Rebsorten

Baden-Württemberg ist bekannt für eine Vielzahl an Rebsorten. Sie machen Baden-Württemberg zum Weinsüden, dessen Weine in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus Anhänger finden. In dieser kleinen Weinkunde sollen vor allem die Rebsorten vorgestellt werden, die in Baden-Württemberg angebaut werden.

© Achim Mende

Jeder Wein hat seinen eigenen Charakter, genau wie die Gegenden, in denen er wächst und reift.

Trollinger

Auch bekannt als das „Nationalgetränk Württembergs“ ist der Trollinger nach wie vor sehr beliebt, egal ob leicht gekühlt, in der fruchtigen Variante, oder – auf der Maische vergoren – mit Biss und einer feinen Gerbstoffstruktur. Die spät reifende Rotweinsorte mit ihrer ziegelroten Farbe macht sich gut zu landestypischen deftig-rustikalen Speisen wie zum Beispiel Zwiebelrostbraten.

Samtrot

Das Heilbronner Land ist bekannt für ihn: Der Samtrot. Der Rotwein betört durch seine samtige weiche Art und ist auf dem alljährlichen Heilbronner Weinfest ein Renner. Die Samtrot-Rebe gehört zur Familie der Burgunderreben und befindet sich charakterlich zwischen Schwarzriesling und Spätburgunder – ein perfekter Begleiter für ein festliches Sonntagsessen wie zum Beispiel Rinderbraten.

Riesling

Diese Rebsorte ist die bekannteste Repräsentantin der deutschen Weinkultur und fehlt deshalb auch nicht im Weinland Baden-Württemberg. So fein und anspruchsvoll, so vielseitig ist die komplexeste Rebsorte der Welt – vom Weißwein für den Alltag bis hin zum Prädikatswein lässt die beliebte Rebsorte die Weinkenner-Herzen höher schlagen.

Kerner

Abstammend von Trollinger und Riesling ist der Kerner ein gebürtiger Schwabe. Sein Name stammt vom Weinsberger Dichter Justinus Kerner. Die feinrassige Rebsorte erreicht eine hohe natürliche Reife und eignet sich als trockener oder halbtrockener Weißwein hervorragend zu Speisen wie Salat, Fisch oder Geflügel.

Müller-Thurgau

Der früh reifende Müller-Thurgau zeigt bei Ertragsreduktion seine ganze Stärke. Dieser Wein verbindet Fruchtaromen - zum Beispiel knackigen Apfel und Aprikose - mit milder Fruchtsäure. Oft ist eine leichte Muskatnote vorhanden. Die Weine schmecken frisch und jung am besten. Sie sind ideale Sommerweine.

Grauburgunder

In jeder Reihe von Abbildungen weißer Rebsorten fällt der Grauburgunder mit seinen malvenfarbigen Trauben auf. Kein Wunder: Die Sorte ist aus einer Mutation des Spätburgunders entstanden. Grauer Burgunder ist die zweitwichtigste weiße Rebsorte in Baden.
Er duftet - je nach Ausbaumethode - nach grünen Nüssen, Mandeln, frischer Butter und Birne und schmeckt nach Ananas und Zitrusfrüchten, Trockenobst und Rosinen. Daneben treten gelegentlich vegetative Noten von grünen Bohnen oder Paprikaschoten auf. Im Barrique ausgebaute Vertreter können feine Röstnoten aufweisen.

Weißburgunder

Wäre die Farbe der reifenden Beeren nicht, niemand könnte ihn im Weinberg vom Ruländer, dem Grauen Burgunder unterscheiden, denn Trauben- und Blattform sind völlig gleich. Weißburgunder, dank ihres Säuregehalts meist elegant und rassig, sind hervorragende Essensbegleiter. Es sind Spätzünder: Frühestens ein Jahr nach der Ernte erreichen sie ihren geschmacklichen Höhepunkt. Weißburgunder duftet und schmeckt nach (grünen) Nüssen und Mandeln, Birne und Quitte, Ananas und Aprikose. Oft kommen Noten von Zitrusfrüchten, manchmal von frisch geschnittenem Gras hinzu. Weißburgunder ist ebenso erfrischend wie komplex und ein erstklassiger Speisebegleiter.

Gutedel

Der Gutedel ist durchaus weit verbreitet, aber nur in wenigen Gegenden werden seine Trauben auch zu Wein verarbeitet; innerhalb Deutschlands nur im badischen Markgräflerland. Der Gutedel gehört zu den beliebtesten badischen Weißweinen und kann auch gut als Sekt ausgebaut werden. Er duftet zart nach Nüssen, im Geschmack ist er feingliedrig und mild in der Säure. Gutedel-Weine sollten jung getrunken werden, innerhalb der ersten beiden Jahre nach der Ernte.

