Der Echaz-Uferpfad in Reutlingen

Themenweg

Der Echazuferpfad beginnt beim ehemaligen Feuerwehrmagazin gegenüber des Rathauses und führt an der Echaz entlang bis zur Kreuzung Lederstraße/Lindachstraße.  Für Rollstuhlfahrer geeignet. Er kann auch in umgekehrter Richtung begangen werden. GPS-Tour. Laden Sie sich hierfür die App auf der Homepage www.tourismus-reutlingen.de herunter.
9 farbige Tafeln informieren über folgende Themen:

  • Fische in der Echaz
  • Von der Quelle bis zur Mündung
  • Talbildung der Echaz
  • 12 kleine Lebewesen
  • Wasservögel an der Echaz
  • Frankonenkeller
  • Renaturierung und Nutzung 
  • Mühlen an der Echaz
  • Gerber an der Echaz

Der Echazuferpfad wurde von Herrn Roland Herdtfelder konzipiert und mit breiter Beteiligung sowie Sponsoring umgesetzt.

  • Typ Themenweg
  • Schwierigkeit leicht
  • Dauer 0:37 h
  • Länge 0,5 km
  • Aufstieg 11 m
  • Abstieg 8 m
  • Niedrigster Punkt 374 m
  • Höchster Punkt 384 m

Beschreibung

Tafel 1: Fische in der Echaz

Die Mühlkoppe, Groppe, Cottus gobio, benötigt kühles sauerstoffreiches Wasser und ist empfindlich gegenüber Wasserverschmutzung. Ohne Schwimmblase bewegt sich diese bodenorientierte Art ruckartig im Wasser, sie ist nachtaktiv. Alles was sie bewältigen kann wie Bachflohkrebse, Fliegenlarven, Kleinfische usw. dient dieser gefräßigen Art als Nahrung. Von März bis Mai wird der Laich an der Unterseite von hohlliegenden Steinen als orangefarbene Ballen abgelegt; das Männchen bewacht und befächelt das Gelege mit frischem Wasser.

Auch die Bachschmerle, Barbatula barbatula, ist ein nachtaktiver bodenorientierter Fisch, aber nicht so empfindlich gegen Wasserverschmutzung. Sie durchwühlt den Boden nach lebenden und toten Organismen. Die durchsichtigen sehr kleinen Eier werden von März bis Mai am flachen Ufer an Steinen, Wurzeln oder Wasserpflanzen abgelegt.

Die Elritze, Phoxinus phoxinus, lebt in Schwärmen in kühlem sauerstoffreichem Wasser. Man kann sie tagsüber im unterspülten Wurzelgeflecht der Erle beobachten. Während der Laichzeit bekommen die Männchen eine scharlachrote Bauchunterseite; sie machen eine kurze Laichwanderung bachaufwärts mit darauffolgender Eiablage. Die durchsichtigen Eier werden meist an flachen kiesigen Stellen abgelegt.

Bachforellen, Salmo trutta fario, sind für ihre Vorliebe nach sauberem, kühlem und sauerstoffreichem Wasser bekannt. Das standorttreue Einzeltier hält sich gerne in unterspülten Kolken auf. Man unterscheidet zwei Wuchsformen, die sich je nach Gewässergröße und Beschaffenheit entwickeln; als sogenannte Steinforelle wird die zwergwüchsige Form in kleinen Gewässern bezeichnet. Als hervorragende Beutefängerin jagt sie Anfluginsekten, Wasserinsekten, Bachflohkrebse; große Forellen wagen sich auch an Fische wie Elritzen, Bachschmerlen und Mühlkoppen. Die Eier werden von Oktober bis Januar (Winterlaicher) in einer vom Weibchen geschlagenen Laichgrube im Kiesbett abgelegt, anschließend vom Männchen befruchtet und wieder mit Kies bedeckt.

Flusskrebse gibt es in zwei regional heimischen Arten, die sich ihre Nische suchen, der Steinkrebs, Austropotamobius torrentium, bevorzugt kühlere Regionen nahe der Quellen, der Edelkrebs, Astacus astacus, benötigt Gewässer mit mindestens 15°C Sommertemperatur. Beide Arten sind Allesfresser und gehen nachts auf Nahrungssuche. Die Eier werden vom Weibchen bis zum Schlupf unter dem Körper getragen und versorgt. Die heimischen Krebse sind durch die Krebspest, die von amerikanischen Flusskrebsen übertragen wird, stark gefährdet. Der Erreger der Krebspest ist der Pilz Aphanomyces astici. Deshalb: Kein Aussetzen von fremdländischen Krebsarten in unseren Gewässern!

