Moderne Kunst in Baden-Württemberg

Von Picasso bis Gerhard Richter: Die Sammlungen moderner Kunst in Baden-Württemberg sind ebenso bemerkenswert wie die Museen, in denen sie gezeigt werden. 

Was ein Casanova alles bewirken kann: Die berühmte Sammlung der Galerie der Stadt Stuttgart geht auf eine Schenkung des Marchese Silvio della Valle de Casanova aus dem Jahre 1924 zurück. Der adlige Italiener war beim Musikstudium in Stuttgart hängengeblieben und fühlte sich der Stadt zeitlebens verbunden. Seine Sammlung ist bis heute Grundlage der Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart, dessen gläserner Kubus seit 2005 unübersehbar auf dem Kleinen Schlossplatz in der Landeshauptstadt steht.

Das Kunstmuseum ist das Nachfolgemuseum der Galerie der Stadt Stuttgart. Zu seinen Schätzen gehören auch zahlreiche Werke des Malers und Grafikers Otto Dix. Auch dessen Wohnhaus am Bodensee ist heute Teil des Kunstmuseums in Stuttgart, ein bezauberndes Stück moderne Kunst am malerischen Ufer der Halbinsel Höri.

Nicht weniger renommiert als das Kunstmuseum ist die Staatsgalerie in Stuttgart. Architektonisch bemerkenswert ist vor allem ihr neuer Teil aus dem Jahre 1984, eine der bedeutendsten Werke der postmodernen Architektur in Deutschland. In ihrem Inneren finden sich zahlreiche Zeugnisse moderner Kunst: 30 Gemälde von Pablo Picasso sowie Werke von Max Beckmann, Paul Klee, August Macke und Joseph Beuys. Es ist ein Querschnitt durch fast alle Künstlergruppen und Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts, der mit jeder weiteren Sammlung, die das Haus erwerben konnte, größer wurde.

Viele der bedeutenden Museen moderner Kunst in Baden-Württemberg sind allerdings keine öffentlichen Einrichtungen, sondern gehen auf das Mäzenatentum privater Sammler zurück. Nicht selten sind es bekannte Unternehmerfamilien, die einen Teil ihres Vermögens in Kunstwerke investieren und sie dann der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Frieder Burda, Sohn der badischen Verlegerfamilie, ist so ein Beispiel. Keiner hätte gedacht, was aus dem ersten Kunstkauf des 32-Jährigen im Jahre 1968 einmal werden sollte. Damals erwarb er für 3500 Mark ein Bild des zeitgenössischen Malers Lucio Fontana. Inzwischen umfasst die Sammlung Frieder Burda 1000 Werke der klassischen Moderne. Viele von ihnen sind seit 2004 in einem eigenen Ausstellungsgebäude zu sehen, dem Museum Frieder Burda, das gleich neben der Kunsthalle in Baden-Baden in der berühmten Lichtenthaler Allee liegt. Zahlreiche große Namen hat Frieder Burda im Laufe der Jahre erworben. Zu ihnen gehören Max Beckmann, August Macke, Pablo Picasso, Mark Rothko und nicht zuletzt Gerhard Richter, dessen Werke er systematisch sammelt.

Ein Unternehmer mit Sinn für die Kunst ist auch der Schraubenfabrikant Reinhold Würth aus Künzelsau. Bereits 1991 hat er an seinem Firmensitz ein Kunstmuseum eröffnet und zehn Jahre später dann in großem Stil in Schwäbisch Hall neu gebaut. Die dortige Kunsthalle zeigt auf drei Etagen Wechselausstellungen und Werksschauen bekannter Künstler wie Edvard Munch, Henry Moore oder Max Liebermann.

Auch am Firmensitz des Schokoladenherstellers Ritter in Waldenbuch hat die moderne Kunst ihren gewichtigen Platz. Das Museum Ritter zeigt die Kunstsammlung der Enkelin des Firmengründers Marli Hoppe-Ritter und ihres Ehemanns Hilmar Hoppe. Die Sammlung umfasst rund 800 Objekte und befasst sich mit dem Thema Kunst im Quadrat, eine geometrische Form, die den Ritters aus ihrer Schokoladenproduktion bestens bekannt ist.

Auch die Kunsthalle Weishaupt in Ulm ist eine durchaus bemerkenswerte Einrichtung. Das verglaste Bauwerk in Ulms neuer Mitte aus dem Jahre 2007 ist ein Highlight, die Sammlung des Unternehmers Siegfried Weishaupt ebenfalls. 400 Gemälde und Plastiken enthält sie, darunter viele bedeutende Werke der 1950er und 1960er Jahre. Zum Kreis der Künstler gehört übrigens auch Andy Warhol, der sogar Firmengründer Max Weishaupt porträtierte.