Ravensburg

Reformationsgedenken in Ravensburg
"Dass keiner den andern in Religionssachen verachten soll ..." (Bürgermeister und Rat der Stadt Ravensburg, März 1555)

Ravensburg: Blaserturm Panorama
Ravensburg: Blaserturm Panorama - © Stadt Ravensburg

Ravensburg besitzt eine der schönsten historischen Altstädte in Süddeutschland. Mit seinen Türmen und Toren, den Markthallen und Kirchen aus dem späten Mittelalter sowie dem MuseumsViertel mit dem Humpis-Quartier, dem Kunstmuseum, dem Wirtschaftsmuseum und dem Ravensburger Museum lohnt ein Besuch der Oberschwaben-Metropole immer. Im Reformationsgedenkjahr 2017 bietet die ehemalige Reichsstadt ein reichhaltiges Programm.

Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes und auch in der Geschichte Ravensburgs. Ein großer Teil der Handwerker in der Stadt begeisterten sich seit 1544 offen für die revolutionären Ideen der Reformatoren und deren neue Lehre. Sie verhalften der Reformation zum Durchbruch. 1546 wurde Ravensburg als eine der letzten Reichsstädte in Deutschland schließlich evangelisch. Das Nachsehen hatten die einflussreichen katholischen Kaufleute und die katholischen Rebleute.

Als es auf Reichsebene zu militärischen Auseinandersetzungen um den richtigen Glauben kam und sich die Mehrheitsverhältnisse in der Stadt veränderten, schlug Ravensburg einen Kurs der Verständigung ein. Um allen Bürgern in Religionssachen gerecht zu werden, setzte die Reichsstadt früh auf religiöse Neutralität, auf eine Gleichberechtigung zwischen Protestanten und der anfangs katholischen Minderheit in der Stadt, auf eine Vilefalt des religiösen Lebens. Neben den ansonsten rein evangelischen oder katholischen Städten wurde es zum Sonderfall in der Geschichte. Die 1555 festgelegte Bikonfessionalität, seit 1648 Parität, bestimmte bis weit in das 20. Jahrhundert hinein das Leben in Ravensburg.

In den vergangenen Jahrhunderten war das Reformationsgedenken eine rein evangelische Angelegenheit. Heute, im Zeitalter der Ökumene, wird der Reformation in Ravensburg erstmals gemeinsam gedacht: von allen evangelischen und katholischen Gesamtkirchengemeinden und der Stadt Ravensburg.

So bietet das gemeinsame Gedenken die Gelegenheit, die Gemeinschaft zwischen Katholiken und Lutheranern zu vertiefen und auch den Teil der Stadtgesellschaft mit einzubeziehen, der keiner oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehört. Heute sind in Ravensburg 50 Prozent der Bürger katholisch, 19 Prozent evangelisch und 31 Prozent gehören anderen oder gar keinen Religionsgemeinschaften an.

Das Jubiläum wird Ravensburg zum Anlass nehmen, Formen und Möglichkeiten religiöser Koexistenz in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufzuzeigen und zu diskutieren. Aus der Geschichte und der gelebten Ökumene sollen mögliche Antworten und Lösungen für ein friedliches Zusammenleben von Konfessionen und Religionen in der Zukunft gewonnen werden.

Neben einer Reformations-Ausstellung im Museum Humpis-Quartier, einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Marienplatz, Führungen zu den Schauplätzen der Reformation und einer Luthernacht erwarten die Teilnehmer viele interessante Informations- und Diskussionsangebote im Laufe des Jahres 2017.

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