Hinweis:

Informationen zur Situation in Baden-Württemberg sowie Links mit offiziellen Informationen zu Covid-19 haben wir hier für Sie zusammengestellt

Brenzweg (wandernPLUS)

Themenweg

Der Brenzweg

Willkommen auf dem Brenzweg, der 2018 vom „wandernPLUS“-Team des Evangelischen Kirchenbezirks Nagold unter dem Motto „Pilgern im Nordschwarzwald“ entwickelt und gestaltet wurde.

Auf den nächsten ca. 14,5 Kilometern entlang unseres wandernPLUS-Zeiches, wünschen wir Euch allerbeste Erholung für Leib, Seele und Geist.

14 Impuls-Stationen laden Euch ein, den Reformator und Architekten der württembergischen Landeskirche JOHANNES BRENZ kennenzulernen, der zwischen 1548 und 1551 von den württembergischen Herzögen vor Kaiser Karl V. auf der Burg Hornberg versteckt wurde.

  • Typ Themenweg
  • Schwierigkeit mittel
  • Dauer 6:30 h
  • Länge 14,1 km
  • Aufstieg 380 m
  • Abstieg 383 m
  • Niedrigster Punkt 453 m
  • Höchster Punkt 704 m

Beschreibung

Station 1: Pavillon am Bernecker See

Bevor Ihr loslauft, nehmt euch kurz Zeit, Eure Muskulatur mit ein paar Dehnübungen zu lockern und dann wünschen wir euch einen guten Weg.

Geht mit einem Gebet in diesen Tag:

Mein Gott,

ich breche auf an diesem neuen Tag.

Ich freue mich auf diesen Weg, auf die Erfahrungen, die heute erwarten,

auf deine Schöpfung, die mich umgibt. 

In deinem Namen breche ich auf.

Begleite meine Schritte, Gebete und Gedanken.

Fülle mein Herz mit guten Gedanken.

Schenke mir deinen Segen. Amen.

Weitere Segensgebete findest du unter https://www.ekmd.de/asset/6R5MRbikRgmciZjK0UFdPg/70-05-pm-segenstexte.pdf

Wir grüßen euch mit dem Pilgergruß „Ultreia“ (auf geht’s, geht weiter, geht an eure Grenzen)!

Station 2: ca. 100m nach der Brücke

Gute Lebens-Aussichten hatte auch Johannes Brenz (im Folgenden mit „JB“ abgekürzt), der seinen Vornamen dem Johannistag am 24. Juni verdankt, an dem er 1499 in Weil der Stadt geboren wurde. Das Lebensmotto Johannes des Täufers „ER (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Die Bibel: Johannes 3,30) wurde zum roten Faden im Leben von JB. Da der Vater langjähriger Schultes und Richter der freien Reichsstadt war, hatten Johannes und seine zwei Brüder die besten Chancen für eine erstklassige Ausbildung.

„Blitzgscheid“ und voller Lerneifer nutzte Johannes diese Möglichkeiten: schon kurz nach Mitternacht stand er auf und lernte bei Kerzenschein weiter.  Auch später scheint der sensible Brenz immer wieder an Schlaflosigkeit gelitten zu haben.

Falls ihr in der Gruppe unterwegs seid, könnt ihr jetzt auch einen gewissen

„Lerneifer“ gebrauchen: nutzt doch den nächsten Kilometer, um einander zu erzählen, wie es euch gerade geht – was gut und was eher nicht so gut läuft.

Station 3: Hochsitz mit Blick auf das Köllbachtal

Wer mag, kann sich zum Lesen der folgenden Infos einen schönen Sitzplatz suchen – allerdings dürfen Hochsitze und „dgl. jagdliche Einrichtungen“😊 nicht betreten werden.

Wie unser aktuelles Wegstück, so war die Schulzeit von JB: geradlinig, schön - um nicht zu sagen einfach – und vor allem bewältigte er sie wesentlich schneller als ein durchschnittlicher Schüler: Gerade einmal 15jährig schrieb er sich am 13. Oktober 1514 als Joannis Printz de Wyla an der Universität Heidelberg ein. Er wird Mitglied der Schwabenburse und kann sein Grundstudium nach zwei Jahren mit dem Titel eines Bakkalaureus Artium abschließen. Für sein eigentliches Studium wählte er die für ihn höchste Fakultät, die Theologie, die er wieder zwei Jahre später mit der Magisterprüfung erfolgreich abschließen konnte.

Im selben Jahr kam es zu der entscheidenden Begegnung seines Lebens:

Am 26. April 1518, also ein halbes Jahr nach seinem Thesenanschlag und dem Beginn der Reformation, kommt Martin Luther nach Heidelberg, um sich und seine Überzeugungen einer öffentlichen Diskussion zu stellen. In der Heidelberger Disputation verteidigt und begründet Luther seinen Ansatz, dass ein Mensch allein aus Gnade im Vertrauen auf Jesus Christus und sein Evangelium Gottes Vergebung, einen offenen Himmel als Kind und Erbe Gottes erhält.

Durch diese Begegnung wurde aus dem jungen Johannes wirklich ein „Brenz“, der für die Reformation zu brennen begann. Noch einige Tage und Nächte diskutierten JB und andere junge Theologen mit Martin Luther in einem Gasthaus weiter. Eine Freundschaft entstand, die ein ganzes Leben Bestand haben sollte.

Schon 1520 wird Brenz Vikar am Heidelberger Heiliggeiststift. Und eines wird sowohl in seinen Vorlesungen als auch in seinen Predigten deutlich: Dieser Brenz liest und predigt das Wort Gottes anders, nämlich evangelisch! Und das wird zunehmend gefährlich. Ein Jahr später erging am 8. Mai 1521 gegen Luther und seine Anhänger das Wormser Edikt und damit das Verbot der Lektüre und Verbreitung der Schriften Luthers.