Jürgen Tröge, Reutlingen 

Tafel 2: Von der Quelle bis zur Mündung

Die Schwäbische Alb erscheint nur von Ferne als „Blaue Mauer“; kommt man näher, sind die Buchten, Vorberge und Taleinschnitte zu erkennen – herausmodelliert durch die rückschreitende Erosion der Neckarzuflüsse. Die Echaz schuf mit ihren Nebenbächen tiefe Schluchten und steile Hänge und entspringt heute südlich von Honau an der Grenze Weißjura (Obergrenze der wasserstauenden Oxford-Mergel Ox1, bzw w) als Schichtquelle. Bis Pfullingen überwindet sie fünf Kalktuff-Terrassen; Honau liegt auf der markantesten und bietet mit der Kalktuffhöhle ein einzigartiges Naturdenkmal. Die Echaz durchquert im Albvorland sämtliche Schichten des Braunen und Schwarzen Jura und schneidet in ihrem Unterlauf die Gesteine des mittleren Keuper an.

Das unterirdische Einzugsgebiet reicht wegen der Verkarstung bis um die Gegend von Bernloch und Meidelstetten – die oberirdische Wasserscheide Rhein/Donau liegt dagegen am Albtrauf und trennt heute das flache, inzwischen trockene Urlautertal von dem der Echaz. Obwohl die Tallänge bis Reutlingen nur etwa 11 km beträgt, müsste man an der Kante des Albtraufs entlang beinahe 100 km zurücklegen, um vom Gutenberg bei Eningen über Schloss Lichtenstein zum Wackerstein zu gelangen – so hat das Flusssystem Echaz den Albtrauf zergliedert. Diese Hänge, Verebnungen, Kuppen und Einschnitte in unterschiedlichen Höhen und Expositionen bieten verschiedenste Lebensräume für Pflanzen und Tiere – kein Wunder, dass im Einzugsgebiet der Echaz elf Naturschutzgebiete (NSG), mehr als 20 flächenhafte und über 50 Einzelbildungen als Naturdenkmäler (ND) ausgewiesen sind. Nach § 31 NatSchGBW können das Landratsamt bzw. die Stadt Reutlingen als Untere Naturschutzbehörde schützenswerte Bäume, Dolinen, Tuffbarrieren etc. als Einzelbildungen und bis zu 5 ha große Flächen als ND ausweisen. Den gleichen hohen Schutzstatus haben die Naturschutzgebiete (NSG). Besonders bekannt sind Wendelstein, Ursulahochberg, Pfullinger Hochwiesen, Echazaue und das NSG Listhof vor den Toren Reutlingens. Das Verfahren zum NSG und Naturpark wie z.B. Schönbuch, unterliegt dem Regierungspräsidium.

Große Teile des Albtraufs und der Hangwälder erfüllen als Landschaftsschutzgebiete (LSG), Bann– oder Schonwälder eine Pufferfunktion zwischen intensiver Nutzung einerseits und Schutzgebieten andererseits. Das Landratsamt führt das Verfahren zum LSG.

Große Teile des Einzugsgebiet – vor allem im Süden – gehören seit 2009 zum von der UNESCO anerkannten Biosphärengebiet „Schwäbische Alb“.  

Roland Herdtfelder, Reutlingen 

Tafel 3: Talbildung der Echaz – die Situation im Reutlinger Stadtgebiet

Reutlingen, das „Tor zur Schwäbischen Alb“ verdankt seine Lage nicht zuletzt der Echaz. Ihr Tal hat zwar bei Reutlingens Stadtmitte bereits seinen „Albcharakter“ verloren, obwohl die beidseitigen Hausberge Achalm und Georgenberg, die das Stadtgebiet einschnüren, den Albbesucher, der sich von Stuttgart her nähert, eindrucksvoll begrüßen. Die Alb wird bekanntlich von mächtigen Weißjurakalken (Malm) aufgebaut. Herausgehoben und leicht schräggestellt überlassen sie ihren Sockel aus Braunjura (Dogger) und Schwarzjura (Lias) dem Albvorland, das von jungen Albstirnflüssen wie Echaz und Erms durchteilt wird. So ist das Echaztal bei Reutlingen bereits im Braunjuraniveau angelegt. Aber die Achalm, mit ihrer Weißjurakalkkappe ein echter „Zeugenberg“ der Schwäbischen Alb, hat noch Einfluss auf die Talgestaltung: Weniger sind es die Gesteine der verschiedenen geologischen Schichten als vielmehr das Verhalten der Hangpartien während des Eiszeitalters und in der Nacheiszeitperiode wie vor rund 10 000 Jahren. Unsere Mittelgebirgsregion war zwar nicht vergletschert, aber sie lag im Periglazialbereich Oberschwabens, also eisrandnah. Kennzeichen waren Dauerfrostboden mit sommerlichem Auftauen der oberen Zonen, Hangrutschungen an den Steilhängen, Bodenfließen auch an flacheren Böschungen sowie wilde Bachbetten mit starker Sedimentführung.

