Kreative Köpfe hinter dem Bierhandwerk

Vor 500 Jahren veränderte das deutsche Reinheitsgebot das Bierhandwerk - auch in Baden-Württemberg. Egal ob in traditionsbewussten Familienbetrieben, bei jungen Braumeisterinnen und Braumeistern oder Biersommelièrs: Im Biersüden trifft sorgfältiges Handwerk auf Experimentierfreude.

Blick auf die Vielseitigkeit des Gerstensaftes

Es muss nicht immer der Bierkrug sein: Biersommelière Stephanie Spitzer schenkt Bier im Weißweinglas aus. Dadurch bekommen die Aromen mehr Raum zur Entfaltung und so mancher Besucher der Böhringer Hirschbrauerei ist durch die Juniorchefin schon auf den „Biergeschmack“ gekommen. Neue Geschmackserlebnisse verspricht auch Katharina Haizmann von der Hochdorfer Kronenbrauerei. Doppelbock zu Crème brûlée und Weizenbier zu einem fruchtigen Salat mit Himbeerdressing? Als Biersommelière lässt sie niemand ohne Tipps fürs „Candlelight-Dinner“ nach Hause. Das Sortiment des Familienbetriebs aus dem Schwarzwald, der sich dem „slowBrewing“ verschrieben hat, ist vielseitig: es reicht von traditionell bis „Craft Beer“.

Experimentierfreude beim Brauen

Ein „Craft Beer“ schuf auch Brauer und Mälzer Thomas Wachno, ohne den Begriff zu kennen. Der „Hopfenstopfer“ von Häffner Bräu ist zum Kultbier avanciert. Der Name kommt nicht von ungefähr: Beim Hopfenstopfen wird dem Bier nach der Hauptgärung noch einmal Hopfen zugefügt, wobei sich Hopfenöle lösen, die beim Würzekochen sonst ausgetrieben würden. Etwas exotischer geht es im Stuttgarter Hinterhof von Daniel Bleicher zu. Der Brauer der Cast-Brauerei kreiert neben Klassikern auch saisonale Spezialitäten. Das Pumpkin Ale etwa ist ein mit Hokkaido-Kürbispüree aus biologischem Anbau und Ahornsirup hergestelltes „Craft Beer“. Inspirieren lassen hat sich der junge Braumeister aus seiner Münchner Lehrzeit und dem kalifornischen Brauhandwerk.

Regionaler Biergenuss

Den Fokus eher auf Regionalität legt Michael Ketterer. In der Privatbrauerei Wilhelm Ketterer wird hochwertiger Hopfen aus Tettnang am Bodensee verarbeitet. Wer ein Ketterer Bier genießen möchte, kann das nur exklusiv in einem Umkreis von 30 Kilometern rund um Pforzheim. Dazu zählen auch Eigenkreationen wie das „Black Forest Ale“. Natürlichkeit ist auch für Dieter Schmid von der Privatbrauerei Waldhaus oberste Priorität. 100 Prozent Naturhopfen, davon acht verschiedene Sorten, alle in Deutschland angebaut – damit ist der Querdenker aus dem Südschwarzwald einer der Letzten, der ausschließlich mit echtem Hopfen braut. Verarbeitet werden sie in einer langen und intensiven „Würzekochung“ im charakteristischen Kupferkessel.

Ob es sich beim „unfiltrierten Original“ um das naturtrübe Kultbier oder seinen schillernden Braumeister Rudi Vogel handelt ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass sich das nach dem „unfiltriertem Prinzip“ gebrauten Bier schnell wachsender Beliebtheit erfreute und das Karlsruher Vogelbräu zum „Wohnzimmer der Region“ avancierte. Drei Wirtschaften betreibt Rudi Vogel heute – alle mit eigener Brauerei.