Der pfälzische Kurfürst, in dessen Gebiet Heidelberg lag, hatte bereits ein Verbot für evangelische Lehrtätigkeit erlassen – und das zielte vor allem auf den jungen Magister Brenz. Als diesem von der freien Reichsstadt Schwäbisch Hall mit der Prädikatur an St. Michael  eine spannende Projektstelle in Sachen Bildung und Glaube angeboten wurde, fiel dem inzwischen zum Priester geweihten JB daher die Entscheidung zum Wechsel leicht: 26 Jahre lang nutzte er seinen Einfluss, um die Reichsstadt Schwäbisch Hall mit der ihm eigenen Sensibilität und Umsicht zu reformieren.  

Mein Mann für das Feine, so wurde er von Martin Luther genannt: Vorsichtig gab er dem Gottesdienst – der Predigt, der Taufe und dem Abendmahl - ein neues, evangelisches Gesicht. Wo er konnte, verhinderte er den anderswo tobenden „Bildersturm“ (also die Zerstörung von Heiligenbildern), weil er meinte, dass es besser sei, wenn die jungen Burschen während der Predigt die Bilder ansehen und nicht die Jungfrauen als lebendige Götzen angucken.

Schon bald war er auch über Schwäbisch Hall hinaus ein wichtiger (wenn nicht der ) theologischer Botschafter Martin Luthers bei den großen Reichstagen und theologischen Auseinandersetzungen.

Auch von seiner (bildungs-)politischen Gabe machte er reichlich Gebrauch: Noch vor Martin Luther veröffentlichte JB seinen Katechismus, eine Kurzanleitung in Sachen Christsein.  In weit über 500facher Auflage erschienen und in mindestens 14 Sprachen übersetzt, wurde er nicht nur das „württembergische Konfirmandenbüchlein“, sondern vielmehr eine, wenn nicht die Bekenntnisschrift Württembergs.

Schon in der Haller Kirchenordnung ordnet er den Schulunterricht für alle – also auch für Mädchen - an, denn wer lesen, rechnen und schreiben kann, ist frei und die Jungen seien die besten zukünftigen Mauern einer Stadt. Er warnte die Reichen und Fürsten vor zu hohen Steuern und richtete Armenkassen ein … und vieles mehr. Und auch das darf nicht vergessen sein: Mit seiner Heirat im Dezember mit Margarethe Gräter vollzog JB auch persönlich den Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und dem Zölibat: fünf Töchter und ein Sohn gingen aus dieser ersten Ehe hervor. Kurzum: JB lebte geradlinig … irgendwie erfolgreich. Es war eine rundum gute Lebensgeschichte. Doch es sollte bald anders kommen. Jetzt aber erst einmal der gute Weg:

Wir laden euch ein, dieses Wegstück einmal ganz für euch allein und schweigend zu genießen: Lasst euren Gedanken Zeit, Gutes zu denken:

  • Was wurde mir an Gutem, an Gaben in die Wiege gelegt?
  • Wo habe ich in meinem Leben gerade, angenehme, leichte Wegstücke erlebt?

Lasst deswegen am besten so viel Platz zu euren Mitwanderern wie es für eure Konzentration  gut und hilfreich ist. … manchmal tut es auch gut, laut zu denken!

Francis Bacon: Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.

Station 4: Zu Beginn des Zickzackweges hinunter zum Köllbach

Hier beenden wir zunächst unser Schweigen. Wer möchte kann gerne etwas trinken.

Jetzt steht ein anderer, nicht ganz so einfacher Weg vor uns:  Es geht abwärts zum Köllbach, den wir überqueren müssen und dann wartet der steile Aufstieg zur Burg Hornberg mit 100 und noch einmal fast so vielen Höhenmetern nach Hornberg auf uns.

Wie und warum auch JB im übertragenen Sinne solche Wege – abwärts, mit Hindernissen - gehen musste, dazu wollen wir uns nach dem Überqueren des Köllbachs Zeit nehmen. 

Station 5: Am Köllbach

Das Jahr 1546 markierte für JB einen tiefen Einschnitt:  Wenige Wochen nach Martin Luthers Tod (18.2.1546) zog Kaiser Karl V.  gegen die im schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen protestantischen Reichsstände in den Krieg und schlug diese vernichtend.

Das Heer von Karl V. zog auch in Schwäbisch Hall ein:  Horrende Strafgelder, die Quartierlast, Plünderung, Mord und eine miteingeschleppte Seuche bringen die Haller in große Not. Brenz, selbst beinahe ermordet, soll zwar vor dem Kaiser eine Predigt gehalten und von ihm "gnädig" behandelt worden sein, doch auch sein Haus wird geplündert.

Als belastende Dokumente dem Kaiser verfälscht wiedergegeben werden, muss Brenz ein erstes Mal aus der Stadt fliehen. Im Januar 1547 kann er noch einmal zurückkehren. Weitaus gefährlicher wurde die Lage aber, als am 15.05.1548 Karl V. im sogenannten Augsburger Interim die sofortige Rückkehr zum alten Glauben und Gottesdienst forderte. Dieses Reichsgesetz sollte gelten, bis ein Konzil, also eine große Glaubenskonferenz, einen endgültigen Beschluss über diese Glaubensfragen fassen würde.

Brenz wehrte sich, predigte, ließ Flugschriften drucken und bezeichnete das „Interim“ (Zwischenzustand) als „interitus“ (Untergang)! Das wiederum wollte und konnte sich der Kaiser nicht bieten lassen: Er forderte den Haller Stadtrat auf, JB gefangen zu nehmen. Die Haller Räte gaben schließlich dem Druck nach. Ausgerechnet an seinem 49. Geburtstag muss Brenz für immer aus der Stadt fliehen. Zum Glück wurde er gerade noch rechtzeitig  durch einen aus der Ratssitzung geschmuggelten Zettel gewarnt:

 „Domine Brenz, cito fuge, fuge!“ "Herr Brenz, fliehe schnell, fliehe!“

Ohne Abschied von seinen Kindern und seiner todkranken Frau, die JB nicht mehr wiedersehen sollte, kann Brenz in buchstäblich allerletzter Minute über die Stadtmauer aus Schwäbisch Hall nach Württemberg fliehen.