Dass die Echaz damals reichlich Wasser führte, beweisen die Schotter und Kiese, die unter der Stadt 4-6 m mächtig lagern. Auch bewegte sich der Achalmhang damals noch stärker als heute, wie die Hangschuttdecken zeigen. Bei starker Wasserführung wird die Echaz davon viel weggespült haben, und bei geringem Abfluss – wegen der nacheiszeitlichen Klimaverbesserung und der sich darauf hin entwickelnden Vegetation – musste sie an den Gegenhang der Achalm ausweichen, der den Uferpfad links begleitet. An dieser Talflanke ist der Opalinuston des Braunen Jura im Stadtgebiet angeschnitten und im Echazbett erkennbar, während er sich unter üppigem Grün am Steilhang des Flusses verbirgt. Das Profil auf der Tafel 3 lässt die so entstandene Talasymmetrie und den hochwassersicheren Siedlungsgrund der Altstadt deutlich werden: Trotz rund 1 km Talbreite begnügt sich die Echaz in der jüngsten Landschaftsgeschichte mit wenigen Metern Flussbett an der Volksparkseite, während die jenseitige Innenstadt auf der eiszeitlichen Echaz-Aufschüttung liegt. Diese steigt ihrerseits mit rund 2% in Richtung Achalmfuß auf. Damit ist belegt, dass der Hangabtrag der Achalm bis ins Stadtgebiet wirksam war. Auf der Höhe des Tübinger Tores etwa wird dann das Gefälle des Flusses und der Achalm schwächer und die Echaz pendelt auf ihren breiten Schottern zur Talmitte hin. Während die Standorte der Reutlinger Mühlen im beschriebenen engeren Talabschnitt lagern, war auf der breiten Sohle die Möglichkeit für die Wassernutzung im ehemaligen „Klein Venedig“ gegeben (siehe Tafeln 8 und 9).

 Prof. Dr. Eckart Füldner, Reutlingen

  Tafel 4: 12 kleine Lebewesen an der Echaz

Eigentlich sind diese zwölf und ihre Verwandten die interessantesten Lebewesen der Echaz. Sie sind klein, aber in großer Menge vorhanden. Durch ihren enormen Stoffumsatz beherrschen   sie den Haushalt des Flusses, seine Ökologie. Sie können uns als lebende Anzeiger ― Bioindikatoren ― Auskunft über die Gewässergüte geben. Man muß sie nur kennen!

1. Brunnenlebermoos Marchantia polymorpha.

Manche Steine der Uferbefestigung tragen über dem Wasser dunkelgrüne Matten von Brunnenlebermoosen. Ihr plattgedrückter Pflanzenkörper ist nicht in Stiele und Blätter gegliedert, sondern ein "Lager" aus leberförmigen Lappen. Wie kleine Schirmchen stehen die männlichen Geschlechtsorgane in die Höhe, wie Schirmgestelle die weiblichen. Brutbecher bilden ungeschlechtliche Vermehrungskörperchen. Durch ihre üppige Entwicklung zeigen die lappigen Lebermoose eine "Wohlfahrtswirkung" der Echaz an: sie wirkt wie ein riesiger Luftbefeuchter für die trockene Stadtluft

2. Bach-Kurzbüchsenmoos Brachythecium rivulare.

Dieses Laubmoos mit hellgrün beblätterten Stengeln braucht dauernde Berieselung mit Wasser. Man findet es daher auf überrieselten Steinen und im "Spritzwasserbereich" der Ufermauer; d. h. dort, wo der Wellenschlag Wassertropfen hinwirft. Säuren und Giftstoffe im Wasser bringen das   Bach-Kurzbüchsenmoos zum Absterben. In der glorreichen Gerber- und Färberzeit, als die Echaz manchmal rot und blau, stinkend und schäumend durch die Stadt floß, gab es diesen Klarwasserzeugen nicht an dieser Stelle.

3. Fiebermoos oder Gemeines Brunnenmoos Fontinalis antipyretica.

Trotz seines angsteinflößenden ersten Namen ist dieses Wassermoos ein Hoffnungsträger. Es gedeiht nämlich am Grund von sauberen oder nur schwach verschmutzten Fließgewässern. Darauf weist sein zweiter deutscher Namen hin. Im Zug der Sanierung der Echaz ist das Brunnenmoos aber schon vom Oberlauf bis an die Stadtgrenze von Reutlingen vorgerückt. Wird dieser Bioindikator der Reinwasserzone je beim Echaz-Uferpfad zu sehen sein? (Gewässergüte-Klasse (GWK) I/II gering belastet).

