Emmendingen

Der Stadtschreiber enthauptet und der Markgraf vergiftet: Die Reformation im markgräflichen Emmendingen und Kenzingen liest sich in Teilen wie ein Krimi.

Emmendingen - Schlossplatz mit der evangelischen Kirche
Emmendingen - Schlossplatz mit der evangelischen Kirche - © CrazyD - GNU FDL

Zu den Pionier-Orten der Reformation gehörte Kenzingen, dessen lutherisches Intermezzo eng mit der  Predigttätigkeit des Elsässers Jakob Otter (1485-1547) verbunden war. Mit seinen Messen in deutscher Sprache fand er große Beachtung, erzürnte aber auch den österreichischen Erzherzogs Ferdinand. In dessen Auftrag wurde 1524 die Stadt Kenzingen so unter Druck gesetzt und der Stadtschreiber enthauptet, dass Otter mit seinen Anhängern nur noch die Flucht blieb.

In der Markgrafschaft Hachberg, dem heutigen Kreis Emmendingen, zu dem auch Kenzingen gehört, bildeten Emmendingen und die Stadtkirche das Zentrum der Reformation. Emmendingen rückte unter Markgraf Jakob III. in den Mittelpunkt der reformatorischen Umbrüche. 1590 lud der Regent Protestanten und Katholiken zu einem Streitgespräch ein.

Wenige Wochen danach trat Markgraf Jakob III. überraschend zur römischen Kirche über. Im Sommer desselben Jahres starb er unerwartet. Die Obduktion wies tödliche Mengen an Arsen im Magen nach. Der plötzliche Tod des rekatholisierten Markgrafen bietet bis heute Stoff für einen Krimi. Und Emmendingen blieb evangelisch.

Das Renaissance-Schloss der Markgrafen in Emmendingen kann besichtigt werden. Im Kapitelsaal des Nachbargebäudes fand 1590 das Religionsgespräch statt. Marktplatz und Gassen Emmendingens sind von schönen alten Bürgerhäusern gekennzeichnet.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit in der Umgegend ist die Hochburg, nach dem Heidelberger Schloss die größte Burgruine in Baden. Die Anlage wurde im Dreißigjährigen Krieg und dem pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört.

15 Kilometer nördlich von Emmendingen liegt Kenzingen, das nach einer kurzen lutherischen Episode wieder zum alten Glauben zurückkehrte. Die katholische Tradition wird dort auch durch die Alemannische Fasnet unterstrichen, die in Kenzingen sogar ein eigenes Museum besitzt.

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