Damit beginnt für ihn eine zweieinhalb Jahre dauernde Flucht, die ihn wahrscheinlich im Herbst 1549 auf die Burg Hornberg führte - getrennt von der Familie, ständig vom Tod bedroht und dennoch getragen von seinem Glauben.

Wie gesagt, auch auf euch wartet jetzt ein steiler Aufstieg – eben zu der Burg, die JB während seiner Flucht zur Zuflucht wurde, die Burg Hornberg!  

Wir laden euch ein, auf diesem Wegstück eine im besten Sinne „wohltuende“ Methode auszuprobieren: Achtet auf eure Atmung. Konzentriert euch auf das Ausatmen! Denn wer beim Anstieg kurzatmig wird, hat meist zu wenig ausgeatmet.

Auch unsere Seele benötigt dieses Ausatmen: Versucht doch einmal mit jedem Ausatmen, all das leise oder laut „auszuatmen“, was euch besonders drückt, was so ganz oben auf liegt.

„Gebet ist das Atmen der Seele!“ Meister Eckhart, mittelalterliche Theologe und Philosoph.

Station 6: Burg Hornberg

Glückwunsch, ihr habt den steilsten Aufstieg des Brenzweges geschafft und habt euch eine Trinkpause verdient.

Infos zur Burg:

Sowohl Ort wie auch Burg wurden von den Grafen von Calw nach einer Rodung des Gebietes im 11. und im 12. Jahrhundert gegründet. Erbaut wurde die Anlage von den Lehensherren von Calw, den Herren von Fautsburg. Ein Herr Heinrich von Hornberg wird im Jahre 1252 urkundlich erwähnt. Durch Fehlwirtschaft blieb das Geschlecht aber nicht lange im Besitz ihrer Ländereien, so dass es zum Verkauf der Güter an die Grafen von Baden und die Grafen von Württemberg kam. 1399 starben die Hornberger aus und der Besitz ging vollständig an die beiden Grafschaften, die sich die Ländereien teilten.

1548 diente die Burg dem Reformator Johannes Brenz als Versteck. Anschließend verfiel die Burg. 1603 wird die Anlage urkundlich mit dem Verkauf an Württemberg als Ruine bezeichnet. Erhalten geblieben sind Reste der Umfassungsmauern, des Bergfrieds und die Grundmauern des Palas. 1958 wurde der Bergfried wiederaufgebaut. Kurze Zeit später kam es durch das Land Baden-Württemberg bis 1971 zum Aufbau weiterer Gebäude, die durch die Landesforstverwaltung genutzt wurden. Anschließend wurde die Burg zu einem Waldschulheim umfunktioniert. 1993 renovierte man die Anlage.

Quelle: burgenarchiv.de

Hier fand JB äußerliche Sicherheit, einen Ort der Zuflucht. Es war zudem ein wunderbar schlaues Versteck, weil diese Burg sowohl Baden als auch Württemberg gehörte. Durch einen einfachen „Kammerwechsel“ hätte sich JB vor den jeweiligen Verfolgern in Sicherheit bringen können.

JB lebte hier als Burgvogt Ulrich Engster . Dieser Name war einer Ableitung seines Gelehrtennamens Huldrych Encausticus: Huldreich als Übersetzung des hebräischen Johannes, Gott ist gnädig, und Encausticus, griechisch „angebrannt“, für Brenz. Die Burg Hornberg wurde zu „Wartburg“! von JB.

Wie man seinen Briefen entnehmen kann, lebte er zwischen 1548 und 1551 für ca. eineinhalb Jahre hier auf der Burg Hornberg mitten in der Einöde, zwischen Bergen und Wäldern, zwischen Klüften und Steinen.

Was er hier tat? Jedenfalls nicht das, was Vögte so zu tun pflegten! Schon bald wunderte sich der Müller der am Fuße der Burg liegenden Baiermühle, dass der neue Vogt weder saufe noch fluche, nicht spiele noch hure!  

Offiziell war er als Vogt für die Ländereien und die Jagd zuständig, und es musste wohl für Jagdgesellschaften am Hofe das Wild Richtung Stuttgart getrieben werden. Dennoch war all das nur ein Deckmantel für seine theologische Arbeit, die er auch auf der Burg Hornberg nicht ruhen ließ. So entstanden hier beispielsweise sein Katechismus mit Erklärungen (700 Seiten, in sieben Auflagen erschienen) und sein Kommentar zum Propheten Jesaja.  

Die Zusage des Herzogs, als Stuttgarter Stiftsprobst Cheftheologe Württembergs zu werden, hatte er quasi schon in der Tasche, was auch nach dem Tod Herzog Ulrichs 1550 unter dessen Sohn Christoph so blieb!

Immer wieder wagte JB auch kurze Reisen, z.B. um seine verwaisten Kinder zu sehen … oder um ein zweites Mal zu heiraten: Nämlich Katharina, die Tochter seines Haller Kollegen Johann Isenmann, die ihm weitere 13 Kinder zur Welt brachte. Zu seiner zahlreichen und bedeutenden Nachkommenschaft gehören so namhafte Vertreter und Vertreterinnen wie  Johann Albrecht Bengel, Ludwig Uhland, Wilhelm Hauff, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ottilie Wildermuth, Hermann Hesse, Bert Brecht, Dietrich Bonhoeffer oder die Familie von Weizsäcker.

Schließlich war seine lange Flucht zu Ende. Endlich gab‘s den JB wieder namentlich (nicht nur als „der deinige, den du kennst“ wie JB in Briefen seinen Namen umschrieb): Durch den sogenannten Reichsabschied vom 13.02.1551 kam die „protestantische Sache“ auf die Tagesordnung des Trienter Konzils!

Fieberhaft bereitet JB das Württembergische Bekenntnis (die Confessio Virtembergica) vor, das wieder einmal die ganz eigene Handschrift von JB trägt:

Es ist das einzige der reformatorischen Bekenntnisse, das einen eigenen Artikel zur Bibel enthält. Dafür enthält es keinerlei Verdammungsurteile: Es sei im Streit besser, das Gemeinsame statt das Trennende zu suchen!

