Weinanbaugebiet Baden

Eine der beiden großen Weinanbauregionen im Süden ist Baden. Die Region erstreckt sich über 400 Kilometer und ist in neun Teilgebiete gegliedert. Baden hat mit seiner einzigartigen geographischen Lage die meisten Sonnenstunden und das wärmste Klima Deutschlands. Das milde Klima und der gute Boden machen Baden zu einem der besten Weinbaugebiete Europas, dessen Weine genauso verschieden sind wie die Landschaften, die sie prägen. Jede Region hat ihren eigenen Charakter und bringt ihren eigenen, unverkennbaren Wein hervor:

Tauberfranken

Tauberfranken ist die am weitesten nach Norden reichende Weinbaulandschaft Badens. Klimatisch gesehen gehört sie zusammen mit der Bodenseeregion deshalb eher zu den kühleren Regionen. So verwundert es nicht, dass Schwarzriesling und Müller-Thurgau die dominierenden Rebsorten stellen. Schwarzriesling wird in Tauberfranken fruchtbetont. Typisch ist die zurückhaltende Gerbstoffstruktur mit einer angenehmen Kühle und Frische. Aber auch der Müller-Thurgau ist eine der tauberfränkischen Stärken, denn er kann wegen seiner frühen Reife die kurze Vegetationszeit des Gebietes für eine gute Traubenreife bestens ausnutzen. Das mäßig warme, kontinentale Klima und die steinigen, meist kalkreichen Böden formen in Tauberfranken Weine von eleganter Statur, die sich bei Weinfreunden großer Wertschätzung erfreuen. Die Rebböden sind größtenteils aus Muschelkalk-Schichten entstanden, deren besondere Kalksteinmineralität am überzeugendsten in den Weißweinen zu spüren ist.

Badische Bergstraße

Die an der Nordgrenze Badens gelegene Bergstraße hat ein verblüffend hohes Wärmeklima - was sich nicht zuletzt darin widerspiegelt, dass die Frühjahrsentwicklung der Vegetation und die Obstblüte hier sogar früher einsetzen als am Kaiserstuhl. Als blühender Garten zeigt sich die Bergstraße dann auch zum Frühlingsanfang, wenn Kirsch-, Pfirsich- und Mandelbäume aus dem Winterschlaf erwachen. So bietet die Region Spielraum für viele interessante Weine - denn auch die Böden der Weinberge sind in Form einer bunten Palette an unterschiedlichen Terroirs vorhanden. Sie reicht vom tiefgründigen Löss und Lösslehm bis zu den Gesteinsverwitterungsböden aus Porphyr, Granit, Gneis und teils auch Buntsandstein.
So verwundert es nicht, dass sich neben dem Spätburgunder besonders der Riesling auf den Urgesteinsböden wohlfühlt, die sich im südlichen Teil mit Keuper abwechseln. Spätburgunder bleibt aber wichtigster Protagonist und bietet eine interessante Stilistik: Schwarzkirsche, Mineralien, eindrucksvolle Statur mit üppig dichtem Mundgefühl. Die Bergsträßer Spätburgunder sind Weinpersönlichkeiten mit Aura, Statur und der großen Faszination, die wohl nur diese fragile Rebsorte ausüben kann.

Kraichgau

Der Kraichgau zwischen Heidelberg und Pforzheim ist als liebliches, flaches Hügelland mit einem ruhigen Wechsel von Feldern, Mischwald, Wiesen, Obst- bzw. Weingärten und breiten Tälern bekannt. Seine Rebböden sind aus Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein gebildet. Vielerorts zeigen sie aber auch die für Badens Geologie so charakteristische Lössauflage. Das aus Muschelkalk hervorgegangene Terroir besteht hingegen aus Lehmmergel oder tonigem Kalkmergel, das einen hohen Skelettanteil aufweist. Die damit verbundene wärmespeichernde Funktion zusammen mit der Sonnenscheindauer schenken dem Kraichgau ein weinbaulich äußerst günstiges Klima. Darin scheint sich eine weiße Rebsorte besonders wohlzufühlen - der Auxerrois. Obwohl er keinen so großen Anteil an der Gesamtrebfläche besitzt wie Riesling oder Spätburgunder, ist er doch eine typische Spezialität der Region und hat dem Gebiet zwischen Odenwald und Schwarzwald viele Liebhaber eingebracht. Auxerrois, eine Spielart des Weißburgunders, steht für expressive Duftigkeit und zart cremigen Schmelz. Er setzt ebenso auf sanfte Fülle und packende Mineralität im Mundgefühl wie auf pikante Frische.