4. Schwingfaden-Bakterie Oscillatoria agardhii.

Die kleinen blaugrünen Flecken auf der Schwelle und auf anderen Unterlagen fühlen sich glitschig an. Mit dem Mikroskop sieht man tausende von hin und her schwingenden Fäden (kleines Bild). Die einzelnen Zylinderchen in den Fäden besitzen keinen richtigen Zellkern; es sind Blaugrüne Bakterien. Mit Chlorophyll- Farbstoffen erzeugen sie im Licht aus Kohlendioxid Stärke. Als Abfallprodukt ihrer Lichtarbeit (Photosynthese) entlassen die Millionen von lebenden chemischen Produktionsstätten Sauerstoff ins Echazwasser! Agardhs Schwingfaden-Bakterie ist ein Bioindikator der mäßig belasteten Fließgewässer: GWK II.

5. Schiffchen-Kieselalge Navicula spec.

Große goldbraune Teppiche aus Kieselalgen kennzeichnen Gewässerabschnitte der Güteklasse II. Mit durch die Algen erzeugtem Sauerstoff werden die organischen Wasserverunreinigungen abgebaut. Die beiden Schalen einer Kieselalge stecken ineinander wie bei einer Käseschachtel. Mit einem über die Schalen fließenden Schleimband kann die Zelle auf dem Boden gleiten oder im Wasser schwimmen. Milliarden von Kieselalgen leisten mit ihren Chlorophyll- Körnern den ganzen Tag Photosynthesearbeit in der Echaz.

6. Ast-Grünalge Cladophora crispata.

Büschel aus verzweigten Fäden sitzen mit einem Haftorgan auf Holz und Steinen. Sie fühlen sich rauh an, im Gegensatz zu weichen unverzweigten Grünalgen. Die Gekräuselte Astalge kommt in mäßig verschmutzten Gewässern vor (GWK II), die Knäuelige Astalge von GWK I/II bis III (stark verschmutzt). Wie alle Produzenten des Flusses (u.a. Nr. 1 – 7) erbringen die Algen eine Wohlfahrtswirkung für Reutlingen: Soweit ihr produzierter Sauerstoff nicht im Fluß selber verbraucht wird, trägt er zur Luftverbesserung der Stadt bei.

7. Ausläuferbildendes Straußgras Agrostis stolonifera.

Das Kriech-Straußgras ist ein Spezialist der überschwemmten Ufer. Mit seinen oberirdischen Kriechtrieben überlebt es auf dem bewegten Untergrund des   Kieses, auf sauerstoffarmem Schlammboden und auf dem Kalktuff absetzenden Gewässergrund der oberen Echaz.

8. Bach-Flohkrebs Gammarus ssp.

Drei Arten der Flohkrebse laufen am Grund der Echaz zwischen Steinen und Wasserpflanzen umher. Ab und zu schwimmen sie ein Stück weit. Als Fresser von Fallaub und darauf sitzenden Bakterien und Pilzen sind sie ein wichtiges Mitglieder der Putzkolonne des Fließgewässers. Für ihre Kiemen benötigen sie so viel Sauerstoff, wie er nur in Gewässern ab GWK II aufwärts vorhanden ist. Denselben Anspruch an die Wasserqualität stellen auch Fische, die in der Nahrungskette auf die Flohkrebse folgen.

9. Eintagsfliege Ephemeroptera.

„Es brennt – Rauch an der Echaz!“ geht der Alarmruf, wenn an einem Sommerabend Wolken aus tausenden von Eintagsfliegen zum Paarungsspiel über dem Fluß aufsteigen. Sie leben nur ein paar Stunden, fressen nicht und widmen sich der Fortpflanzung. Ihre Larven dagegen weiden zwei Jahre lang Algen und Bakterien von den Steinen der Echaz ab. GWKII; im schnell strömenden Oberlauf der GWK I findet man auch abgeplattete Eintagsfliegenlarven und solche mit zwei Schwanzanhängen.

10. Bachbungen-Ehrenpreis Veronica beccabunga.

Im Bachröhricht des nassen Ufers kommen außer der blau blühenden Bach-Bunge immer mehr Arten vor, je klarer und sauerstoffreicher das Wasser echazaufwärt ist: Bach-Berle, Brunnenkresse, Sumpf- Vergißmeinicht, Flutender Schwaden und Igelkolben.

11. Schlammröhrenwurm Tubifex tubifex.

An strömungsarmen Stellen lagert sich faulender Zerreibsel von Pflanzen und Tieren ab, weil dort im Wasser zu wenig Sauerstoff für den vollständigen Abbau vorhanden ist. Mit dem Vorderteil fressen tausende von Schlammwürmern im Faulschlamm. Mit dem hin und her pendelnden Hinterende fächeln sie frisches Wasser für ihre Darmatmung heran. An roten Blutfarbstoff Hämoglobin erkennt man die Spezialisten der Bachputzkolonne für sauerstoffarme Stellen im Gewässer, GWK IV (übermäßig verschmutztes Wasser).