Zwar blieb das Konzil von Trient ergebnislos, doch in der Berufung darauf, ein ordentliches Bekenntnis vorgelegt zu haben, ordnet Herzog Christoph am 30.06.1552 die Rückkehr zur Reformation, d.h. die völlige Abschaffung der Messe an!

JB wurde am 10.01. 1553 zum Probst und Pfarrer der Stuttgarter Stiftskirche ernannt. Endlich hatte er für sich und seine große Familie wieder einen festen Wohnsitz in der Propstei. Während sich JB daraufhin nach Stuttgart aufmachte, um als neuer Stiftsprobst an der Seite von Herzog Christoph die württembergische Landeskirche zu entwerfen und nach Herzenslust und frei evangelisch zu predigen, machen wir uns jetzt auf nach Hornberg … in die dortige Hornberger Kirche!

Wir gehen also einen Weg, den JB sicher oft ging - zwar nicht, um dort zu predigen, sondern um als Burgvogt pflichtschuldigst die Gottesdienste des Zwerenberger Pfarrers zu besuchen.

Station 7: Hornberger Kirche

Damit euch die Kirche offensteht, nehmt bitte vor  eurer Tour Kontakt mit dem Mesnersehepaar  Hildtraud und Wilhelm Moos (rechts neben der Kirche) auf:  Wilhelm.Moos@t-online.de / Tel. 07453-7828.

Hier bekommt ihr euren ersten Stempel für euren Pilgerpass! 

Einige Infos zur Hornberger Kirche:

Die Hornberger Kirche wird bereits am 25. November 1368 in einer Urkunde des Klosters Reuthin als Kapelle „Unserer Lieben Frau" erwähnt. Sie war wohl eine Stiftung der ortsansässigen Herren von Hornberg als deren Eigenkirche. …

Bemerkenswert sind die zwei gotischen Spitzbogenfenster mit Maßwerk in der Südwand. … Im Jahr 1973 wurde die Hornberger Kirche nach  zweijähriger Bauzeit und Renovierung wiedereingeweiht. … Im Eingangsbereich wurde ein Saal mit Sakristei und Empore angebaut. Seitlich wurden Kunstglasfenster eingesetzt und das Ostfenster wurde von Wolf-Dieter Kohler aus Stuttgart gestaltet. Es stellt die Verklärung Christi dar, der seine Hände segnend ausbreitet. im Bild oben sind Mose und Elia zu sehen, die Jesus auf seine Passion vorbereiten.  Unten im Bild stehen Johannes, Jakobus und Petrus, die ihren Herrn auf den Berg der Verklärung  begleiten. Farblich ist das Bild in drei Teile aufgeteilt:

grün als Symbol für die Erde, rot, die Farbe der Kirche und blau als Sinnbild für den Himmel. An der Ostwand wurde das Bruchsandsteinmauerwerk freigelegt und neu befestigt. Quelle: Ausliegender Kirchenführer der Kirchengemeinde

In dieser Kirche lauschte der geflüchtete Haller Reformator Brenz, der Burgvogt Ulrich Engster, dem Zwerenberger Dorfpfarrer. Er tat das anscheinend recht ausgiebig: Es wird berichtet, dass der Zwerenberger Pfarrer die diesbezügliche Kritik des „Vogtes“ mit der Bemerkung vom Tisch gefegt habe, man wisse ja, dass Vögte nicht gerne in der Kirche, aber umso länger im Wirtshaus sitzen wollen. Doch als JB ihn während einer schweren Krankheit besuchte und mit eigenen Predigten tröstete, habe er seinen Irrtum schnell erkannt.

Dieser Burgvogt war einer, über den der württembergische Herzog seine Hand hielt und dem er für die Zeit nach dem „Interim“ den Posten des Cheftheologen Württembergs anbot. Und das war sicher gut so, denn JB war ein gefragter Mann – europaweit – mit  Angeboten von Magdeburg, Preußen, ja sogar von Dänemark und England.

Noch aber war und blieb seine Lage gefährlich, so dass er nur mit größter Vorsicht in der Öffentlichkeit agierte. Sein Briefstil war geradezu konspirativ: 

Namen und Orte deutete er nur an oder umschrieb sie, um nichts und niemanden, am wenigsten sich selbst, zu verraten. So nennt er beispielsweise Herzog Ulrich seinen „Abdias“ - nach Obadja, dem Hofmeister des biblischen Königs Ahab. Dieser Obadja hatte seiner Zeit die Propheten des Herrn versteckt, denen der König nach dem Leben trachtete (1. Kön. 18,4) - wie eben JB vom Kaiser bedroht und von seinem „Abdias“, dem Herzog versteckt wurde.

Ein weiterer Berührungspunkt zum Leben des Propheten Elia ergab sich, als JB während seiner Hornberger Zeit inkognito nach Stuttgart reiste, um Kontakt zu seinen nach dem Tod seiner Frau verwaisten Kindern herzustellen: Dort angekommen, erfuhr er, dass der Kaiser eine Hausdurchsuchung angeordnet habe. Schnell musste er sich einem Dachboden verstecken. Und da kommt solch ein Ei ins Spiel:  Wurde der Prophet Elia am Bach Krit durch die Raben versorgt (1. Könige 17,2-6), so soll JB auf diesem Dachboden von einer Henne versorgt worden sein, die ihm täglich ein Ei gelegt habe. 

Wir laden euch nun ein, euch auf eurem Weg zur Mittagspause einmal an ähnliche Erlebnisse zu erinnern: 

  • Wo habe ich in meinem Leben unerwartet Hilfe oder Unterstützung erlebt?
  • Für welche „Elia-Erfahrungen“, ob das nun Dinge oder Menschen waren, kann ich dankbar sein?

Wer zufällig in seinem Lunchpaket ein Ei hat, kann das gerne als „Denk-mal“ in die Hand nehmen – dann fällt die Konzentration wesentlich leichter:)!

8.Station: Spiel- und Grillplatz „Zur Eiche“

Jetzt ist Gelegenheit, Pause zu machen!