Silvaner

Der Silvaner ist eine Kreuzung aus Traminer, einer der ältesten bekannten Rebsorten, und der autochthonen Sorte "Österreichisch Weiß". Wie kaum eine andere Rebsorte kann Silvaner sein jeweiliges Terroir widerspiegeln - der perfekte Wein für Entdecker. Der Silvaner ist sehr vielfältig. Er kann bei milder Säure zarte Zitrusfrucht ebenso aufweisen wie kräftige Birnenaromen und erdige Töne. Er kann ein unkomplizierter Sommerwein, ein geschmeidiger, cremiger Barriquewein, eine gut entwickelte, elegante Spätlese oder ein intensiver, nachhaltiger Edelsüßer sein. Alles ist möglich.

Chardonnay

Diese Rebsorte ist in allen wichtigen Weinbaugebieten der Welt zu finden - daher ist sie eine der "internationalen" Sorten. Sicher liegt das auch daran, dass berühmte weiße Burgunder, allen voran der Chablis, aus der Chardonnay-Traube gekeltert werden. Der Chardonnay lässt sich auch sehr gut versekten. Typisch ist der Duft von Melonen, exotischen Früchten, sehr reifen Stachelbeeren oder knackigen Äpfeln. Oft besitzen die Weine reichlich Alkohol und Extrakt, sind stoffig und nachhaltig. Sind sie im Barrique ausgebaut, ergänzen Vanille- und Röstaromen die Fruchtaromen.

Gewürztraminer/Traminer

Gewürztraminer wird schon lange in Deutschland angebaut und gehört zu den Rebsorten, die in der Blüte am empfindlichsten sind. Aus der sehr aromatisch-würzigen Sorte können je nach Boden und Ertrag elegante oder schwere Weine - mit teilweise beachtlichem Alkoholgehalt - erzeugt werden. Allen gemeinsam ist eine relativ milde Säure. Gewürztraminer duften charakteristisch nach abblühenden Rosen, nach Honig, Marzipan, Bitterorangen und Quittengelee. Das aromatische Bukett, ergänzt durch einen herb-würzigen Fruchtgeschmack, macht den Gewürztraminer zu einer Sorte für Liebhaber aromatischer Weine.

Sauvignon Blanc

Sauvignon Blanc ist eine "internationale" Rebsorte. In Deutschland ist der Anteil noch sehr gering - allerdings mit Tendenz nach oben, denn der fruchtig-frische Wein hat viele Liebhaber. Der Wein wurde bis in die 1980er Jahre mit einer Sondergenehmigung als "Weißer Bordeaux" vermarktet. Sauvignon Blanc duftet nach Stachel- und Johannisbeeren. Seine Aromen reichen von frisch geschnittenem Gras bis zu Kräutern, von grünen Äpfeln bis zu frischer Ananas. Besonders gut eignet er sich als erfrischender Sommerwein.

Spätburgunder

Der Spätburgunder oder Pinot Noir ist für die Rotweine, was der Riesling für die Weißweine ist: die Spitze der Qualitätspyramide. In Baden, besonders am Kaiserstuhl, findet sie allerbeste Anbauvoraussetzungen, um Rotweine hervorzubringen, die zu den besten der Welt zählen. Spätburgunderweine schmecken vollmundig und samtig. Der typische Spätburgunder hat einen angenehmen Duft von roten Früchten, von Erdbeere über Kirsche und Brombeere bis hin zur schwarzen Johannisbeere, mit Nuancen von Mandel. Bei im Barrique ausgebauten Spätburgundern kommen Vanille- und Zimt-Anklänge hinzu. Spätburgunder mit kräftiger Farbe, mehr Gerbstoffen (Tanninen), weniger Säure und Lagerung im kleinen Eichenfass gewinnen immer mehr Liebhaber.

Regent

Als pilzresistente Sorte braucht sie keine chemischen Pflanzenschutzmittel. Die Erträge halten sich - wie beim Spätburgunder - in Grenzen. Entsprechend gehaltvoll fallen die Weine aus. Regent entwickelt moderate Säurewerte, die den Ausbau milder und samtiger Rotweine zulassen. Erst seit wenigen Jahren erscheinen Weine der Rebsorte Regent im Portfolio deutscher Winzer, doch schon lässt sich ein Weinstil ausmachen. Meist sind es tiefrote, durchgegorene (also trockene), stoffige, beinahe südländische Weine mit kräftigem Tanningerüst und Fruchtaromen von Kirschen oder Johannisbeeren. Hochwertiges Lesegut wird auch im Barrique ausgebaut.

