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Dichter zwischen Genie und Wahnsinn

Baden-Württemberg feiert 250 Jahre Friedrich Hölderlin

Neckarfront und Hölderlinturm in Tübingen
Neckarfront und Hölderlinturm in Tübingen - © Verkehrsverein Tübingen, Barbara Honner

STUTTGART – Mit seinem radikal-innovativen Werk und seiner tragischen Lebensgeschichte verkörpert Friedrich Hölderlin (1770–1843) wie kein anderer die verbreitete Vorstellung vom Dichter zwischen Genie und Wahnsinn. Zum Anlass seines 250. Geburtstags rücken in diesem Jahr zahlreiche Ausstellungen und literarische Veranstaltungen Leben und Werk des schwäbischen Dichters in ein neues Licht. Insbesondere Hölderlins Lebensstationen entlang des Neckars laden im Jubiläumsjahr zu einer literarischen Reise ein. Neu eingerichtete Museen, Lesungen oder thematische Stadtführungen geben dort Anlass, sich mit einem der bedeutendsten Lyriker der deutschen Literaturgeschichte auseinanderzusetzen.

Lauffen am Neckar: Neues Museum im Hölderlinhaus

Am 20. März 1770 erblickte Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar das Licht der Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters lebte die Familie nur wenige Jahre in der Geburtsstadt des Dichters. Entsprechend geriet das ehemalige Wohnhaus lange in Vergessenheit, bevor es 1970 wiederentdeckt wurde. Zum 250. Geburtstag lässt die Stadt Lauffen das historische Areal behutsam umgestalten, barrierefrei einrichten und durch einen modernen Neubau ergänzen. Das von Hölderlins Großvater 1750 erbaute Haus ist weitgehend in seiner ursprünglichen Form erhalten. In vier Ausstellungsräumen präsentiert es künftig 16 Persönlichkeitsfacetten des sprachgewaltigen Dichters – vom Erfinder über den Utopisten bis zum Liebhaber. Hölderlins Werken kommt man im „Erlebnisraum Gedicht“ und im „Versuchsraum Sprache“ nahe. Außerdem stehen Sessel zum Lesen seiner Texte bereit. Das neue Museum eröffnet an Hölderlins Geburtstag am 20. März 2020. www.hoelderlinhaus.de

Nürtingen: Stadt der Kindheit und Jugendjahre

Bereits als Vierjähriger zog Hölderlin im Jahr 1774 mit seiner Mutter nach Nürtingen, wo er prägende Jahre seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Im ehemaligen Schweizerhof in der Neckarstraße, dem heutigen Hölderlinhaus, lebte die Familie 24 Jahre lang. Bis 2021 wird das gesamte Areal zu einem Bildungszentrum umgebaut, in das künftig auch eine Dauerausstellung zum bekannten Sohn der Stadt einziehen wird. Bis dahin widmen sich im Jubiläumsjahr zahlreiche Lesungen, Konzerte und Stadtführungen Hölderlins Leben und Wirken in Nürtingen. Dort besuchte er unter anderem die Lateinschule und verfasste sein vielleicht bekanntestes Werk, den Roman „Hyperion“. Hölderlin blieb seiner Heimatstadt zeitlebens eng verbunden und behielt bis zum Lebensende das Nürtinger Bürgerrecht. www.nuertingen.de/hoelderlin2020

Tübingen: Runderneuerter Hölderlinturm

Wie keine andere Stadt steht Tübingen für das Leben und Leiden Friedrich Hölderlins. In der Universitätsstadt am Neckar verbrachte er mehr als die Hälfte seines Lebens, davon alleine 36 Jahre im später nach ihm benannten Turm. 1787 kam er in die Stadt, um am berühmten Evangelischen Stift Theologie zu studieren. Viele Jahre später wurde er gleich nebenan ins Universitätsklinikum eingewiesen, nachdem man bei ihm „Wahnsinn“ und „Raserei“ diagnostiziert hatte. Die psychiatrischen Behandlungen blieben ohne Erfolg. Im nahe gelegenen Turmhaus fand er 1807 seinen Rückzugsort, den er bis ans Lebensende kaum noch verlassen sollte. Heute bildet der Hölderlinturm gemeinsam mit der Neckarfront die Postkartenansicht der Stadt. Nach längerem Umbau öffnet er am 15. Februar 2020 mit einer neuen multimedialen Dauerausstellung wieder seine Türen. Im Zentrum steht dort Hölderlins Auseinandersetzung mit Sprache und Rhythmus. In der Ausstellung wird diese hör- und spürbar und für die Besucher zu einer körperlichen Erfahrung. In einem Sprachlabor kann man selbst mit Worten und Versen experimentieren. Erstmals wird auch der Garten des Turms einbezogen: Auf einer eigens konzipierten Gedichtlaufstrecke lässt sich Hölderlins Dichtkunst in Bewegung übersetzen. www.tuebingen.de/hoelderlinturm