Alle, die in der Gruppe unterwegs sind, laden wir ein, falls noch nicht geschehen von ihrer „Eiererfahrung“ zu erzählen und sich anschließend Ihr Vesper samt Ei schmecken zu lassen.

9. Station: Hornberger Eiche

Jetzt ist Gelegenheit, Pause zu machen! Alle, die in der Gruppe unterwegs sind, laden wir ein - falls noch nicht geschehen -, einander von ihren „Eiererfahrungen“ zu erzählen und sich anschließend ihr Vesper samt Ei schmecken zu lassen.

Sicher habt ihr bereits diesen einmaligen und wundervollen Baum bestaunt! Diese „Alte Traubeneiche“ ist ca. 450 Jahre alt und könnte am Ende des 30jährigen Kriegs, vielleicht als Friedenseiche, gepflanzt worden sein. Mit ihren 5,5m Umfang, 25m Kronendurchmesser und mindestens so breitem Wurzelwerk ist sie die eindrucksvollste Eiche im ganzen Landkreis.

Auch Psalm 1 malt uns das Bild eines gesunden Baumes vor Augen, der am Wasser gepflanzt gute Früchte bringt, und vergleicht ihn mit einem Menschen, der begeistert Gottes Wort liest und danach lebt: „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,  der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ Psalm 1,3

JB war so ein fest verwurzelter Baum: Was er an Flucht und Kränkung erlebte, konnte ihn nicht umwerfen, weil er gute Wurzeln hatte!  Johannes Brenz fand seinen Halt - auch in unsicherer Zeit - in Gottes Wort. So beschäftigte er sich z.B. in seiner Hornberger Zeit mit den kernigen und motivierenden Worten des Jesajabuches und schrieb einen eigenen Kommentar dazu.

Bevor ihr weitergeht, möchten wir euch einladen, einige Minuten unter dieser Hornberger Eiche Platz zu nehmen und die abgedruckten Worte und Gedanken aus dem Propheten Jesaja zu lesen und auf euch wirken zu lassen.

Vielleicht wählt ihr euch einen der Bibelverse als Begleiter für die nächsten Kilometer (oder die nächsten Tage😊) auf dem Weg bis zum Wäschbrunnen im Zwerchbachtal.

  • Das Gras verdorrt, die Blumen verwelken, aber das Wort unseres Gottes bleibt gültig für immer und ewig. Jes. 40,8 (L)
  • Den Erschöpften gibt er neue Kraft, und die Schwachen macht er stark. Jes.40,29(L)

  • Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit. Jes. 41,10 (L)

  • Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.  Jes. 54,10 (L)

  • Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! … Sucht den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist.  Jes. 55,1.6 (L)

  • Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Jes. 66,13 (L)

10. Station: Wäschbrunnen

Ein besonderer Brunnen für besondere Zeiten: Der Wäschbrunnen war …

  • letzte Reserve für Hitze- und Trockenzeiten;
  • Wasserstelle und Waschplatz, wenn die Brunnen und Zisternen in Hornberg oder Zwerenberg ausgetrocknet waren;
  • ein Lebensort, Überlebensort – so wie es die Burg Hornberg für JB war; so wie die Beschäftigung mit Gottes Wort und das Gebet Kraftquellen für ihn waren.

Viele Autoren der biblischen Bücher teilen diese Erfahrung:

  • Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,6
  • Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser!  Jesaja 55,1

Es war und ist ein, wenn nicht der Grundansatz des evangelischen Glaubens, dass wir Gottes Gnade, einen offenen Himmel, also LEBEN, nicht anders als umsonst geschenkt bekommen. Dieser Botschaft hat JB sein Leben gewidmet!

Eines Tages besuchte ein Freund und Kollege einen Gottesdienst, den Johannes Brenz in der nur sehr schwach besetzten Stuttgarter Stiftskirche hielt. Darauf angesprochen, führt JB den Pfarrer zu einem Brunnen und sagt : ‚Der Brunnen gibt stets Wasser, ob nun viele oder wenige aus ihm schöpfen. Genau so müssen wir Diener des göttlichen Wortes es machen!‘

Wir laden euch ein, eure Wasserflaschen mit dem kühlen und klaren Wasser des Wäschbrunnens zu füllen! Und dann geht’s zum letzten Aufstieg nach Zwerenberg!

Beim Aufstieg werdet ihr den ehemaligen „Totenweg“ überqueren, auf dem die Verstorbenen des Kirchspiels Ebhausen (z.B. Zwerenberg, Hornberg, Aichhalden, Aichelberg, Enzklösterle …) außerhalb der Ortschaften zur Beisetzung auf geweihtem Boden nach Ebhausen gebracht wurden. 

11. Station: Zwerenberger Kirche

Damit euch die Kirche offensteht, nehmt bitte vor  eurer Tour (nach Möglichkeit dienstags!) Kontakt mit dem Ev. Pfarramt auf:  Pfarramt.Zwerenberg@elkw.de / 07055 7333. Hier bekommt ihr euren zweiten Stempel für euren Pilgerpass!

Infos zur Kirche: Die Kirche Zwerenberg befindet sich in einem kleinen Dorf mit ca. 450 Einwohnern. Ihr staunt wahrscheinlich über das große Bauwerk, eine Dorfkirche, die 600 Sitzplätze aufweist. Zwerenberg ist der Mutterort des gleichnamigen Kirchspiels, zu dem außerdem die Ortschaften Aichhalden-Oberweiler, Gaugenwald, Hornberg und Martinsmoos zählen. Die Zwerenberger Kirche ist eine schlichte zweckmäßige Hallenkirche und Eigentum des Landes Baden-Württemberg. … Im Jahr 1955 wurde die Kirche im Innern grundlegend renoviert …. Durch den Einzug zweier Wände und die Erhöhung um drei Stufen entstand an der Südseite der Chorraum. Auch strömt jetzt mehr Tageslicht in die Kirche, und gerade die Helligkeit und Weite des Raumes gibt ihr eine freundliche Note. Quelle: „Zwerenberg – 150 Jahre Kirche * 500 Jahre Kirchspiel“

Setzt euch in der Kirche so, dass ihr das Altarbild gut auf euch wirken lassen könnt.

