Ulm

Als die Reformation nach Ulm kam, fiel sie auf fruchtbaren Boden. Aus dem bekannten Münster wurde eine evangelische Kirche ohne Altäre.

Bereits im Jahr 1377 begannen die Bürger der freien Reichsstadt Ulm mit dem Bau einer Pfarrkirche, die sie selbst finanzierten: dem Ulmer Münster. Mit dieser Kirche besaß die Stadt bereits vor der Reformation erheblichen Einfluss auf das kirchliche Leben. 1530 ließ der Rat die Bürger abstimmen: Eine überwältigende Mehrheit sprach sich für die neue Lehre aus, und das Ulmer Münster wurde evangelisch.

Dem Zwingli-Schüler Konrad Sam gelang es 1531 zum Bildersturm aufzurufen. Mehr als 50 Altäre reicher Patrizierfamilien schmückten das Gotteshaus. Einige Kunstschätze konnten gerettet werden, andere wurden zu Brennholz, wenige fanden den Weg zurück ins Münster, dessen Turm durch mangelnde Spendenbereitschaft im Zuge der Reformation 300 Jahre unvollendet blieb. Erst im 19. Jahrhundert wurde der bis heute höchste Kirchturm der Welt (161,53 Meter) fertig gestellt.

Als die Alliierten im Winter 1944 die Stadt Ulm in Schutt und Asche bombten, überlebte ein Bauwerk die Luftangriffe fast unbeschadet: das Münster. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man heute durch das Zentrum der Stadt geht und sich vor Staunen die Augen reibt. Über die Wucht des weltgrößten Kirchturms und darüber, was die Ulmer ihre Neue Mitte nennen: die moderne Bauskulptur des Stadthauses oder die gläserne Pyramide der Zentralbibliothek.

768 Stufen führen hinauf auf die oberste Plattform des Münsterturms, von wo man eine Fernsicht bis zu den Alpen genießt. Nur ein Steinwurf entfernt befindet sich das gotische Rathaus und von dort schlendert man zum Fischerviertel an der Donau.

Dieses malerische Quartier ist das bedeutendste Altstadtensemble Ulms mit Restaurants, Galerien, Geschäften und einem Gebäude, bei dem sich Besucher auch in nüchternem Zustand betrunken wähnen: Das schiefe Haus, heute eine Herberge, ist laut Guiness-Buch der Rekorde das schiefste Hotel der Welt.

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Ulmer Münster