12. Brennessel Urtica dioica.

Die Brennessel, ein Stickstoffzeiger des Ufers, führt mit Spritzwasser und bei Überschwemmungen sozusagen eine Gewässeranalyse durch: geschlossene Brennesselfelder am Ufer zeigen einen hohen Stickstoffgehalt des Gewässers an (starke organische Belastung), getrennte Trupps einen mittleren, Einzelpflanzen einen geringen Stickstoffgehalt. Wie ist die Belastung hier am Echaz-Uferpfad?

Wissenschaftliche Untersuchungen der Echaz mit chemischen Methoden und mit Bioindikatoren ergaben an der Probestelle „beim ADAC/Zoohandel ″ noch im Jahr 1981 Gewässergüteklasse (GWK) III: kritisch belastet, seit 1998 bis heute Gewässergüteklasse II: mäßíg belastet.

Gewässergüteklasse III: Stark verschmutzt

Die Farbe Grau herrscht vor, das Wasser stinkt. Fische, Schnecken, Muscheln, Flohkrebse und andere sauerstoffbedürftige Tiere fehlen, ebenso Blütenpflanzen und Wassermoose. Nahezu alle Steine sind auf der Unterseite schwarz von Schwefeleisen. Überall in der Strömung wehen Kolonien von grauen Abwasserpilzen („Abwasserfahnen ″ ). Auf dem Gewässergrund teilweise gärender schwarzer Faulschlamm; darin ist die rote Zuckmückenlarve häufig. Nur Tiere dieser Stufe können überleben, z.B. Stechmückenlarven, Zuckmückenlarven, Wasserassel, Rattenschwanzlarve. Sauerstoffgehalt manchmal unter 1 mg/l. Ammoniak meist mehrere mg/l.

Gewässergüteklasse II ― III: Kritisch belastet

Das Wasser entweder trüb durch Bakterien und organische Stoffe oder grünlich durch Planktonalgen, riecht aber kaum. Fischsterben infolge von Sauerstoffmangel möglich. Nur wenige Wasserpflanzen sind vorhanden, aber oft in Massenbeständen, so wie manche fädige Algen. Dann schwankt der Sauerstoffgehalt vom Defizit am Morgen bis zur Übersättigung in den Nachmittagsstunden. Steinfliegenlarven und Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse fehlen, ebenso die meisten Arten der Eintagsfliegenlarven; Egel und Wasserasseln sind häufig. Schlamm oberflächlich oxidiert (grau). Sauerstoffgehalt sinkt oft bis 4 mg/l ab. Ammoniak steigt bis 1 mg/l.

Gewässergüteklasse II: Mäßig belastet

Das Wasser ist meist klar und geruchlos. Forellen und andere Fische sind häufig. Vielerlei Kleintiere und Wasserpflanzen kommen vor, auch Köcherfliegenlarven, Libellenlarven und Bachflohkrebs. Schmutzwasserlebewesen der Stufen III und IV fehlen. Gewässergrund steinig, kiesig, sandig, fast ohne Faulschlamm. Sauerstoffgehalt schwankend durch Regenwassereinleitung und Algensterben, meist jedoch über 6 mg/l. Ammoniak selten über 0,3 mg/l.

Prof. Dr. Werner Grüninger, Reutlingen

Tafel 5: Wasservögel an der Echaz

Die steigende Wasserqualität, die Renaturierung der Ufer, aber auch das wachsende Verständnis vieler Menschen für die Belange der Wildtiere haben inzwischen die Fließgewässer innerhalb menschlicher Siedlungen wieder zu Lebensräumen verschiedener Tier-und Pflanzenarten werden lassen. Ein Beispiel hierfür ist die Echaz, an der wieder Vogelarten angetroffen werden, die noch vor wenigen Jahren extrem scheu und selten waren, wenn man von der Stockente mal absieht.

Das gilt vor allem für den Graureiher, dem einzigen bei uns brütenden Großvogel. Inzwischen weiß man, dass er keineswegs nur Fische frisst, sondern auch auf Äckern und Wiesen eifrig der Mäusejagd nachgeht – oftmals weit weg von Gewässern wie auf der Alb.

Ein „Indikatorvogel“ für saubere, sauerstoff-und insektenreiche Fließgewässer ist die Wasseramsel. Sie schwimmt und taucht ausgezeichnet und kann sich, dank ihrer kräftigen Zehen, sogar „zu Fuß“ unter Wasser fortbewegen. Mit unserer Gartenamsel hat sie übrigens außer dem Namen nichts gemein.