  • Wo bleiben deine Augen hängen?
  • Was spricht dich an?

Wir haben viele Höhenmeter, einen steilen (Brunnen)Weg bewältigt, um hierher in die Kirche zu kommen.  Als JB 1553 zum Stiftsprobst in Stuttgart ernannt worden war, um an der Seite von Herzog Christoph die Reformation Württembergs und die Evangelische Landeskirche Württemberg zu entwerfen, hatte auch er einen „steilen“ Weg hinter sich gebracht. Auch das Altarbild des Stuttgarter Künstlers Wolf-Dieter Kohler (1959)  zeigt einen steilen, harten Weg, der doch zu einem Brunnenweg wird: Es ist der Weg des Menschen vom verlorenen Paradies -Versuchung, Fall und Tod- auf der linken Seite,  bis zum Sieg über den Tod – die Siegesfahne hat den Tod und die teuflische Schlange durchbohrt – auf der rechten Seite. Der Weg zum Sieg aber geht nur über das Kreuz Christi. Darum zeigen sowohl die Hand Gottes des Vaters als auch die Taube des Heiligen Geistes auf das Kreuz!  Jesus leidet und stirbt für uns. Diese Liebe ist stärker als der Tod. Hier beginnt das Leben neu. So steht neben dem Baum der Erkenntnis, dem Ort des Todes, das Kreuz als Baum des Lebens, von dem die Quelle des Lebens entspringt. So gibt das Bild stumm aber eindringlich die Botschaft Jesajas weiter: Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Jesaja 55,1

Wer in der Kirche sitzt, der kann sehen, auf was der Auferstandene seinen Blick richtet: Auf die Kanzel! Sie soll der Ort sein, an dem die Gottesdienstbesucher aus der Quelle des lebendigen Wortes Gottes schöpfen können.

Ein Bild, das auch von JB gemalt sein könnte. Er war und blieb zeitlebens ein leidenschaftlicher Prediger – nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern auch an den Werktagen, an denen er - ganz modern -  Gottes Wort in „Serie“ predigte!

Als JB am 10. September 1570 in Stuttgart starb, wurde er wunschgemäß unter der Stiftskirchenkanzel beerdigt. Jakob Andreä, dem Kanzler der Tübinger Universität und Weggefährte von JB, hatte JB einmal mit einem Augenzwinkern anvertraut: Hier wolle er darüber wachen, dass von dieser Kanzel für immer die wahre biblische Lehre verkündigt werde. Sollte das nicht geschehen, dann käme er heraus und würde dem Prediger zurufen: „Du lügst!“. Zu Recht kann man darum bis heute den Wahlspruch der Reformation an der Außenwand der Stiftskirche lesen: VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM - Gottes Wort bleibt in Ewigkeit!

12. Station: Ausblick auf die Schwäbische Alb

An dieser Stelle wollen wir nicht nur den Aus- und Weitblick auf die Schwäbische Alb genießen, sondern auch den Weitblick, den - im besten Sinne – „politischen“ Gestaltungswillen, der JB auszeichnete: Nach all den z.T. stressigen und demütigenden Jahren der Flucht zog er sich nicht zurück, sondern nutzte seine Möglichkeiten, um ‚der Stadt Bestes zu suchen‘ (Jeremia 29,7).

Sein Amtszimmer in der Alten Kanzlei war dazu mit einem äußerst hilfreichen Kommunikationsmittel ausgestattet: Einer Brücke, die ihn ohne lästige Vorzimmer direkt ins Schloss zum Herzog brachte. Aus dieser engen Zusammenarbeit resultiert die „Große württembergische Kirchenordnung“ von 1559, die nicht nur Württemberg, die Württembergische Landeskirche, auf ein gutes, tragfähiges Fundament stellte, sondern auch weltweit Nachahmer fand. Einige Beispiele für den Weitblick, mit der diese Kirchenordnung unterwegs war:

  • sie ordnete Schulpflicht für alle an
  • in Glaubensfragen sollte es (anders als noch im Augsburger Bekenntnis) keine Verdammungsurteile, keine Gewalt geben: Wer beispielsweise der „Hexerei“ angeklagt sei, brauche einen Pfarrer oder einen Arzt, aber keinen Henker!
  • in allen Kirchengemeinden sollen „Armenkästen“ eingerichtet werden, aus dem die Bedürftigen versorgt werden konnten.

Letzteres zeigt, dass für JB ganz biblisch die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten zusammengehören wie die zwei Seiten einer Münze.

Apropos Münze:

Damit nicht alle Armen aus ganz Europa z.B. in Ebhausen vorbeikamen, wurde den ortsansässigen Armen eine Blechmarke ausgehändigt, mit der sie bei ihrem „Heiligenpfleger“ (so die damalige Bezeichnung des heutigen „Kirchenpflegers“, der die Finanzen einer Kirchengemeinde verwaltet) eine Unterstützung bekommen konnten. Das war nicht nur die Geburtsstunde für die württembergische Diakonie, sondern auch für den urschwäbischen Ausdruck „Heiligs Blechle!“ Diese ersten Sozialkassen waren die Konsequenz der evangelischen Variante der Heiligenverehrung von JB: Mit Geld, Hilfe oder anderem sollen die jetzt lebenden Heiligen verehrt werden, … arme, bedürftige, unterdrückte Leute!

Wenn der Vorrat nicht verbraucht ist, wartet in der Laurentiuskirche Berneck euer eigenes  Heiligs Blechle mit dem „wandernPLUS-Symbol“ auf  euch – als Erinnerung an den Brenzweg UND als Motivation, darüber nachzudenken,  wer vielleicht auf deine Hilfe wartet - sprich, welchen lebenden Heiligen du verehren kannst😊!

