BUGA trifft Bauhaus: Eine blühende Zukunft

Die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn lässt eine Brachfläche in der Innenstadt neu erblühen. Zwischen Gärten und Seen entsteht am Flussufer das Stadtquartier Neckarbogen – grün und innovativ. Besuch bei einem der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands.

Leben auf der Bundesgartenschau in Heilbronn
Leben auf der Bundesgartenschau in Heilbronn - © Gregor Lengler

„Die Stärke des Bauhauses war ja die Verknüpfung und die Offenheit von Kunst, von Architektur, von Menschsein und der Frage, wie der Mensch leben will“, sagt Barbara Brakenhoff, „und deshalb finde ich, dass unser Projekt ein Bauhaus-Plus-Projekt ist.“ Die Hochbauarchitektin steht mit dem Schutzhelm in der Hand in einem kleinen Ausstellungscontainer in Heilbronn und erklärt uns anhand von Karten und Grafiken die Stadtausstellung, an deren Planung sie mitwirkt. Um uns herum wird noch gehämmert, gebohrt, gebaut. Die Zeit drängt, denn Mitte April soll der erste Bauabschnitt des neuen Stadtviertels Neckarbogen im Rahmen der Bundesgartenschau 2019 zu besichtigen sein. Brakenhoff arbeitet in einem Team von ganz unterschiedlichen Fachleuten an der Verwirklichung der Stadtausstellung, und sie koordiniert mit ihrem Kollegen Jan Fries die Baustelle am Neckarufer, die bis vor kurzem noch eine mit Altlasten beschwerte Brache war. Die Architektin erzählt mit Leidenschaft davon, was für einen Sprung die Stadt Heilbronn mit diesem Projekt gewagt hat: nämlich ein innovatives, nachhaltiges Stadtviertel zu bauen, das zentrumsnah und doch grün ist, weil es den neuen Neckaruferpark vor der Haustür hat.

Ein lebendiges Viertel mit verschiedenen Nutzungsideen

Trotz der Traumlage wurde in Heilbronn kein Quartier mit nur luxuriösen Eigentumswohnungen geplant, sondern ein lebendiges Viertel mit ganz verschiedenen Nutzungsideen: Über 50 Prozent sind Mietwohnungen, es gibt auch Baugemeinschaften, Einrichtungen für Kinder, Projekte für Menschen mit Handicap und Studentenwohnungen. Jedes Haus sieht anders aus, weil in Heilbronn viele Architekturbüros geplant haben. „Wir hatten die Chance“, sagt Barbara Brakenhoff, „für dieses Viertel ganz neue Leitlinien zu entwickeln.“ Für die Architektin, die vor Heilbronn unter anderem große Seniorenheime geplant hat, ist die Stadtausstellung eine absolute Herzensangelegenheit, so etwas wie die Krönung ihres bisherigen Berufslebens. Sie erklärt: „Die Stadt der Zukunft muss doch grün sein. Die Stadt der Zukunft, davon bin ich fest überzeugt, kann für uns alle nicht mehr heißen: Ich gehe aus meiner Wohnung direkt in die Tiefgarage, steige ins Auto und fahre raus in die Weinberge, um dort joggen oder radeln zu gehen. In unserem Stadtviertel der kurzen Wege gibt es viele Freizeitmöglichkeiten direkt vor der Haustür – das Neckarufer zum Beispiel oder die grünen Innenhöfe.“

Lebensraum für bis zu 3.500 Menschen

Praktisch: Vieles von dem, was jetzt zur BUGA zum Blühen gebracht wird, kommt später dem Stadtviertel zugute. Gleichzeitig wird der Neckarbogen keine spärlich bebaute Insel. Bis zu 3.500 Menschen sollen dort wohnen, eine Zahl, die man laut Brakenhoff braucht, damit eine Infrastruktur mit Geschäften, Arztpraxen, Kitas und Schulen entsteht. „Das ist schon recht verdichtet“, meint die Architektin, „aber wir bauen hier ja auch einen Stadtteil.“ Das Außergewöhnliche an der BUGA in Heilbronn: Die ersten 23 Gebäude sind schon bewohnt, wenn die Gartenschau startet. Unter den neuen, nachhaltig errichteten Häusern, von denen viele aufregende Fassaden mit Holzlamellen, Solarpaneelen oder Schindeln haben, wird auch Deutschlands erstes zehngeschossiges Holzhochhaus sein.

Strenge Regeln für Investoren und Architekten

Wie bekommt man so etwas hin? „Wir haben an das soziale Gewissen der Investoren appelliert“, erzählt Barbara Brakenhoff. Aber das alleine hätte wohl nicht ausgereicht. Es gab auch besonders strenge Regeln bei der Konzeptvergabe. Beispielsweise konnten die Investoren der Gewinner-Projekte die Grundstücke auf der Neckarinsel zunächst nicht einfach kaufen. Sie mussten ihre Häuser weiterentwickeln, die hohe Qualität halten, bis zur Baugenehmigung. Erst dann gingen die Kaufverträge raus. Das war ungewöhnlich, gibt Barbara Brakenhoff zu, aber es seien nur wenige Geldgeber und Planer abgesprungen.

Das Konzept scheint aufzugehen: Die Wohnungen des ersten Bauabschnitts sind fast alle verkauft, die meisten Wohnungen haben schon Mieter. Die Nachfrage nach Wohnungen in dem neuen Stadtquartier ist groß. Barbara Brakenhoff sagt, sie sei stolz, diesen Job in Heilbronn machen zu dürfen, stolz auch auf die Stadt, die vorbildlich und mit innovativen Ideen mitgezogen habe. Das Credo der Architektin ist so einfach wie anspruchsvoll: Visionen haben, sozial denken und sich etwas trauen. Sie meint: „Die Stadt der Zukunft ist doch nicht nur Hightech, die Stadt der Zukunft ist doch nicht nur ‚Ich hab das auf der App‘, die Stadt der Zukunft sind wir alle, die wir hier wohnen und leben möchten.

Weitere Informationen zur Stadtausstellung in Heilbronn:

Die BUGA 2019 in Heilbronn, in deren Rahmen die Stadtausstellung gezeigt wird, dauert vom 17. April bis zum 6. Oktober 2019. https://www.buga2019.de

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