Die Gebirgsstelze ist ebenfalls ein Charaktervogel rasch fließender, kühler Bäche. Die gelbe Färbung ihres Bauchgefieders wirkt sehr attraktiv, ist allerdings bei Weibchen und Jungvögeln weniger stark ausgeprägt. Im Verhalten ähnelt sie sehr ihrer „Base“, der Bachstelze.

Allgemein bekannt ist die „Mutter“ unserer Hausenten, die Stockente. Sie verpaart sich auch heute noch häufig mit diesen, was zu den komisch verfärbten Bastarden führt, die man allenthalben auf Gewässern sehen kann. Im Bestand ist die Stockente weniger durch die Jagd als durch die übermäßige Fütterei mit Brot bedroht, die ihr auf Dauer gar nicht bekommt !

Wohl unser schönster Vogel ist der Eisvogel, der mit seinem bunten, schillerndem Gefieder geradezu tropisch wirkt. Früher oft als Fischräuber verfolgt, steht er heute unter strengem Naturschutz. Gefahr droht ihm nur noch, wenn seine Nahrungsgewässer in strengen Wintern zufrieren oder seine Bruthöhlen in vegetationslosen Steilufern von Frühjahrshochwässern überschwemmt werden. An der Echaz ist er in der Regel nur Nahrungsgast und hat bisher nur einmal oberhalb Pfullingens an ihr gebrütet, allerdings erfolgreich!

Hans Joachim Riedinger, Eningen unter Achalm

Tafel 6: Frankonenkeller – ein Naturdenkmal ersten Ranges

Von Goldgräbern begonnen (sie haben übrigens auch in der Falkensteiner Höhle und im Einzugsgebiet des Goldersbachs nach Gold gesucht) von der Frankonia-Verbindung und den Bunkerbauarbeitern im 2. Weltkrieg ausgebaut, erfüllte der Frankonenkeller nie den Zweck, für den er gebaut wurde. Er blieb unvollendet und ist heute nur noch über das Getränkelager der Gaststätte „Nachwächter“ zu erreichen und deshalb für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Früher gab es drei Eingänge, davon wurden zwei zugemauert.

Die ersten 50 m nach dem Eingang führen durch einen gruftähnlichen Stollengang über herabgefallene Tonschieferplatten und vorbei an modrigen Luftwurzeln. Dann ändern sich die Verhältnisse auf einmal schlagartig: Sinterbildungen von schneeweiß, über alle Farbnuancen von Wachs und Honig, bis blutrot, verwandeln die tristen Stollengänge im Zusammenwirken mit tropfendem, rinnendem und fließenden Wasser in eine Märchenwelt. Die Versinterungen sind Meisterwerke der Natur: Sogenannte Maccaroni an der Decke, dazu die seltenen, fast „textilen“ Lehmspagetti, „Wasserfälle“, kristallisierte Pilzmycel am Boden, Excentrics im Wasser und manches sieht aus, als hätte ein Zuckerbäcker quadratmetergroß Karamellmasse ausgeschüttet, bis zu 20 cm dick. Oft sind auch liegengelassene Gegenstände wie z.B. Flaschen integriert. Alles in etwa 60 Jahren gewachsen; man kann dabei fast zusehen. Großartig, was hier aus dem Zusammenspiel von Wasser und gewöhnlichen Weißjura-Schottern entstanden ist. Bei einer Begehung mit Dr. Füldner fanden wir abgelagerte Schotterbänder der einstmals höher fließenden Ur-Echaz und konnten somit das Rätsel der enormen Sinterbildung lösen. Erklärung: * Kalksinter kann nur in Hohlräumen entstehen. Wasser (H2O) nimmt dabei aus der Luft oder im Boden Kohlendioxid (CO2) auf. Dieses kohlensäurehaltiges Wasser (H2CO3) löst in den Spalten und Ritzen, durch die es sickert, den kohlensauren Kalk (CaCO3) zu doppelsaurem Kalk Ca(HCO3)2 auf. Im Stollen, dessen Luft weniger Kohlensäure enthält, wird ein Teil der Kohlensäure ausgetrieben und das Wasser verdunstet. Jetzt wird der Vorgang rückgängig gemacht; es entsteht wieder einfacher kohlensaurer Kalk, der sich als Kalkspat ausscheidet. An Stellen, wo mehr Wasser durchrieselt, entstehen dicke Sinterschichten. Die Farben entstehen durch Einlagerungen u.a. von Metallen in den Kalkspat-Kristallen.

Der Frankonenkeller ist ein unbedingt schützenswertes Naturdenkmal und ein bedeutendes Forschungsobjekt für Geologen. Er ist auch als potentielles Quartier für Fledermäuse geeignet. Vielleicht noch erwähnenswert: Im Frankonenkeller wurde Dr. Egloff (Leiter des Kreiskrankenhauses), eine der vier 1945 an der Achalm erschossenen Geiseln, von den Franzosen festgenommen.