Ortenau

Die Ortenau, Deutschlands südlichste Riesling-Region, erstreckt sich von Baden-Baden entlang des Schwarzwaldes bis nach Offenburg. Neben eleganten Rieslingen, die hier auch unter dem Synonym "Klingelberger" bekannt sind, weiß die Ortenau zudem mit schmelzig-opulenten Burgunderweinen zu überzeugen. Allen voran der Spätburgunder, dem aristokratischen Pendant zur noblen Riesling-Rebe, die anerkanntermaßen als die Königin der Weißweine gilt. Im Weinberg liegt der Ursprung für die charakterliche Prägung eines Weines. Riesling gerät deshalb auf den Granitverwitterungs- und Gneisböden der Ortenau - je nach Geologie teils um Porphyr- und Quarzitanteile bereichert - markant mineralisch, transparent duftig und lebendig frisch. Während er die oberen Lagen an den dem Schwarzwald vorgelagerten Süd- und Südwesthängen einnimmt, findet sich Spätburgunder auch oft in unteren Lagen mit fetteren Böden und relativ hohen Sandanteilen. Im Gegensatz zum Riesling - der durch die kargen Böden strukturell schlank wirkt und Funken zitroniger, exotischer Pikanz versprüht - charakterisiert sich der Spätburgunder durch ein komplexes Puzzle aus kühler Frucht, rauchigen Nuancen, samtigen Tanninen, dunklen Beeren und Extraktreichtum.  

Breisgau

Als Weinanbaugebiet ist der Breisgau geographisch auf die Reblagen der Vorhügel des Schwarzwaldes zwischen Freiburg und Oberschopfheim begrenzt und schließt auch die Rebhänge des Glottertals mit ein. Das Klima bewegt sich im Spannungsfeld zwischen reichlich bemessenen Niederschlägen und Sonne bzw. Wärme - was einer ganzen Phalanx an unterschiedlichsten Rebsorten hervorragende Bedingungen bietet. Damit macht der Breisgau fast der Rebsortenvielfalt des Kaiserstuhls Konkurrenz. Trotzdem ist mit dem Spätburgunder eine Rebsorte besonders prominent vertreten, was sich angesichts der Böden leicht nachvollziehen lässt. Die Vorbergzone mit ihren Hang- und Terrassenlagen ist mit mächtigen Lössschichten überzogen. Den geologischen Unterbau der Lösspakete bilden Formationen des Muschelkalks, des Buntsandsteins und tertiärer Mergel, die auch immer wieder als bodenbildendes Gestein zu Tage treten. Im Glottertal, auch als touristisches Kleinod bekannt, erweitert sich die komplexe Geologie um Gneisvorkommen. Weißherbst bzw. Rosé scheinen hier verstärkt eine Heimat gefunden zu haben. Die Burgunder insgesamt profitieren von den schweren, tiefgründigen Lösslehmböden, die die Weine mit viel Kraft ausstatten.

Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl - die sonnenverwöhnte vulkanische Erhebung im Oberrheingraben - ist als wärmste Region Deutschlands zu Recht bekannt für seine charaktervollen Grauburgunder und seine Spätburgunder. Typisch für das Landschaftsbild sind auch die Terrassen, auf denen der Weinanbau stattfindet und die mühsam errichtet wurden, um den fruchtbaren Löss- und Vulkanverwitterungsboden festzuhalten. Das dunkle, teils schwarze vulkanische Gestein kann sich zudem wunderbar erwärmen, dient somit als Wärmespeicher für die Nacht und kühlere Tage und sorgt damit für stoffig-körperreiche Weine mit südlichem Temperament. Neben der prominent vertretenen Burgunderfamilie haben hier aber auch Sorten wie Müller-Thurgau, Silvaner, Gewürztraminer und Muskateller eine Heimat gefunden.
Diese Sortenvielfalt ist auf die für die Rebe besonders günstigen Klimabedingungen zurückzuführen, die gleichzeitig auch eine Fülle an unterschiedlichen Prädikatsstufen ermöglichen: von elegant-schlanken und gleichsam saftig-trinkfreudigen Kabinettweinen über kräftige, dicht gewobene Spätlesen bis hin zu tropischen Beerenauslesen und kristallklaren Eisweinen.

