Reutlingen

 Früh kam die Reformation in die Stadt. Die Bürgerschaft hielt Kurs und ließ sich durch nichts von ihren Glaubensüberzeugungen abbringen.

Die Geschichte der Reformation in der ehemaligen freien Reichsstadt ist eng mit dem Namen Matthäus Alber (1495-1570) verbunden. Der Sohn eines Reutlinger Goldschmieds lernte an der Universität in Tübingen Philipp Melanchthon kennen. 1520 wechselte Alber nach Freiburg, wo er auch die Schriften Luthers studierte.

Als ihn 1521 die Reutlinger zum Prediger beriefen, verkündete er in seiner Heimatstadt Luthers Lehre – sehr zum Missfallen des Bischofs und der vorderösterreichischen Regierung. Doch die Reutlinger Bürgerschaft drängte ihren Rat dazu, sich auf die neue Lehre festzulegen. Kurz darauf wechselte auch die Führung im städtischen Regiment: Neues Stadtoberhaupt wurde Jos Weiß, Bäcker und Befürworter der Reformation. Das Reutlinger Heimatmuseum zeigt heute Porträts dieser beiden Männer.

In Marktplatznähe liegt die Marienkirche aus dem 14. Jahrhundert, in der der Reformator Matthäus Alber predigte. Mit ihrem mehr als 70 Meter hohen Turm ist die Kirche das Wahrzeichen der Stadt. Das Tübinger Tor aus dem 13. Jahrhundert ist einer von mehreren Türmen der Stadtbefestigung. Ein großer Brand hat im Jahr 1726 manches unwiederbringlich zerstört, doch dem Wiederaufbau ist auch etwas Kurioses zu verdanken: die engste Straße der Welt. Die Spreuerhofgasse ist nur 31 Zentimeter breit und ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern.

Heute ist Reutlingen mit seinen über 110.000 Einwohnern ein wirtschaftliches Zentrum mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und einem reichen Kulturleben. Seit Jahrzehnten gibt es das Theater in der Tonne, das eigens zum Reformationsjubiläum ein Stück inszenieren wird.

Mit dem Kunstverein Reutlingen und der Städtischen Galerie gibt es gleich zwei Einrichtungen, die sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigen. Überdies zeigt das Museum im Spendhaus Werke des Künstlers und Grafikers HAP Grieshaber.

Reutlingen

Marienkirche Reutlingen

Citykirche Reutlingen – Nikolaikirche