des Rokoko. Die Bücher standen in den Schränken des im 18. Jahrhundert entstandenen Lese- und Festsaals – einem der berühmtesten Kunstschätze Oberschwabens.

Das Deckengemälde, das der Maler Franz Georg Hermann und der Bildhauer Fidelis Sporer gemeinsam schufen, stellt neben der Geschichte der Kirche die göttliche Weisheit sowie Wissenschaften und Künste dar. Und es erinnert an einen Mönch: Pater Mohr (1575–1625), der mit einem Fluggerät aus Gänsefedern fliegen wollte. Man verbot ihm das bald. Aber der Mann, der auch Orgelbauer, Musiker, Schmied und Gärtner war, ging als Leonardo da Vinci Oberschwabens in die Geschichte ein. Man erzählt sich, dass der Pater über dem Kloster seine Runden drehte. Wahr? Zumindest eine schöne Geschichte.

kloster-schussenried.de

Schlossbrauerei Aulendorf

2 Regionale Biere

Schlossbrauerei Aulendorf

Auf zwei Regalbrettern stehen viele Flaschen Bier.

Die Schlossbrauerei Aulendorf ist bekannt für sein helles naturtrübes Reibolf - rückwärts gelesen Flobier.

| © TMBW
Vor der Schlossbrauerei ist ein Biergarten mit vielen Tischen, Stühlen und einigen Sonnenschirmen.

Die Schlossbrauerei Aulendorf achtet die Tradition des Bierbrauens. Genießen kann man sie im Biergarten.

| © TMBW

Bier brauen dürfen – dieses Privileg genossen zu Barockzeiten viele Klöster Oberschwabens, heute wird die Tradition durch viele Craft-Brauereien wiederbelebt. Eine von ihnen gehört Flo Angele. „Klar bin ich ein barocker Typ“, meint der Chef der Schlossbrauerei Aulendorf: „Ich esse gerne gut, ich trinke gern Bier, ich sitze gerne mit Freunden zusammen. Barock ist in Oberschwaben heute vor allem eine genussvolle Lebensart.“ Seit 2014 braut der Bio-Brauer in Aulendorf in der eigenen Brauerei sein helles, naturtrübes Reibolf (rückwärts gelesen Flobier) sowie Spezialbiere. Ausgeschenkt werden die Produkte im eigenen Wirtshaus „Schalander“ sowie in und um Aulendorf. Und was mag der barocke Typ Flo Angele außer Bier? Er spielt Theater, und hat unterm Dach der Brauerei eine Kleinkunstbühne eingerichtet, die „Spielerei“.

schlossbrauerei-aulendorf.de

Oberschwäbische Seelen vom Fidelisbäck

3 Traditionelles Backwerk in Wangen

Oberschwäbische Seelen vom Fidelisbäck

Eine Frau hält in den Händen vor sich ein Holzbrett auf dem einige Seelen liegen. Im Hintergrund hängen zwei Preistafeln.

Der Fidelisbäck liegt in Wangen im Allgäu. Die Oberschwäbische Seelen sind ein Genuss. Es sind baguetteartige Backwaren mit Kümmel und Salz. 

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Auf einem großen Ofenschieber liegen einige Seelen die in den Ofen geschoben werden.

In der traditionellen Bäckerei Fidelisbäck ist alles noch Handarbeit.

| © TMBW
Hinter der Verkaufstheke einer Bäckerei steht eine Frau.

Die Seelen waren schon zur Barock-Zeit bekannt. Denn den Fidelisbäck gibt es seit mindestens 1505. 

| © TMBW

Hand in Hand arbeiten die beiden Bäcker im Fidelisbäck in Wangen im Allgäu: Der eine bricht die Oberschwäbische Seele mit den Händen aus dem Teig und legt sie auf den Seelenschießer, einen Holzstiel mit zwei Vertiefungen. Der andere schiebt die Seelen in den Ofen. Das Tempo ist hoch, die traditionsreiche Bäckerei mit der kleinen Gaststube backt 
2 000 bis 2 500 Stück am Tag. Oberschwäbische Seelen sind baguetteartige Backwaren mit Kümmel und Salz. Früher wurden sie vermutlich vor allem zu Allerseelen gebacken. Heute gibt es sie täglich, und die vom Fidelisbäck sind über die Grenzen Wangens hinaus bekannt. Woran das liegt? Inhaberin Ursula Mönch meint: „Bei uns werden sie halt besonders knusprig, weil sie noch paarweise in den Ofen geschossen und direkt nach dem Formen auf der Herdplatte gebacken werden.“ Außerdem arbeitet man bei Fidelisbäck ohne Backmischungen. Und man hat auch schon ein paar Jährchen Erfahrung. Denn den Fidelisbäck gibt es seit mindestens 1505 – und die Seelen wohl auch fast so lange. In der Barockzeit jedenfalls waren sie schon bekannt. Noch etwas, Frau Mönch? Ja, sagt die Seelenspezialistin: „Unsere Seelen kommen direkt aus dem Paradies!“ Wie bitte? Das klingt jetzt aber sehr barock. „Die Adresse“, meint Ursula Mönch, „unser Fidelisbäck liegt in der Paradiesstraße Nummer 3.“

fidelisbaeck.de

Barockmahl im Grünen Baum

4 Barocke Menüs in Bad Waldsee

Barockmahl im Grünen Baum

In der Küche eines Restaurants steht ein Koch an einem Herd und legt ein Fischfilet in eine Pfanne.