13.Station: Schildmauer

Ihr seid fast am Ziel! Nehmt euch einen Augenblick Zeit, diese beeindruckende Schildmauer zu bestaunen, die das Bernecker Schloss im Mittelalter fast uneinnehmbar machte. Sie ist ein starkes Bild für die Geborgenheit, die JB nicht nur in seiner Zuflucht, der Burg Hornberg fand, sondern vor allem in seinem Glauben an den lebendigen Gott – so wie es bereits der Beter des 91.Psalms erfahren hatte:

Gottes Wahrheit ist Schirm und Schild, dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt …  Der HERR ist deine Zuflucht.  Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen … .

Zuflucht, Schild und Burg sind nicht nur bis heute starke Symbole, sie blieben es auch im Leben des Stiftsprobstes Johannes Brenz: Viele Jahre konnte er mit der Fautsburg im oberen Enztal ein Ritterlehen sein Eigen nennen.

Machen wir also (in Gedanken) ein Selfie mit uns und der Schildmauer und denken daran: Auch wenn uns so manches in den Rücken fällt, Pfeile auf uns abgeschossen werden und wir eine Burg brauchen: Gott ist unsere Zuflucht – er ist nie weiter von uns entfernt als ein Gebet!

14.Station: Evang. Laurentiuskirche Berneck

Willkommen am Ziel unseres Nordschwarzwälder Pilgerweges - in der Evangelischen Laurentiuskirche.

Wie ihr dem Aushang an der  Kirchentür entnehmen könnt, kann man den Kirchenschlüssel  im benachbarten Pfarrhaus (Kirchgasse 12) erhalten.

Hier bekommt ihr euren dritten Stempel für euren Pilgerpass und euer „Heiligs Blechle“!

Sucht euch einen Platz, an dem ihr euch wohl fühlt und genießt einige stille Augenblicke in der Kirche.

Wenn ihr noch Zeit und Muße habt, dann nehmt euch das ausliegende Faltblatt zur Geschichte der Kirche mit und lasst diesen Ort und seine Geschichte auf euch wirken.

Einige wenige Infos zur Kirche: Die seit der Einführung der Reformation Evangelische Laurentiuskirche  Berneck wurde im 11. Jahrhundert im  romanischen Stil erbaut.  Im Jahr 1661 teilweise abgebrannt, ist sie seit 1753 in der heutigen Gestalt wieder in Gebrauch genommen worden. Sehenswert: Rechts des Haupteingangs ist das Grabmal der Freifrau von Gültlingen aus dem Jahre 1570 zu sehen. Links des Haupteingangs ist das Grabmal des Freiherrn Peter von Gültlingen und seiner Gemahlin. Die Freiherren von Gültlingen haben ihren Sitz im oberen und unteren Schloss. Im Chorraum steht rechter Hand der Taufstein aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. In der Bearbeitung des Steines sind gotische und germanische Stilelemente verbunden worden. Von großer Bedeutung ist die aus Lindenholz geschnitzte Pieta. in der kleinen Wandnische. Sie entstammt der Eriskirchener Schule und wurde im Jahre 1420 geschaffen. Das gotische Sakramentshäuschen, auch Tabernakel genannt, stammt aus dem Jahre 1490. Leider fehlt der rechte Teil des Maßwerks. Rechts davon sind die Umrisse eines älteren Sakramentsschreins zu sehen. Er gehört zum ältesten Teil der Kirche zusammen mit dem angedeuteten romanischen Fenster an der dem Haupteingang gegenüberliegenden Wand.

Auf der linken Chorseite ist das Grabmal des Balthasars von Gültlingen und seiner Gemahlin Agnes aus dem Jahre 1563 zu sehen. Dieser Ritter war mit dem württembergischen Reformator Johannes Brenz befreundet. In seiner Stellung als Landhofmeister des Herzogs war er an der Einführung der Reformation in Württemberg maßgeblich beteiligt. Bei den Renovierungsarbeiten 1965 wurden die um 1490 entstandenen Fresken wiederentdeckt. Links vom Kruzifix sind alttestamentliche Geschichten dargestellt: Oben die Bewirtung Abrahams durch den König Melchisedek (1. Mose 14, 18 ff.) und darunter die Opferung Isaaks (1. Mose 22). Beide Szenen sind Hinweise auf Jesus Christus, den für uns am Kreuz geopferten Sohn Gottes, Hohenpriester (Mittler) und König. Seine Geschichte ist auf der rechten Seite mit der Geschichte von der Geburt und der - allerdings nur als kleines Fragment erhaltenen - Anbetung der Könige dargestellt.

Die Leibung des linken Chorfensters zeigt auf der rechten Seite den Märtyrer und Namenspatron der Kirche Laurentius (gest. 258) mit dem Rost, auf dem er seine Todesqualen erlitten hat. Auf der linken Seite zeigt die Leibung Christophorus, der den Christusknaben durch das Wasser trägt.  … Quelle: vgl. ausliegender Kirchenführer der Ev. Kirchengemeinde Berneck

Der Kreis schließt sich: Unser Brenzweg ist hier an seinem Ziel- und Ausgangspunkt! Wie oben schon erwähnt war Balthasar III. von Gültlingen als Landhofmeister des Herzogs nicht nur mitverantwortlich, dass Brenz vor seinen Verfolgern auf der Burg Hornberg versteckt werden konnte, sondern auch, dass sich später sein persönlicher Traum von einer eigenen Burg mit der Fautsburg im oberen Enztal erfüllte.

Wir hoffen, ihr hattet einen guten, erlebnis- und erfahrungsreichen Weg, den ihr nun abschließen könnt – so wie es euch gerade guttut …

… mit einem Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung,sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft  und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

… mit einem Segensgebet

Gott, segne mich und behüte mich, gib mir deinen Frieden. Amen.

… mit dem Liedvers

„Meine Hoffnung und meine Freude“, den ihr in den ausliegenden Gesangbüchern unter der Nummer EG 576 finden könnt oder vgl. 

https://www.youtube.com/watch?v=T2kD8h5XUWI

Wir wünsche euch einen behüteten, gesegneten Weiter-Weg.

Euer wandernPLUS-Team!

