Vitra Campus in Weil am Rhein

Design- und Architekturliebhaber aus aller Welt pilgern zu Vitra nach Weil am Rhein. Das Unternehmen baut zwar schöne Möbel, Hauptattraktion sind aber die verschiedenen Bauwerke weltbekannter Architekten, die auf dem Firmengelände stehen.

VitraHaus
VitraHaus - © Christopher Kreymborg

Kanten stoßen auf Kurven, Würfel auf geschwungene Bögen: Das Haus sieht aus, als hätte der Wind die weißen Bauteile durcheinandergewirbelt. Allerdings sehr ansehnlich, denn hier war der Amerikaner Frank O. Gehry am Werk, ein namhafter Vertreter des Dekonstruktivismus. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein war das erste Gebäude des Architekten, das in Europa gebaut wurde. Später machte der Architekt auch Furore mit seinem Entwurf zum Guggenheim Museum im spanischen Bilbao. 

1989 wurde das Vitra Design Museum in Weil am Rhein eröffnet – auf dem Firmengelände des Stuhlherstellers Vitra, das seinen Hauptsitz in der Schweiz bei Basel hat. Ursprünglich wollte der Eigentümer Rolf Fehlbaum damit einen Raum für seine Möbelsammlung schaffen. Heraus kam ein Museum, das Ausstellungen zum Thema Design und Architektur zeigt.

Spaziergang auf dem Campus

Dass heute so viele Kulturinteressierte nach Weil am Rhein pilgern, ist aber nicht allein dem Museum zu verdanken. Ein Brand im Jahr 1981 zerstörte viele Produktionsräume von Vitra. Für die erforderlichen Neubauten wählte der Firmenchef persönlich verschiedene herausragende Architekten aus – darunter viele Pritzker-Preisträger. Er beauftragte sie mit verschieden Zweckbauten. So wurde über Jahrzehnte aus dem Firmengelände ein Campus, der über 20 einzigartige Werke zeitgenössischer Architekten und Designer versammelt.

Architektur-Ikonen und Design-Klassiker

Das VitraHaus, das so aussieht, als seien mehrere Giebelhäuschen übereinandergestapelt und ineinandergeschoben worden, stammt von „Herzog & de Meuron“. In Deutschland ist das Schweizer Architekturbüro auch durch die Planung der Elbphilharmonie bekannt. Im VitraHaus können Besucher die Möbel des Unternehmens betrachten und sich in den Schauräumen für zuhause oder das Büro inspirieren lassen. Von „Herzog & de Meuron“ stammt auch das Vitra Schaudepot: Hier haben die 7000 Möbel und Leuchten renommierter Designer, die zu den Sammlungsstücken des Museums gehören, ihren Platz.

Bei Führungen, die das Museum täglich anbietet, können die Besucher weitere Bauten renommierter Architekten sehen, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind. Der Brite Nicholas Grimshaw hat bereits in den 1980er-Jahren Produktionshallen auf dem Gelände geplant. 1994 kam ein roter Klinkerbau von Álvaro Siza hinzu, der zudem ein kühn geschwungenes Dach als Übergang zur nächsten Halle geschaffen hat.  2012 folgte eine weitere Halle des japanischen Büros Sanaa, von dem auch der bekannte Zollverein-Kubus in Essen stammt.

Einzigartige Zweckbauten

Dass Rolf Fehlbaum bei seiner Auswahl Mut und Weitsicht bewies, zeigt das Beispiel Zaha Hadid: Die Architektin hat schon Jahre zuvor Schlagzeilen mit ihren Entwürfen gemacht. Das Vitra-Feuerwehrhaus war 1993 allerdings ihr erster, der auch realisiert wurde.

Eine besondere Ruhe strahlt der Konferenzpavillon von Tadao Ando aus, der ebenfalls 1993 errichtet wurde. Demnächst wird in Baden-Württemberg ein weiteres Bauwerk des erfolgreichsten Architekten Japans entstehen: die Firmenzentrale des Unternehmens Weisenburger in Karlsruhe. Aus dem Jahr 2013 stammt das Mini-Haus „Diogene“ von Renzo Piano. Seit 2014 bereichert außerdem ein 30 Meter Aussichts- und Rutschturm des Künstlers Carsten Höller den Campus. Sogar die Bushaltestellen sind hier ein Hingucker: Der renommierte Designer Jasper Morrison hat sie aus Stahl und Glas geschaffen.

Vitra-Campus im Überblick:

  • Auf dem Gelände finden sich insgesamt 24 Werke zeitgenössischer Architekten und Künstler, die zwischen 1981 und 2018 errichtet wurden
  • Vertreten sind Tadao Ando, Ronan & Erwan Bouroullec, Frank Gehry, Zaha Hadid, Nicholas Grimshaw, Herzog & de Meuron, Carsten Höller, Jasper Morrison, Claes Oldenburg & Coosje van Bruggen, Renzo Piano, Jean Prouvé, Tobias Rehberger, Sanaa, Thomas Schütte, Álvaro Siza
  • Nur ein kleiner Teil der Gebäude ist öffentlich zugänglich. Alle übrigen können Besucher bei Architekturführungen aus der Nähe betrachten
  • Das Vitra Design Museum und das Vitra Haus sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auch Architekturführungen werden jeden Tag angeboten