Kunsthalle Mannheim

Die Kunsthalle Mannheim hat eine große Geschichte und verheißungsvolle Gegenwart: Einst wurde hier der Begriff „Neue Sachlichkeit“ geprägt und vor kurzem ein knapp 70 Millionen Euro teurer futuristischer Neubau eröffnet.

© Kunsthalle Mannheim

Ein helles Atrium, 22 Meter hoch, um das sich sieben kubische Ausstellungshäuser gruppieren, verbunden über Treppen, Brücken und Terrassen: Der Neubau der Kunsthalle in Mannheim ist alleine schon architektonisch ein Erlebnis.  Die Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner (Berliner Hauptbahnhof) haben ihn entworfen, der bekannte Raum-Künstler James Turrell rückt ihn ins rechte Licht.

Dafür war ein Erweiterungsbau aus den Achtzigerjahren abgerissen und komplett neu konzipiert worden. Er ergänzt das historische Jugendstilgebäude, mit dem die Geschichte der Kunsthalle in Mannheim begann. 1907 wurde sie zum 300-jährigen Stadtjubiläum gegründet, ein jüdisches Ehepaar hatte mit einer großen Stiftung den Grundstock gelegt, ergänzt durch die Werke aus der Sammlung des großherzoglichen Galeriedirektors.

Die Erfinder der Neuen Sachlichkeit

In den 1920er-Jahren ging es steil bergauf: Vor allem eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus dem Jahre 1925 schrieb Geschichte, ihr Titel „Neue Sachlichkeit“ sollte einer ganzen Stilrichtung den Namen geben und Werke von Otto Dix, George Grosz und Max Beckmann zeigen. Zahlreiche Exponate des französischen Impressionismus und des deutschen Expressionismus kamen dazu und verhalfen der Kunsthalle zu internationalem Ruhm.

Der Nationalsozialismus wurde auch für das Vorzeigemuseum in Mannheim zur Zäsur: Hunderte von Bildern und grafische Arbeiten gingen verloren oder wurden als entartete Kunst gebrandmarkt.  In einer Ausstellung mit dem Titel „Kulturbolschewistische Machwerke“ waren sie bereits 1933 vorgeführt und verunglimpft worden.

NS-Geschichte wird gezeigt

Es gehört zu den herausragenden Eigenschaften der neugestalteten Kunsthalle in Mannheim, dass sie auch diese Seiten ihrer Geschichte beleuchtet. Als eines der ersten Kunstmuseen überhaupt in Deutschland widmet sie ihrer eigenen Vergangenheit eine Abteilung und lässt dabei auch die heikelsten Kapitel nicht aus.

Auf 13.000 Quadratmeter Nutz- und 5.700 Quadratmeter Ausstellungsfläche soll eine gänzlich neue Idee von Kunstmuseum präsentiert werden. „Kunst für alle“ lautet ihr Obergriff, mit völlig neuen Zugängen zu den Werken des Hauses, das neben der Malerei vor allem für seine Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken bekannt ist. 

Digitale Collection Wall

So gibt es ein digitales Angebot, das einer neuen Generation von Besuchern ein anderes Museumserlebnis verspricht: Etwa über eine Collection Wall im Atrium, die aus 16 großen, zusammenhängenden Monitoren besteht. Auf einer Multimedia-App können gezielte Informationen zu über 700 Kunstwerken abgerufen werden. In einem Creative Lab kann man dem verborgenen Schatz der grafischen Sammlung näherkommen.

Aber auch die alten Klassiker werden neu präsentiert:  So etwa das berühmte Bild Édouard Manets von der Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko, das nun von einer hölzernen Sitzarena aus betrachtet werden kann. Kunst als Kino, statt nur als bloße Aneinanderreihung von Exponaten, an denen man vorbeischlendert.

70 Millionen investiert

Knapp 70 Millionen Euro hat der Neubau der Kunsthalle in Mannheim inklusive Renovierung des historischen Traktes gekostet. Allein 50 Millionen hatte dafür SAP-Mitgründer Hans-Werner Hector gespendet. Eine Public-Private-Partnership der besonderen Art. Und eine große Sache für die Freunde der  Kunst, die in Mannheim die Moderne nicht nur als Stilrichtung erleben können, sondern in Form eines Ausstellungshauses, das mit seiner Architektur und seinem Konzept selbst in die Zukunft weist.