  1. Euer Weg geht vom Pavillon am See ca. 600m entlang der K4335, die ihr in der Rechtskurve vor der Köllbachbrücke überquert, um auf dem Wanderweg Richtung Baiermühle zu bleiben.
  2. Nach der ersten Trinkpause geht ihr ca. 700m leicht ansteigend bis zu einem Hochsitz mit freiem Blick auf das Köllbachtal.
  3. Vor uns liegen nun 1 ½ nicht nur für echte „Schwarzwälder“ gut zu bewältigende Kilometer - ohne Abzweigungen.
  4. Auf einem leicht zu übersehenden Zickzackweg gehts rechts hinab zum Köllbach, den wir mit Hilfe der Steine überqueren.
  5. Wir überqueren die Wiese entlang des Zwerchbaches, gehen links 100 m Richtung Baiermühle, überqueren die Straße und folgen dem Bergweg zur Burg Hornberg.
  6. Wir gehen 250 m dem Johannes-Brenz-Weg entlang, bevor unser Weg rechts abzweigt und durch das Buschwerk auf einem Wiesenweg führt, auf dem wir nach einem halben Kilometer die Ortsmitte von Hornberg mit unserer nächsten Station, die kleine aber feine Hornberger Kirche, erreichen.
  7. Beim Verlassen der Kirche halten wir uns rechts und folgen ca. 200m der K 4336 durch den Ort. Bei der Hausnummer 20 biegen wir rechts in den dritten Gartenweg ein und folgen diesem 800 m bis wir auf den geteerten Weg stoßen. Dieser sehr alte Weg stammt noch aus der Zeit, in denen die Waldbauern diese Hochebene gerodet hatten und dazu jeweils eine „Hufe“ Grund und Boden zugeteilt bekamen. Noch heute kann man die terrassenförmig angeordneten „Hufe“ gut erkennen. Dort halten wir uns links bis wir auf der Hornberger Höhe wieder auf die K 4336 stoßen. Wir halten uns rechts und erreichen nach weiteren 200m den Spiel- und Grillplatz „Hornberger Eiche“.
  8. Mittagspause auf dem Spiel- und Grillplatz, danach setzen wir und einen Augenblick unter die Eiche.
  9. Zunächst gehen wir 250 m zurück auf die Hornberger Höhe und halten uns dort links, folgen dem geteerten Weg entlang der terrassenförmig angeordneten „Hufe“ – jeweils im Besitz einer Hornberger Familie. Nach 650 m halten wir uns an einer T-Kreuzung rechts und biegen nach weiteren 400 m scharf links hinab ins Zwerchbachtal. Nach einem knappen Kilometer überqueren wir den Talweg und finden etwas versteckt 10 m weiter den Wäschbrunnen samt einer Hinweistafel.
  10. Vom Wäschbrunnen gehen wir rechts weg und folgen nach wenigen hundert Metern – ebenfalls rechts – dem „Brunnenweg“, der uns nach 750 Metern Aufstieg an den Ortsrand von Zwerenberg führt. Nach weiteren 750 Metern haben wir in der Ortsmitte die Zwerenberger Kirche, die „Kathedrale des Nordschwarzwalds“ erreicht.
  11. Wir halten uns links und folgen von jetzt an meist leicht abfallend 1 km erst der Bernecker, dann der Zwerenberger Straße bis wir nach einem kurzen Waldstück einen weiten Ausblick über das Nagoldtal Richtung Schwäbische Alb genießen können.
  12. Wir folgen weiter der Zwerenberger Straße und kommen nach 2,8 km zum Bernecker Schloss mit seiner eindrücklichen Schildmauer.
  13. Auf den letzten 100m über die Kirchgasse zur Laurentiuskirche überquert Ihr den Marktplatz der alten Stadt Berneck! 
  14. Von der Laurentiuskirche geht der Weg über die Schlosssteige hinunter nach Berneck.

     
  • Wenn du magst, kannst du dir beim Aufstieg zur Burg Hornberg durch deine "Stöcke" helfen lassen.
  • 1 Liter Wasser :) 

Wer in Berneck noch Zeit und Muße hat, der kann die Wanderung im Hotel und Gasthof Rössle ausklingen lassen oder nebenan im Mühlenladen der Getreidemühle noch einiges Leckeres einkaufen.

... und wer sich generell mit der Besiedelung des Nordschwarzwalds im 11. bzw. 12. Jahrhundert beschäftigen will, dem sei folgende Literatur empfohlen:

Sönke Lorenz (Hrsg.): Der Nordschwarzwald. Von der Wildnis zur Wachstumsregion. Markstein-Verlag, Filderstadt 2001

Der Handyempfang ist im Köllbach- und Zwerchbachtal, also auch in Berneck, sehr eingeschränkt.

Berneck erreicht man von Freudenstadt  kommen über die L 352,  ab Altensteig in Richtung Nagold über die L 362: 500m nach Altensteig 2x links abbiegen;

von Nagold her über die L 362: 4km nach Ebhausen, rechts und gleich wieder links Richtung Berneck;

von Calw über Neubulach (L 348) nach Wart: 3,5 km nach Wart rechts Richtung Berneck.

In Berneck biegt man vor dem Hotel Rössle links ab und erreicht nach 250 m die Parkmöglichkeiten beim Seepavillon.

Berneck: Rathaus und direkt am See-Pavillon.

Anreise mit Linienbus

Der Startort Berneck wird von den

  • VBN Verkehrsbetriebe Nagoldtal GmbH und
  • BVN Busverkehr Nordschwarzwald GmbH

angefahren.

Die aktuellen Fahrpläne sind unter

www.vbn-bvn.de/linienverkehr/aktuelle-fahrpläne

einsehbar.

(weiterführende) Literatur

Hermann Ehmer, Johannes Brenz und der Schwarzwald, Einst & Heute, 2017-18, 21ff;

Württembergische Kirchengeschichte online

  1. Christoph Weismann, Johannes Brenz und die Reformation in Schwäbisch Hall, aktualisiert 2018
  2. Martin  Brecht, Johannes Brenz: Stiftsprobst, Prediger, Reformator und Rat Herzog Christophs, aktualisiert 2018