Stuttgart: Rezeptionsgeschichte im Hölderlin-Archiv

In die württembergische Residenzstadt zog es Hölderlin immer wieder, nicht zuletzt für Besuche bei Freunden und Wegbegleitern. Ab Juni 1800 hielt er sich für ein halbes Jahr in Stuttgart auf und erlebte hier eine äußerst schöpferische Phase. Heute erinnern an ihn nicht nur der Hölderlinplatz und ein nach ihm benanntes Gymnasium. Das Hölderlin-Archiv in der Württembergischen Landesbibliothek ist die zentrale Anlaufstelle für die internationale Erforschung des Dichters und seines Werks. Vom 21. April bis 15. August zeigt die Landesbibliothek die Ausstellung „Aufbrüche – Abbrüche. 250 Jahre Friedrich Hölderlin“. Im Fokus stehen Werke, die sich auf Hölderlins Stuttgarter Aufenthalte beziehen. Aber auch sein revolutionäres Umfeld und die Rezeptionsgeschichte werden thematisiert. www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/hoelderlin-archiv/

Marbach: Hölderlin und die Sprachen der Poesie

Ob Hölderlin jemals in Marbach am Neckar war, ist in den Quellen nicht überliefert. Ein Teil seiner Handschriften hat jedenfalls im hier ansässigen Deutschen Literaturarchiv einen würdigen Rahmen gefunden. Dort ist er in bester Gesellschaft: Zu den Schriftstellern und Gelehrten, deren Nachlässe oder Manuskripte hier verwahrt werden, zählen Geistesgrößen wie Friedrich Schiller, Rainer Maria Rilke und Martin Heidegger. Im Jubiläumsjahr präsentiert das angegliederte Literaturmuseum der Moderne vom 19. März bis 29. November die Ausstellung „Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie“. Im Kern geht um die Frage, welche Spurens Hölderlins Sprache in der Literatur des 20. und 21. Jahrhundert hinterlassen hat. Neben Paul Celan werden unter anderen Hermann Hesse, Hannah Ahrend und Ingeborg Bachmann auf die Nachwirkung Hölderlins untersucht. Besucher der Ausstellung können dabei selbst experimentell erforschen, wie sie Hölderlin-Texte lesen und wie deren Poesie auf sie wirkt. www.dla-marbach.de

Heidelberg: Jubiläumswochenende auf dem Musikfrachter

„Die Stadt gefiel mir außerordentlich wohl“, schrieb Friedrich Hölderlin einst an seine Mutter. Eines seiner berühmtesten Gedichte ist die Ode „Heidelberg“, deren Manuskript sich heute im Kurpfälzischen Museum der Stadt befindet. In der Hölderlin-Anlage am Philosophenweg ist die erste Strophe auf einem Gedenkstein zu lesen. Bis heute wird sein Andenken in der UNESCO City of Literature hochgehalten. Vom 20. bis 22. März feiert die Stadt ein umfangreiches Jubiläumswochenende mit zahlreichen Veranstaltungen, Lesungen und Konzerten. Als einer der Höhepunkte wird der Musikfrachter BTHVN2020 vor der Alten Brücke anlegen. Er erinnert an den gleichaltrigen Jubilar Ludwig van Beethoven und wird ein Wochenende lang zur Bühne, um Friedrich Hölderlin zu feiern. www.heidelberg-marketing.de

Info
Viele weitere Ausstellungen, Orte und Veranstaltungen im Jubiläumsjahr sowie umfangreiche Informationen zu Friedrich Hölderlins Leben und Werk gibt es online unter www.hoelderlin2020.de

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