Fritz Krauß, Reutlingen

Tafel 7: Renaturierung und Nutzung

Im Jahr 1973 wurden in der Stadtverwaltung Reutlingen Pläne zur Verdolung der Echaz vom Tübinger Tor bis zur Lindachstrasse geschmiedet. Für den zunehmenden Autoverkehr wurde in der engen, traditionell gewachsenen Stadt eine Trasse für eine Hochstraße gesucht. Der Abwasservorfluter Echaz, der sich mal blau, rot, grün oder gar schwarz, teils schaumig, teils stinkig, durch die Hinterhöfe von Reutlingen wälzte, war ein Terrain, dem man sich nahezu gern mit dem Deckel näherte.

Durch den Bau von mechanisch – biologischen Kläranlagen und die Verbesserungen in der Stadtentwässerung hat man sich in den 80er Jahren jedoch wieder anders besinnen können. Aus der Echaz wurde wieder ein Bach. Die Landesgartenschau im Jahre 1984 gab schließlich den Ausschlag, sich auf den Wert eines Gewässers zurückzubesinnen und die Echaz mit ihren Ufern in diesem Bereich in eine Parkanlage um zuwandeln.

Die damaligen Visionen der Wasserwirtschaftler und Stadtplaner haben sich zwischenzeitlich erfüllt. Die Echaz gilt wieder als sauber (vgl. Tafeln 4 und 5). Der Fluss und seine Ufer sind als Grünraum wieder belebt von Mensch, Flora und Fauna.

Angestoßen durch dieses positive Vorbild wurden – und werden immer noch – im Stadtgebiet Reutlingen und seinen Vororten weitere Renaturierungsmaßnahmen, teils mit Landeszuschüssen, durchgeführt.

Durch sogenannte „Gewässerentwicklungspläne“ für die Echaz und andere Hauptbäche soll die Zukunft der Gewässer gesichert werden. Ziel ist, die weitere Gestaltung der Ufer unter Berücksichtigung der Stadtentwicklung   und Einbeziehung ökologischer Belange möglichst konfliktfrei festzulegen.

Durch den großen Zuspruch und den sicht– und messbaren Erfolg sind wir angespornt. Die Stadt Reutlingen wird sich auch zukünftig aktiv mit den Gewässern auseinandersetzen, um den weiteren Generationen ein Stück liebenswerte Heimat und urbangeprägte Landschaft zur weiteren „Nutzung“ zu übergeben.

Willi Bold, Reutlingen

Tafel 8: Mühlen an der Echaz

Im Rahmen des Lehrpfades entlang der Echaz nehmen die beiden Tafeln (Nr. 8 und 9) über die Gerber sowie über die Mühlen un die Ecahzfurt eine besondere Stellung ein. Hier geht es nicht um Naturphänomene, sondern sie tragen beide der Tatsache Rechnung, dass die Echaz für die Entwicklung der Stadt Reutlingen eminent wichtig war. Reutlingen ist mit der Echaz groß geworden, der Fluss war für das Leben der Menschen hier von ungeahnter Bedeutung. So wird darauf hingewiesen, dass die Königstraße, die durch das Echaztal führte, irgendwo auf der Höhe des Reutlinger Altstadtkerns den Fluss überquerte, lange bevor dann – wohl im Zusammenhang mit der Stadtgründung   - Brücken die Überfahrt erleichterten. Dies war ein wichtiger Faktor für den Standort der Stadt – auch in wirtschaftlicher Hinsicht; der neue, von Kaiser Friedrich I. um 1180 eingerichtete Markt in Reutlingen lebte von dem Handeslverkehr; der Handel erhielt durch die Stadtgründung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen mit Mauern und Tortürmen versehenen geschützten Rechtsbereich.

Als „Reichsstadt“ war Reutlingen kaiserlicher Stützpunkt gegen die aufkommenden Territorialherrschaften der Umgebung -   insbesondere die Pfalzgrafen von Tübingen, die Hohenberger, die Zollern und die Württemberger.

Als privilegierter Ort mit Marktrecht und vielen Gewerbetreibenden sorgte die Stadt auch für zusätzliche Steuereinnahmen.

Die Echaz lieferte der Stadt Wasser für die einst durch viele Straßen ziehenden Stadtbäche sowie für den zur Befestigung gehörenden Wassergraben, der um die ummauerte Stadt herum angelegt wurde.