Im Grünen Baum in Bad Waldsee gibt es Barockabende. Die Gänge sind üppig und unglaublich lecker.

| © TMBW
Außenansicht des Hotels und Restaurants Grüner Baum.

Im Restaurant Grüner Baum gibt es kulinarischen Geschichtsunterricht.

| © TMBW
Nahaufnahme eines Teller mit einem schön angerichteten herzhaften Fischgericht darauf.

Berthold Schmidinger experimentiert im Restaurant Grünen Baum mit den kulinarischen Gepflogenheiten der Epoche.

| © TMBW
Der Chef Berthold Schmidinger steht lachend mit verschränkten Armen vor einer Wand.

Berthold Schmidinger ist der Chef und Koch des traditionsreichen Restaurant Grüner Baum in Bad Waldsee.

| © TMBW

Die grünen Knöpfle färbt Berthold Schmidinger mit Spinat, die roten mit Rote-Beete-Saft. Im Barock liebte man es exzentrisch, gegensätzlich und üppig – und das galt auch fürs Essen. Berthold Schmidinger, Chef und Koch im traditionsreichen Grünen Baum in Bad Waldsee, experimentiert mit den Rezepten von damals, veranstaltet Abende mit barocken Menüs. Entwickelt hat er die Idee der Barockabende mit dem Bad Waldseer Stadtarchivar Michael Barczyk. Der forscht über die Epoche und hat sich auch mit ihren kulinarischen Gepflogenheiten beschäftigt. Schmidingers Barockessen besteht aus mehreren Gängen und ist immer auch Geschichtsunterricht. Denn die „Brennte Supp“ mit Dinkelmehl, Gemüsebrühe und Brot, die es als Vorspeise gibt, war eine Speise der einfachen Leute und des Bürgertums. Das Mousse von Seefischen mit Molke und Kräutern genoss der Klerus. Und die zahme Ente mit wilden Beeren, Kraut und Rüben kam beim Adel und beim Bürgertum auf den Tisch. Und die Knöpfle? Das waren die Knödel im Barock. Die eine oder andere exzentrische Note haben wir übrigens übernommen: Wild mit Preiselbeeren? Barock!

baum-leben.de

Zogene Küchle im Freilichtmuseum

5 Traditionelles Schmalzgebäck in Kürnbach

Zogene Küchle im Freilichtmuseum

Eine Frau verkleidet mit historischen Klamotten steht vor einer alten Holztreppe und hält einen Teigfladen in der Hand.

Im Freilichtmuseum Kürnbach gibt es Vorführungen des damaligen Handwerks.

| © TMBW
Ein Frau in historischen Klamotten steht vor einem alten Ofen und backt die Teigfladen in einer Pfanne aus.

Monika Ströbele macht Zogene Küchle. Das war eine Bauernspeise, die man heute immer noch zur Fasnacht isst.

| © TMBW
Außenansicht des Museumsdorfes Kürnbach.

Im Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried stehen mehr als 30 altoberschwäbische Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus verschiedenen Zeitepochen, darunter auch aus der Barockzeit.

| © TMBW

Und die Bauern, wie lebten sie im Barock? Im Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried stehen mehr als 30 altoberschwäbische ländliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus verschiedenen Jahrhunderten, darunter auch Bauernhöfe aus der Barockzeit. Damit die vergangenen Zeiten lebendig werden, leben im Museum auch Exemplare alter Nutztierrassen. Und es gibt Vorführungen des damaligen Handwerks.

Monika Ströbele macht für uns heute Zogene Küchle, eine Bauernspeise, die man in der Region immer noch zur Fasnacht isst. Die Museumspädagogin zieht den Hefeteig aus Dinkelmehl über ihren Handrücken lang und backt ihn in Fett aus. Durch das Ziehen des Teigs werden die Küchle in der Mitte hauchdünn und knusprig, an den Rändern bleiben sie schön dick. Noch so ein Gegensatz, wie ihn die Leute im Barock liebten. Und mit Zimt und Zucker auch heute noch ein echter Genuss! 

museumsdorf-kuernbach.de

Mehr zur Tour

Übersicht

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In unserem Video nehmen wir Sie mit auf die Reise ins Barock...

Im Himmelreich des Barock
Kloster Schussenried

Kloster Bad Schussenried

Kloster Schussenried

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Restaurant Bad Waldsee

Hotel Restaurant Grüner Baum

Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach

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Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach

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