Dornfelder

Die beliebte Sorte wird vornehmlich trocken, teilweise auch halbtrocken ausgebaut und ist leicht an ihrer tiefroten Farbe zu erkennen. Es gibt zwei unterschiedliche Ausbaustile: Der erste betont die intensiven Fruchtaromen wie Sauerkirsche, Brombeere und Holunder und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass (Barrique) aus und arbeiten so Gerbstoffe und Struktur des Weines stärker heraus. So oder so: Dornfelder sind meist gehaltvoll, geschmeidig und harmonisch. Dornfelder passen ideal zu kräftigem Braten, Wild oder Käse. Fruchtige Ausbauvarianten aus der letzten Ernte bereiten im Sommer sogar leicht gekühlt Trinkspaß.

Lemberger

Der Vorzeige-Württemberger liebt das warme Klima und windgeschützte Standorte. Meist sind die Weine intensiv schwarzrot und erinnern in der Nase an Brombeeren, Kirschen, Pflaumen, Johannisbeeren und Holunder. Manche zeigen Noten von Kakao oder grüner Paprika. Im Geschmack sind sie je nach Ausbauart fruchtig oder gerbstoffbetont. Mancher Lemberger wird im Barrique ausgebaut und tritt mit nahezu südländischem Charme und Wärme auf. Lemberger passt gut zu Grillgerichten, kräftig gebratenem Haus- oder Wildgeflügel, geschmacksintensiven Wildgerichten, Schmorbraten und Lamm. Von der Käseplatte gefallen ihm besonders gut fettarmer Blauschimmelkäse und reifer Bergkäse.

Acolon

Die in Weinsberg gezüchtete Rotweinsorte hat sich innerhalb weniger Jahre einen festen Platz im deutschen Rotweinsortiment erobert. Als Kreuzung aus Lemberger und Dornfelder verbindet der Acolon den betörenden Duft des Dornfelders mit der Struktur und Länge des Lembergers. Die junge Rebsorte ist in ihren Eigenschaften dem Lemberger sehr ähnlich. Die Weine besitzen eine hohe Farbintensität mit dezenter Gerbstoffnote und werden vor allem in guten bis mittleren Lagen angebaut. Die reif und harmonisch wirkenden Weine zeigen deutliche Fruchtaromen bei gleichzeitig guter Struktur und Länge. Teilweise erfolgt der Ausbau im Barrique.

Muskat-Trollinger

Diese eigenständige, aber wenig bekannte Rebsorte wird hauptsächlich in Württemberg angebaut. Sie ist vermutlich aus dem Trollinger mutiert. Ursprünglich wurde der sehr aromatische Muskat-Trollinger als Tafeltraube angebaut. Heute ist der Muskat-Trollinger aufgrund seiner deutlichen Muskatnote eine besondere Spezialität. Der Muskat-Trollinger schmeckt zu jeder Jahreszeit als gekühlter Aperitif – trocken oder halbtrocken.

Schwarzriesling

Der Schwarzriesling hat nichts mit dem Riesling gemein; er stammt vielmehr aus der Burgunderfamilie. Die Trauben werden mittelspät reif. Die Rebsorte ist ein typisches Gewächs aus Württemberg. Im Vergleich zu Trollinger, Lemberger oder Spätburgunder stellt diese Sorte jedoch geringere Ansprüche an Lage und Boden und wächst gerne auf kräftigen Lehmlössböden. Die Weine zeigen eine rubinrote bis ziegelrote Farbe, duften nach roten Beeren und verfügen über einen eher eleganten Körper und ein zartbitteres Finale.

Weinarten

Rosé, Weißherbst, Schillerwein, und Blanc de Noir sind keine Rebsorten, sondern Weinarten.

Rosé
Ein Wein aus roten Trauben, deren Most (Saft nach dem Pressen) sofort von den Beerenhäuten getrennt wird.

Weißherbst
Ein Roséwein, der nur aus einer einzigen Rotweinsorte gekeltert werden darf und zudem Qualitätswein b. A. oder Qualitätswein mit Prädikat sein muss.

Schillerwein
Eine württembergische Spezialität, da nur hier erlaubt. Entsteht durch das gemeinsame Pressen von Weißwein- und Rotweintrauben oder deren Maische.

Blanc de Noir
Ein Wein, der direkt nach der Lese ausschließlich aus Rotweintrauben gekeltert wird. Eine frühe Ernte, schonende Verarbeitung und der Verzicht auf jegliche Maischestandzeiten bringen einen Wein hervor, der sich farblich und geschmacklich als Weißwein präsentiert. Die Angabe der Rebsorte ist erlaubt, beliebt sind aber auch Cuvées aus verschiedenen Rebsorten.