Auf der ersten Tafel wird auch auf die Bedeutung der Mühlen an der Echaz verwiesen. Zusammen mit der ersten Erwähnung des Namens Reutlingen im Bempflinger Vertrag im Jahr 1089/90 werden hier erste Mühlen an der Echaz erwähnt. Ihr Stellenwert ergibt sich schon daraus, dass sie im Besitz der damals mächtigsten Herren der Gegend, der Achalmgrafen, waren und später an die Patrizier der Reichsstadt Reutlingen und and   die Stadt selbst übergingen. Die Mühlen nutzten die Kraft des Wassers als Antriebsenergie. Aber nicht nur Getreide – und Ölmühlen, Papier-, Säg – und Schleifmühlen etc. wurden mit Wasser betrieben. Im 19. Jahrhundert bewegten Mühlräder auch die ersten Maschinen der Industrialisierung: z.B. 1828 mechanische Spinnmaschinen oder 1842 dien erster mechanischer Wollwebstuhl.

Dr. Werner Ströbele, Heimatmuseum Reutlingen

Tafel 9: Gerber an der Echaz

Die Entwicklung eines der ältesten und wichtigsten Gewerbes in Reutlingen, das der Gerber, hing eng mit der Echaz zusammen. Bald nach der Stadtgründung werden die Gerber urkundlich genannt, sie gehören auch zu den ersten Handwerkern, die sich Ende des 13. Jahrhunderts in Reutlingen zu einer Zunft zusammengeschlossen. In dem Areal and der Echaz zwischen dem alten Feuerwehrspritzenmagazin und dem Tübinger Tor dominierten die Gerber. Hier standen ihre Wasserwerkstätten und lange auch etliche Wohnhäuser von Gerbern. Für sie war das Wasser zum Wässern und Reinigen der Felle unentbehrlich.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein nahmen die Lederwaren und gegerbten Tierhäute unter den Exportartikeln der Stadt eine Spitzenstellung ein. Die rohen Häute und Felle kauften die Handwerker aus dem Umland, aber auch aus Bayern und aus Oberschwaben bezogen sie Rohwaren. Die Gerber teilten sich bald auf in Rot – und Weißgerber. Während die Rotgerber hauptsächlich die Häute von Kühen und Rindern zu Leder verarbeiteten, gerbten die Weißgerber die Felle von Ziegen, Schafen, Schweinen und Wild. Auch in Reutlingen wurden die Leder von Sattlern, Kürschnern und Schuhmachern weiter verarbeitet. 1848 existierten noch 106 Rot – und 6 Weißgerbereien mit 126 beschäftigten Personen, eine Lohmühle mit 2 Gängen und eine Gerberwalke mit 10 Hämmern.

Ebenso wie aus etlichen Mühlen an der Echaz entwickelten sich aus dem Gerbergewerbe im 19. Jahrhundert industrielle Betriebe, lederverarbeitende Produktionen wie Schuh – und Treibriemenfabrikationen gesellten sich dazu.

Heute ist die Echaz renaturiert, beruhigt – ein rauschendes Bächlein fließt durch eine lauschige Umgebung. Das sichtbar Mühlrad ist nur noch Dekoration. Lediglich die noch funktionstüchtige Wegst`sche Sägemühle neben der alten Feuerwehr erinnert noch daran, dass die Echaz einst wirtschaftlich intensiv genutzt wurde.

Dr. Werner Ströbele, Heimatmuseum Reutlingen

Gesamtkonzeption Echaz Uferpfad: Roland Herdtfelder, Reutlingen

 

Gestaltung: Anton Geiselhart, Atelier für Baugestaltung, Reutlingen

 

 

 

 

Von den Tiefgaragen unter dem Rathaus oder von der Haltestelle Stdtmitte kommend überqueren Sie an der Fußgängerampel die Lederstraße. Sie stoßen direkt neben dem ehemaligen Feuerwehrmagazin (Backsteingebäude) auf die erste Übersichtstafel. Von dort gehen Sie in Richtung Osten an der Echaz flussaufwärts entlang, bis Sie an der Kreuzung Lederstraße/Lindachstraße wieder auf eine Übersichtstafel, dem Endpunkt des Echazuferpfades stoßen.

Vom Parkhaus Lederstraße aus gehen Sie entlang der Lederstraße in östliche Richtung bis Sie an der Kreuzung Lederstraße/Lindachstraße auf die Übersichtstafel soßen. Von hier gehen Sie den Echazuferpfad in entgegegesetzter Richtung nach Westen bis Sie beim ehemaligen Feuerwehrmagazin (Backsteingebäude) auf die Übersichtstafel stoßen. 

Keine besondere Ausrüstung notwendig.

Von Stuttgart, Tübingen oder Pfullingen kommend fahren Sie ins Zentrum von Reutlingen und parken im Parkhaus Lederstraße.
Am nächsten zum Ausgangspunkt ist das Parkhaus Lederstraße oder die Tiefgaragen unter dem Rathaus Reutlingen
Mit den RSV Stadtbuslinien an der Haltstelle Stadtmitte (Zentraler Omnibusbahnhof) austeigen. Von dort sind es ca. 5 Minuten bis zum Ausgangspunkt.