Tuniberg

Der Tuniberg, südöstlich des Kaiserstuhls und westlich von Freiburg gelegen, ist ein aus der Rheinebene hervorgehobener Bergrücken und besteht im geologischen Unterbau aus Kalkgestein. Wie der Kaiserstuhl ist auch der Tuniberg fast ganz mit Löss überzogen. Er erhebt sich übrigens nur 100 Meter über die Rheinebene und hat daher keine waldigen Berghöhen sondern ist fast auf seiner gesamten Ausdehnung von Rebterrassen überzogen. Da der schluffreiche Löss bei Regenfällen vom Wasser leicht abgetragen wird, ist der Terrassenanbau hier vorherrschend und gibt der Gegend das prägende Landschaftsbild. Wichtigste Rebsorte ist aufgrund der guten Durchlüftung und Wärmespeicherung der Böden die Spätburgunder-Rebe. Sie nimmt über 50 Prozent der Fläche ein - kein anderer Weinbaubereich in Baden hat einen so großen Anteil dieser Sorte. Es folgt Müller-Thurgau vor den weißen Burgundersorten. Die kostbarsten Burgunderweine kommen in einem warmen, charmanten Stil daher und vermitteln dichtes, kompaktes und kühles Geschmackserlebnis bei mächtiger, körperreicher Konstitution.

Markgräflerland

Die Böden der Markgräfler Reblagen sind zum großen Teil aus einer mehrere Meter dicken Lössschicht gebildet. Man findet jedoch auch tonige Lehm- und schwere Mergelböden, die an den Hanglagen von Urgestein abgelöst werden. Einige der Böden der besten Reblagen sind durch Verwitterung aus den nördlichen Ausläufern des Jurakalkes hervorgegangen. Das feuchtwarme Klima und die wasserspeichernden, fruchtbaren Böden bieten die idealen Bedingungen für die Sorte Gutedel, die in keinem anderen deutschen Weinanbaugebiet größere Bedeutung hat.
 Der Gutedel mit seiner molligen, zartschmelzenden und doch frisch anmutenden Textur und den Assoziationen von allerlei gelben Früchten mit feinem Aromaspiel von Mirabelle, Birne, Melone, nussigen Anklängen und weißem Nougat ist meist leicht im Alkohol. Der Gutedel steht exemplarisch für Weingenuss aus dem Markgräflerland.

Bodensee

Wo liegt die Wiege des deutschen Spätburgunders? Am Kaiserstuhl, an der Ahr, im Rheingau, in der Pfalz? Weit gefehlt: Im Bodmaner Königsweingarten pflanzte Karl III., ein Urenkel Karls des Großen, im Jahre 884 den ersten Spätburgunder. Und noch heute ist er, ausgebaut als spritzig fruchtiger Rosé oder als eleganter Rotwein, die bedeutendste Rebsorte am Bodensee. Aber auch die Müller-Thurgau-Weine vom See sind eine Klasse für sich. Nirgendwo gedeihen zartere, feinfruchtigere Weine dieser Rebsorte wie unter den speziellen klimatischen und geologischen Voraussetzungen der Bodenseeregion. Unmittelbar am See findet man - einmalig im deutschen Weinbau - eiszeitliche Verwitterungsböden, die den Weinen eine filigrane Eleganz und Fruchtigkeit verleihen. Auf einem weichen Sandsteinfels, der sogenannten Süßwassermolasse, liegt eine mehr oder weniger dicke Schicht von Moränenschotter, der von eiszeitlichen Gletschern stammt. Die Schwemmsandböden des Hochrheintales erwärmen sich sehr schnell und bieten vor allem Burgundersorten ideale Wachstumsbedingungen. In der wild-romantischen Vulkanlandschaft des Hegau findet man deshalb die höchstgelegenen Weinberge Deutschlands. Hier wachsen auf Tuffgestein Reben, die besonders mineralische und feinwürzige Weine hervorbringen.