Als die Reformation in den Süden kam

Die Reformation erschütterte die Kirche und die damalige Welt. Der Mönch Martin Luther hatte sie in Gang gebracht und auch in Baden und Württemberg Anhänger gefunden.

Schon seit geraumer Zeit war es Luther ein Dorn im Auge, was sich in der Kirche abspielte: Ämterkauf, Ämter- und Ablasshandel. Am 31. Oktober 1517 protestierte er dagegen und schlug seine Argumente an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg: Sie sollten als „Luthers 95 Thesen“ in die Geschichte eingehen und zum Beginn der Reformation werden.

Der erste Ort außerhalb von Wittenberg, an dem Luther seine Thesen verteidigte, war die Universität Heidelberg. 1518 stand der Querdenker dort auf dem Podium und nahm kein Blatt vor den Mund. Die Professoren waren schockiert, doch ihre Schüler begeistert: Die Reformation war auch eine Studentenbewegung.

Es dauerte ein wenig, bis sich in Baden und Württemberg die Reformation durchsetzte. Dabei darf man sich kein geschlossenes Territorium vorstellen. So gab es die zersplitterte Markgrafschaft Baden und das kleine Herzogtum Württemberg. In den Norden des heutigen Badens ragte die Kurpfalz hinein. Zu ihr gehörte auch Heidelberg, und es sollte zur Ironie der Geschichte gehören, dass der einzige Ort im heutigen Baden-Württemberg, den der Reformator Luther besucht hat, vom lutherischen Glauben abfiel und die Reform nach Schweizer Vorbild annahm.

1534 hatte Herzog Ulrich in Württemberg die Reformation eingeführt. Die Markgrafschaft Baden bekannte sich 1556 zu Luther. Das war ein Jahr nach dem Augsburger Religionsfrieden, der es jedem Landesherrn erlaubte den Glauben seiner Untertanen festzulegen.  Danach waren die Herrschaftsgebiete entweder evangelisch oder katholisch.

Erst die Napoleonischen Kriege im 19. Jahrhunderts brachen diese Ordnung auf. Erstmals lebten im neuen Königreich  Württemberg auch katholische Untertanen, und Baden sah sich auf evangelischer Seite zwei Landeskirchen gegenüber: Durch die Aufhebung der Kurpfalz mussten sich reformierte Heidelberger und lutherische Karlsruher unter dem Dach des Großherzogtums zusammenfinden.

1821 vereinigten sie sich zur Evangelisch-Protestantische Kirche von Baden und bildeten eine der drei unierten Kirchen in Deutschland. Die Vielfalt ist kennzeichnend für die evangelische Welt. Die Freiheit des Christen ohne eine Zentralgewalt, sie gilt für alle Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind.

Zwischen Gott und dem Menschen darf keiner stehen, kein Heiliger und kein Papst. Als Luther dies 1521 widerrufen sollte, weigerte er sich mit den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!“